Wie gut ist das noch?!

Gebrauchte Kinderkleidung: Was ihr vor dem Secondhand-Kauf wissen solltet ...

Secondhand-Ware aller Art liegt im Trend, weil sie nachhaltig, kostengünstig und einfach gut ist. Aber worauf muss man beim Kauf eigentlich achten? Und wie kommt ihr auch ohne Flohmärkte an Spielzeug, Kinder Secondhand und Bücher? Wir haben Tipps!

Wo finde ich die besten Secondhand-Schätze für meine Kinder?
© Foto: Getty Images/Winslow Productions
Wo finde ich die besten Secondhand-Schätze für meine Kinder?

Ist Secondhand wirklich besser?

In einer Familie mit mehreren Kindern kommt man irgendwann um das Thema Kleidung und Spielzeug aus zweiter Hand gar nicht herum. Denn natürlich wird all das aufgehoben und an Geschwisterkinder vererbt. Diese recht natürliche Entwicklung ist ein erster Schritt zu mehr Nachhaltigkeit in vielen Familien. Und damit liegen ihr nicht nur im Trend, dieses Verhalten ist für unsere Kinder sogar besser. Denn, so Matthias Scholl von Oxfam: "Mögliche Schadstoffe durch Chemikalien, die beim Färben oder in anderen Phasen der Produktion möglicherweise verwendet wurden, sind aus Secondhand-Textilien längst herausgewaschen."

Gebrauchte Kinderkleidung kaufen – im Laden und online

Meine drei Kinder kennen Gebrauchtes seit ihrer Geburt. Denn wir tauschen seit Jahren Kleiderkleidung und Spielzeug im Freundeskreis hin und her. Umso älter die Kinder werden, umso schwieriger wird das allerdings, denn während die Kleinsten aus Babykleidung schnell herausgewachsen sind und viele Babys begleitet, kann so ein Vorschulkind eine Hose oder eine Jacke deutlich länger tragen und ganz anders beanspruchen. Hallo zerschlissene Knie! Zeit, sich mal außerhalb des Freundeskreises nach gebrauchter Kinderkleidung umzusehen. Fündig werdet ihr da praktisch überall: Sowohl offline in Secondhand-Shops, in Sozialkaufhäuser, auf Flohmärkten, als auch online in diversen Apps, Facebook- oder WhatsApp-Gruppen. Gerade durch die Pandemie, als viele Flohmarktbesuche flachfielen und Shops teilweise geschlossen wurden, suchten viele online nach gebrauchter Ware.

Ein Trend, der erstmal grundsätzlich positiv ist, weil er zeigt, dass mehr Menschen nachhaltiger konsumieren wollen. Eine Studie der Unternehmensberatung KPMG und des Kölner Handlungsforschungsinstituts EHI kam zu dem Schluss, dass bereits jetzt ein Drittel der Deutschen Secondhand-Kleidung kauft. Weitere 28 Prozent können sich das vorstellen. Das ist gut so, denn die Textilindustrie muss sich dringend verändern, wie Matthias Scholl von Oxfam verdeutlicht. Immerhin verursacht sie "mehr CO2-Emmissionen als Schifffahrt und Flugverkehr zusammen". Deswegen sollten wir alle Secondhand-Käufe einfach mal ausprobieren, es ist auch ganz einfach.

Secondhand-Kleidung für Kinder kaufen

Wenn ihr euch mit dem Thema gebrauchte Kinderkleidung vor Ort vertraut machen möchtet, besucht beispielsweise mal einen Laden von Oxfam oder ein Sozialkaufhaus. Da darf wirklich jeder einkaufen, ungeachtet der eigenen finanziellen Ressourcen. Denn Gebrauchtes ist schon lange kein Thema mehr nur für finanziell Schwache. Es geht vor allem um Umweltschutz und darum, Dinge so lange wie möglich im Kreislauf zu erhalten, statt immer neu zu produzieren. "Gerade bei Kleidung, aus denen Kinder schnell herauswachsen, oder bei Spielzeug, das vielleicht schon nach kurzer Zeit unbeachtet in der Ecke liegt, ist Secondhand sinnvoll – um Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen", so Matthias Scholl. "Und natürlich spart es Geld, Dinge gebraucht zu kaufen."

Es wurde alles schon produziert, was wir brauchen

Wenn ihr einen Secondhand-Laden besucht, werdet ihr spätestens dann feststellen: Eigentlich wurde alles, was wir jemals brauchen können, nämlich schon produziert. Vom Babybody bis zum Rutschauto findet sich praktisch alles vor Ort, aber es braucht etwas Glück und Zeit, um fündig zu werden. Denn die Auswahl ist, bedingt durch Lagerfläche, natürlich begrenzt. Und: Die Ware ist vielleicht etwas teurer als online, weil Logistik und Löhne natürlich auch bezahlt werden müssen. Preiswerter als Neuware ist sie aber in der Regel trotzdem noch.

Außerdem kauft ihr oftmals sehr lokal ein, denn die Spenden für die Sozialkaufhäuser kommen oft aus der näheren Umgebung. "Klimatechnisch gesehen", sagt Matthias Scholl, "sind das nur Katzensprünge im Vergleich zum Versandhandel oder gar den Transportwegen der Neuware: Ein T-Shirt ist beispielsweise bereits einmal um die Welt geflogen, bevor es in unserem Kleiderschrank landet."

Gutes tun mit Secondhand-Kauf

Etwas Gutes tut ihr im Zweifelsfall mit euren lokalen Einkäufen auch noch. Die Erlöse von Oxfam fließen laut Matthias Scholl beispielsweise "in Nothilfe, Entwicklungsprojekte und Kampagnen, die Armut bekämpfen". Ein weiterer Vorteil: Alles was ihr kauft, wurde von Mitarbeitenden im Vorfeld kontrolliert, weil nur Ware in den Verkauf kommen soll, die langfristig Freude bereitet. Das bedeutet oftmals auch: Eher Markenprodukte als Fast Fashion, von der wir alle wissen, dass sie nicht für die Ewigkeit gemacht ist.

Wie komme ich in eine Flohmarkt-WhatsApp-Gruppe?

Wollt ihr euch lieber online aber möglichst risikoarm an das Thema Secondhand herantasten, tretet doch einer lokalen WhatsApp- oder Facebook-Gruppe zu diesem Thema bei. Entweder ein befreundetes Elternteil kennt diese sowieso schon und kann euch hinzufügen, oder ihr sucht gezielt danach. Am einfachsten geht das via Groupler

Was genau das ist? Ihr müsst euch bei diesem Online-Tool einloggen und gebt in die Suchleiste den Suchbegriff Secondhand und den Ort ein, an dem ihr wohnt. Schon werden euch Suchergebnisse präsentiert. Ist nichts dabei, probiert ein wenig mit den Begriffen herum. Jede Gruppe hat so ihre Eigennamen. Habt ihr gefunden, was ihr sucht, müsst ihr euch nur noch hinzufügen und könnt dann Dinge via WhatsApp kaufen und verkaufen.

Das Gute an WhatsApp-Gruppen: Ihr kauft nicht die Katze im Sack, sondern besprecht mit der Person, von der ihr etwas kaufen möchtet, einen Zeit- und Treffpunkt und könnt vor Ort die Ware anschauen. Das spart nicht nur Verpackungsmüll, Portokosten und CO2-Emissionen, weil nichts transportiert werden muss, es ist auch recht risikoarm. Wenn ihr euch unwohl mit dem Gedanken fühlt, Fremde zuhause zu treffen, vereinbart einen Treff an einen öffentlichen Platz. Ihr wärt aber auch nicht die ersten, bei denen aus einem WhatsApp Tauschgeschäft eine Freundschaft entsteht, denn Eltern die Gebrauchtes (ver)kaufen, haben oft Kinder im ähnlichen Alter und ähnliche Interessen.

Gebrauchtes über Ebay Kleinanzeigen und Vinted kaufen

Ähnlich wie WhatsApp-Gruppen funktioniert auch Ebay Kleinanzeigen oder Vinted. Auch hier bieten Menschen Gebrauchtes an, ihr könnt die Suche lokal begrenzen oder deutschlandweit suchen. Der Nachteil am Kauf ohne Treffen: Ihr müsst dem Verkaufenden Glauben schenken und hoffen, dass die Teile wirklich so sind, wie vorher beschrieben. Das kann zu bösen Überraschungen führen. Deswegen seid besonders vorsichtig bei Markenartikeln und fragt im Zweifelsfall einfach noch nach weiteren Fotos oder Dingen, die euch wichtig sind. Lieber einmal zu viel gefragt als am Ende eine löchrige Strickjacke durch Deutschland geschickt, die dann doch niemand anzieht.

Ausmisten und gebrauchte Kindersachen spenden

Solltet ihr nun nicht nur Lust auf Gebrauchtes haben, sondern auch selbst ausmisten wollt, dann gibt es noch den Tipp von Thomas Ahlmann von Fairwertung e.V.: Wenn ihr eure Kleidung nicht selbst Secondhand verkaufen möchtet, dann schaut, wohin ihr sie spenden könnt, statt sie einfach in die nächste Kleidertonne zu schmeißen. In jeder Region gibt es Container mit denen ihr die Diakonie, Oxfam oder Zweimalschön unterstützt und den Kreislauf von Kleidung am Leben erhaltet. Unter altkleiderspenden.de könnt ihr Abgabestellen in eurer Nähe finden.

"Gemeinnützige Organisationen würden gern alles nehmen, aber wir merken, dass die Qualität der Kleidung deutlich abgenommen hat. Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit spielt heute leider kaum noch eine Rolle, sowohl in der Produktion als auch im Konsum." Deswegen gilt: Klamotten mit Löchern, solche, die ihr auch nicht mehr an Freunde weitergeben würdet, können nur noch als Putzlappen verwendet werden oder in den Müll wandern. Sie in Kleidersammlungen zu geben, ist dann eher eine Entsorgung und keine Spende. Thomas Ahlmann ermuntert aber zur Kleiderspende. Er sagt: "Textilien sind mit die schönste Möglichkeit gemeinnützige Zwecke zu unterstützen, eine Spende zu vollziehen. Man hat den Artikel schon gekauft, genutzt und hat dann die Option, mit Dingen die man loswerden möchte, noch etwas Gutes tun. Die Organisationen sind auf diese Spenden angewiesen." Auf diese Art haltet ihr außerdem den Kreislauf der Nachhaltigkeit auch weiter am Leben.

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