Promis erzählen

Inka Friedrich, was haben Sie von Ihren Kindern gelernt?

Das Leben mit Kindern ist turbulent und aufregend. Das ist auch in Familien mit einer Mutter, die als Schauspielerin arbeitet, nicht anders. Inka Friedrich erzählt uns, wie es bei ihr zu Hause läuft.

Inka Friedrich hat zwei Söhne.
© Foto: Steffen Klueter
Inka Friedrich hat zwei Söhne.

Natürlich sorgt jedes Kind immer für eine neue, grundlegende Erfahrung. Und diese lässt mich immer wieder neu das Leben intensiv spüren. Mein älterer Sohn ist jetzt 15, der jüngere zwölf Jahre alt. Beim zweiten habe ich bei weitem nicht mehr so viel Stress empfunden wie beim ersten. Ob er deshalb ein ganz anderer Typ Mensch geworden ist? Ich glaube nicht. Die beiden sind nun mal völlig unterschiedlich – und waren das von Anfang an. 

Es mag ja sein, dass man sich als jüngeres Geschwisterkind die Lücken sucht, die der ältere lässt. Aber im Kleinkindalter spielt das noch keine Rolle. Wenn ich mir Fotos von damals anschaue, werden mir die Unterschiede wieder sehr bewußt: Der eine war körperlich sehr schnell, der andere sprachlich. 

Heute finde ich mich als Person inzwischen in beiden Kindern wieder ...

... vom Temperament her eher in dem einen als im anderen. Ich habe mich schon als Kind sehr aufbrausend verhalten, bekam eine wahnsinnige Wut, wenn ich etwas als ungerecht empfunden hatte. Dies erkenne ich im Verhalten meines Großen wieder.

Nicht nur, weil er in der Pubertät steckt, lebt er und reagiert supersensitiv. Klar, ich kann verstehen, dass er – kaum hat er unser Zuhause verlassen – energiegeladen auf alles und jeden reagiert. Vielleicht sogar überreagiert. Und genau das kenne ich übrigens auch aus meinem Beruf. Bei der Schauspielerei geht es immer um dich persönlich. Da gibt es kaum Puffer. Ich bin damit zum Glück – rückblickend betrachtet – oft gut gefahren ...

Mit dem Älteren gerate ich auch oft emotional aneinander. Alles müssen wir ihm als Eltern x-mal sagen – er reagiert mit einer Scheißegal-Haltung, dazu kommt noch ein respektloser Ton. Nach dem Motto: "Ihr habt mich doch so erzogen". Einen Moment später kann er dann wieder total lieb und hilfsbereit sein, und wir sind ganz vertraut miteinander.

Geduld üben ist etwas, das ich nicht von meinen Kindern, sondern durch sie gelernt habe. Wenn aber im Gespräch zu viel Müll auf einmal kommt, dann muss ich gegenhalten. Trotzdem habe ich gerade durch die Erziehung der Kinder auch gelernt, Konflikte auszuhalten. Entspannt zu bleiben, ist natürlich schöner. Wenn dann aber so ein Satz von meinem Kind kommt wie "Wir streiten nur, weil du immer motzt“, kann ich nur sagen: Da haben wir jetzt halt einen Konflikt.

Das ist nicht an sich schlimm, ich finde nur das zähe Herumdiskutieren so ätzend. Manchmal hilft es mir, bevor es eskaliert, mich in mein Zimmer zurückzuziehen und die Tür hinter mir zuzumachen. Das hilft. Und dann ist es schnell auch wieder gut.

Am besten beim Entschärfen von Streit wirkt allerdings unsere Katze Puma (die Jungs durften sich den Namen aussuchen). Wenn sich alle streiten, braucht nur einer zu sagen: "Guck mal, was Puma gerade macht!” Alle Familienmitlieder sehen ihm dann beim Spielen zu und denken dann: "Oh, wie süß”. Das ist das beste Mittel zum Friedenstiften.

Mit den Kindern haben sich meine Prioritäten im Leben ganz klar verändert

Eigentlich gehöre ich als Typus zu denjenigen, die erst ihre To-do-Liste abarbeiten wollen, bevor er sich entspannen können. Als ich dann Mama wurde, änderte sich mein Verhalten: Wenn ich damals nach einem längeren Dreh nach Hause zurückkam, überfielen mich die beiden Kleinen. Kaum war ich duch die Haustür, musste ich die Jungs auf den Arm nehmen. Minutenlang standen erstmal Toben, Knuddeln und Kitzeln auf dem Programm.

Das habe ich echt genossen – egal, wie gestresst ich vorher war. Wenn die Mama wieder da war, musste sie eben sofort präsent sein. Nichts aufschieben, nicht erst was anderes machen – einfach mitten rein in ihre Welt. Mir hat das gezeigt: Kinder brauchen uns Eltern einfach! Wir haben sie in die Welt gesetzt, also tragen wir auch die Verantwortung für sie.

Heute weiß ich: Ich möchte um gar keinen Preis mein Familienleben tauschen. Die Kinder sind das Beste, was ich gemacht habe – egal, wie turbulent es zugeht Es ist einfach toll, sie aufwachsen zu sehen. Was für ein Glück!.

Autor: Rolf von der Reith

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