Schwangerschaftsrisiken

Eileiterschwangerschaft: Was passiert dabei genau?

Wenn sich eine befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter einnistet, spricht man von einer Eileiterschwangerschaft. Grund dafür ist, dass der Eileiter den Embryo nicht zur Gebärmutter transportiert. Wir erklären euch, wie es dazu kommt und was es damit auf sich hat.

Bei einer Eileiterschwangerschaft klagen viele Frauen über Bauchschmerzen.
© Foto: Getty Images/dragana991
Bei einer Eileiterschwangerschaft klagen viele Frauen über Bauchschmerzen.

Eileiterschwangerschaft – was ist das?

Bei einer normalen Schwangerschaft wird die Eizelle im Eileitertrichter befruchtet. Anschließend wandert sie über den Eileiter in die Gebärmutter. Hier nistet sie sich circa fünf bis sechs Tage nach der Befruchtung ein. Ist der Eileiter jedoch verklebt oder geschädigt, kann er die befruchtete Eizelle nicht zur Gebärmutter transportieren. Das hat möglicherweise zur Folge, dass sich der Embryo im Eileiter einnistet.

Bei rund 2,5 bis vier Prozent aller Schwangerschaften nistet sich eine befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter ein. Im Fachjargon nennt sich das extrauterine Gravidität (EUG). Bei Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter ist das Auftreten einer Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität) mit 99 Prozent am häufigsten. In sehr seltenen Fällen kann sich ein Embryo aber auch am Eierstock, in der Bauchhöhle und am Gebärmutterhals einnisten.

Ursachen einer Eileiterschwangerschaft – warum passiert das?

Die Risikofaktoren und Ursachen einer Eileiterschwangerschaft sind vielfältig. Die häufigsten Ursachen sind Endometriose und eine entzündliche Erkrankung des Beckens (Englisch: Pelvic inflammatory disease, PID). Endometriose sind Wucherungen aus gebärmutterschleimhautartigem Gewebe – sie können für eine Blockade im Eileiter oder in der Gebärmutter sorgen. Unter PID versteht man eine Infektion des weiblichen oberen Genitaltrakts, einschließlich der Gebärmutter, der Eileiter und der Eierstöcke.

Eher selten können auch angeborene Besonderheiten ein Grund sein – wie etwa Aushöhlungen in der Wand des Eileiters. "Auch Verwachsungen oder Narben, die sich nach einer Entzündung oder Operation gebildet haben, können zur Folge haben, dass der Eileiter die befruchtete Eizelle nicht in die Gebärmutter transportieren kann", sagt Prof. Marek Zygmunt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Greifswald.

In seltenen Fällen kann auch eine Verhütung mit der Spirale das Risiko einer Eileiterschwangerschaft erhöhen. Habt ihr bereits eine EUG gehabt oder seid ihr Raucherinnen, erhöht das ebenfalls das Risiko für eine weitere Eileiterschwangerschaft.

Symptome: Ab wann merkt man eine Eileiterschwangerschaft?

Die Symptome einer Eileiterschwangerschaft zeigen sich meistens zwischen der fünften und neunten SSW (Schwangerschaftswoche). "Zum Teil merken die betroffenen Frauen die typischen Anzeichen einer Schwangerschaft – zum Beispiel bleibt auch bei der Eileiterschwangerschaft die Periode aus. Übelkeit und Spannung der Brüste gehören wie bei einer normalen Schwangerschaft dazu", erklärt Prof. Marek Zygmunt. Macht ihr einen Schwangerschaftstest, fällt dieser auch bei einer EUG positiv aus – ihr seid ja schließlich schwanger – nur der Embryo befindet sich nicht in der Gebärmutter. Weitere mögliche Symptome sind:

  • Blutungen oder Schmierblutungen
  • Schmerzen im Unterbauch, oft einseitig

Wenn ihr Anzeichen einer Schwangerschaft bemerkt oder ihr einen positiven Test habt, solltet ihr unbedingt direkt Kontakt zu eurem Frauenarzt aufnehmen. Insbesondere dann, wenn ihr Auffälligkeiten feststellt wie etwa Unterleibsschmerzen. Liegt eine Eileiterschwangerschaft vor, sollte sie behandelt werden.

Diagnose: So stellt euer Arzt eine Eileiterschwangerschaft fest

Erster Hinweis auf eine Eileiterschwangerschaft ist, dass trotz der Schwangerschaftssymptome kein Embryo beim Ultraschall in der Gebärmutter zu sehen ist. Auch abweichende Werte des Schwangerschaftshormons (ß-HCG) können ein Anzeichen sein. So ist das Schwangerschaftshormon zwar messbar, aber der Wert ist viel niedriger, als er sein sollte. Auch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) kann Aufschluss geben.

Behandlung einer Eileiterschwangerschaft: Was wird da gemacht?

Häufig nimmt der Körper eine Eileiterschwangerschaft selbst in die Hand und es kommt zum sogenannten Tubarabort. Das heißt, der Körper beendet die Schwangerschaft. Denn bei einer Eileiterschwangerschaft wird der Embryo nicht ausreichend versorgt und ist nicht überlebensfähig. Dazu kommt: Eine Eileiterschwangerschaft kann für die Frauen lebensgefährlich werden. Bleibt sie zunächst unerkannt, kann der Eileiter aufgrund des wachsenden Embryos im schlimmsten Fall reißen und zu inneren Blutungen führen. Das kann Kreislaufversagen sowie einen Schock verursachen. Bei intensiven Schmerzen im Unterbauch sowie Schwächezuständen, Ohnmachtsanfällen oder ausstrahlenden Rückenschmerzen solltet ihr sofort einen Notarzt rufen. Sollte der Eileiter reißen, muss umgehend operiert werden.

Allerdings werden Eileiterschwangerschaften heute meist früh erkannt. Bricht der Körper die Schwangerschaft nicht von sich aus ab, wird die Schwangerschaft aufgrund der gesundheitlichen Risiken für die Mutter beendet. In einem frühen Stadium der Schwangerschaft sind Medikamente das Mittel der Wahl. Vorausgesetzt, ihr habt keine weiteren Beschwerden. Ist die Schwangerschaft schon weiter fortgeschritten, ist ein operativer Eingriff notwendig. Bei einer Bauchspiegelung öffnet der Arzt den Eileiter und entfernt die eingenistete Eizelle.

"Gerade bei Kinderwunsch ist sehr wichtig, eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter möglichst früh zu behandeln. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, die Eileiter funktionsfähig zu erhalten. Einer erneuten Schwangerschaft steht dann eigentlich nichts im Weg“, erklärt Prof. Marek Zygmunt. Verhindern kann man eine Eileiterschwangerschaft allerdings leider nicht. In einigen Fällen – wenn die Eileiterschwangerschaft weit fortgeschrittenen, der Eileiter stark geschädigt oder die EUG wiederholt aufgetreten ist – kann es notwendig werden, dass euer Gynäkologe den betroffenen Eileiter entfernt. Schwanger werden mit einem Eileiter ist möglich, allerdings verringert sich die Wahrscheinlichkeit.

Schwanger nach Eileiterschwangerschaft?

Für manche Frauen ist Schonung nach der Eileiterschwangerschaft wichtig. Körper und Psyche müssen sich erst mal regenerieren. Nach der medikamentösen Behandlung bleiben die Eileiter bei den meisten Frauen durchgängig. Das heißt, werdet ihr erneut schwanger, sind die Chancen hoch, dass sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Aber: "Das Risiko einer erneuten Eileiterschwangerschaft liegt bei 5 bis 20 Prozent. Sind nach einer Operation die Eileiter erhalten geblieben, kommt es bei 30 Prozent der Schwangerschaften wieder zu einer Eileiterschwangerschaft. Muss dann operiert werden, ist es in 30 bis 40 Prozent der Fälle notwendig, dass der Eileiter teilweise oder vollständig entfernt wird", sagt Prof. Marek Zygmunt.

Hattet ihr mehrere Eileiterschwangerschaften, kommt eventuell eine künstliche Befruchtung für euch infrage. Aktuell versuchen Forscherinnen und Forscher der Unikliniken Greifswald und Rostock, eine Lösung für das Problem zu finden: Ein sogenannter "Stent" – ein winziges Röhrchen – im Eileiter soll für die Durchlässigkeit und damit für den Transport der befruchteten Eizelle zur Gebärmutter sorgen. Noch befindet sich dieser Stent aber in der Entwicklungsphase.

Autorin: Christina Russell

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