Babys Schlafrythmus

"Halt dein Baby wach, dann schläft es heute Nacht besser!" Warum das ein Irrglaube ist ...

Ihr lasst euer Baby ausnahmsweise zwei Stunden länger auf, damit ihr am nächsten Tag ausschlafen dürft? Oder lasst ein Tagschläfchen aus, in der Hoffnung aufs Durchschlafen. Könnt ihr gerne versuchen! Aber: Bei den wenigsten Kindern geht dieser Plan auf. Zwei Experten erklären das Phänomen.

Kuckuck, da bin ich schon wieder! Frühaufsteher-Babys bleiben Frühaufsteher-Babys.
© Getty Images/Lauren Bates
Kuckuck, da bin ich schon wieder! Frühaufsteher-Babys bleiben Frühaufsteher-Babys.

Spät ins Bett – trotzdem schläft unser Baby nicht länger. Warum?

Die Erklärung für dieses Frühaufsteher-Phänomen ist recht einleuchtend: "Säuglinge und Kleinkinder bauen keine Schlafschuld auf. Das heißt: Sie holen verpasste Stunden in der Regel nicht nach", so der bekannte Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster. "Sie sind sogenannte Lerchen und wachen morgens früh auf, auch wenn sie spät hingelegt werden", ergänzt Schlafmediziner Dr. Frank Kirchhoff.

Wird das irgendwann anders?

Ja, es gibt Hoffnung für alle Langschläfer-Eltern: Ab dem Kindergartenalter können Kinder langsam den aufgestauten Schlafbedarf abtragen. Jugendliche werden sogar häufig zu Eulen und haben morgens richtige Probleme, aus dem Bett zu kommen – doch das ist eine andere Geschichte ...

Regelmäßigkeit hilft auch beim Schlafen

Wer langfristig den Schlafrhythmus seines Kindes verändern möchte, sollte mit kleinen Intervallen beginnen: Jeden Abend das Kleine ein paar Minuten später zu Bett bringen. So kann sich euer Kind ganz langsam an die Veränderungen anpassen – und wird irgendwann auch morgens etwas länger schlafen. Dieser Tipp hilft zum Beispiel auch bei der Zeitumstellung

Mythos: "Halt dein Kind doch wach, dann schläft es besser!" 

Apropos Regelmäßigkeit, dazu hat Schlafexpertin Sylvia Abenthum auch einiges zu sagen. Denn sie hält nichts davon, Babys "künstlich" wachzuhalten, damit sie vermeintlich besser/länger/durchschlafen:

"Ein fünf Monate altes Baby, das in der Regel drei Schläfchen benötigt, sollte dann das dritte Schläfchen einfach weglassen. Aus ca. 2,5 Stunden Wachzeit bis zum Abend werden dann 5 Stunden Wachzeit. Doppelt so viel. Ein neun Monate altes Baby, das in der Regel noch zwei Schläfchen benötigt, soll das zweite Schläfchen weglassen. Aus 3,5 Stunden Wachzeit werden 8 Stunden Wachzeit."

Beispiele wie diese kennt die Schlafcoachin aus ihrem beruflichen Alltag. Sie erklärt auf ihrem Instagram-Account: 

"Was passiert? Aufgrund der viel zu hohen Wachzeit fallen diese Babys in die Übermüdung. Übermüdung führt wiederum dazu,

  • dass das Einschlafen sich erschwert,
  • die Nacht unerwartet kurz ausfällt

und tatsächlich:

  • dass die Nacht unruhig ist. Sie wird demnach nicht besser. Im Gegenteil."

Für Sylvia Abendthum ist also klar, es handelt sich um einen Mythos. Lasst eure Babys schlafen, wenn sie müde sind. 

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