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Drei-Monats-Koliken: Bye-bye Bauchweh!

Ein Wundermittel gegen das Bauchweh und die schmerzhaften Blähungen gibt es leider nicht. Aber Eltern können einiges tun, um ihrem kleinen Liebling zu helfen und die Beschwerden der sogenannten Drei-Monats-Koliken ein wenig zu lindern.

Der Fliegergriff hat sich bei Drei-Monats-Koliken bewährt.
© Foto: Getty Images/Anchiy
Der Fliegergriff hat sich bei Drei-Monats-Koliken bewährt.

Spontane Schreiattacken, schwieriges Einschlafen, häufiges Aufwachen: Die ersten Monate mit einem Neugeborenen kosten Eltern und Kind viel Kraft. Ein Grund ist, dass sich der Magen-Darm-Trakt des Babys erst noch daran gewöhnen muss, Muttermilch oder Fertigmilch zu verdauen. Bauchschmerzen und Unwohlsein treten in dieser Zeit häufig ganz plötzlich auf, oft schon in der zweiten Lebenswoche des Säuglings. Die Schmerzattacken treten vermehrt am frühen Abend auf und äußern sich durch langanhaltendes, oft stundenlanges Weinen. Dabei zieht das Baby meist seine Beinchen abwechselnd an und streckt sie.

Was jetzt hilft? Da tickt jedes Baby anders und junge Eltern können nur durch Ausprobieren Maßnahmen zur Linderung herausfinden. Die typischen Drei-Monats-Koliken steigern sich etwa bis zur 6. Lebenswoche. Aber wie der Name "Drei-Monats-Koliken" schon sagt: Es ist ein Ende abzusehen! Mit der Zeit lassen bei den allermeisten Babys die Blähungen und damit auch die Schreiattacken nach. Ganz wichtig: Eltern sollten sich von Schuldgefühlen befreien und nicht die ganze Zeit darüber nachdenken, was sie vielleicht falsch machen. Schreien ist für Babys anfangs die einzige Möglichkeit, ihren Schmerz mitzuteilen.

Und noch ein Hinweis: Der Begriff "Drei-Monats-Koliken" und ob es so etwas überhaupt gibt, ist inzwischen umstritten. "Drei-Monats-koliken" werden vermehrt auch als Regulationsstörungen bezeichnet. Viele Experten, wie auch Stillberaterin Sandra Werlich-Praetzel aus Hamburg, sprechen daher lieber einfach von Bauchschmerzen. "Es geht um die Unterscheidung von Bauchschmerzen und Blähungen", betont die Expertin. "Wenn der Bauch hart und aufgebläht ist, das Baby nicht pupsen kann, der Darm laute Geräusche macht und vielleicht auch noch der Windelinhalt richtig übel riecht, dann sprechen wir von Blähungen – der Bauch ist aufgebläht."

Wenn Babys pupsen, sei das gut und normal. Dass der Bauch schmerzt, sei ab und an ebenfalls normal, so Sandra Werlich-Praetzel, der Darm muss sich erst umgewöhnen und einpendeln. Das kann leider etwas dauern.

Auch das hilft bei "Drei-Monats-Koliken": dem Baby die Anpassung erleichtern

Für ein Baby ist das Leben außerhalb des Mutterleibes ungewohnt und oft auch stressig. Der Magen-Darm-Trakt und die Darmflora haben eine noch ungewohnte Aufgabe. Wenn ein Baby weint, schluckt es Luft. Auch dies kann zu Bauchweh führen. Manche Babys schreien anfänglich, wenn sie ihre noch neue und daher anstrengende Umgebung überfordert. Oft spricht man dann von "Anpassungsschwierigkeiten". Eltern können dieses Schreien oft nicht verstehen oder sich erklären.

"Wenn wir uns jedoch überlegen, wie das Leben für das Baby im Bauch war", erklärt Stillberaterin Sandra Werlich-Praetzel, "nämlich warm, abgedunkelt, immer geschaukelt und an (in) der Mama, alle Außenreize werden gedämpft wahrgenommen, überall gibt es eine Begrenzung (es war ja nicht mehr viel Platz im Bauch) – dann können wir versuchen, dem Baby die Bauchzeit quasi zu verlängern, indem wir ihm eine ähnliche Situation schaffen: es wenigen Reizen aussetzen und durch Körperkontakt viel Sicherheit geben." Die Babys werden dann ruhiger, erleben weniger, müssen dadurch weniger verarbeiten, schreien weniger und schlucken nicht so viel Luft. Das tut auch dem Bäuchlein gut.

Tipps fürs Stillen und Fläschchen-Geben

  • Stillende Mütter sollten Nahrungsmittel meiden, welche sie selber nicht vertragen oder auch in der Schwangerschaft gemieden haben. Vorsichtig ausprobieren sollte man blähende Nahrungsmittel (Sandra Werlich-Praetzels Empfehlung: diese am Mittag essen, dann ist es am Abend in der Milch angekommen. Essen wir problematische Dinge am Abend, hat das Baby ggf. in der Nacht Bauchschmerzen, wenn wir selber sehr müde sind). Es wird nicht mehr empfohlen, potenziell blähende Lebensmittel komplett zu streichen, da sich oft zeigt, dass etwa Bohnen oder Zwiebeln kein Problem sind, jedoch vielleicht der Joghurt (Kuhmilchprodukte) oder das Vollkornbrot die Muttermilch für das Kind schwer verdaulich machen.
  • Bei Fläschchennahrung wichtig: Die Milch nicht schütteln, sondern umrühren! So bilden sich weniger Luftbläschen.
  • Wichtig beim Füttern: Immer wieder Pausen einlegen und das Baby zwischendurch ein Bäuerchen machen lassen. Luft im Bauch führt zu Bauchschmerzen und Blähungen. Die Hebamme oder Stillberaterin kann zeigen, wie das Baby optimal an der Brust trinken kann, ohne zu viel Luft zu schlucken.
  • Mit dem Stillen nicht so lange warten, bis das Baby sehr hungrig ist. Hastige Trinker schlucken meist zu viel Luft. Stillt euer Baby nach Bedarf, nicht nach der Uhr!
  • Bekommt das Baby ein Fläschchen, sollte das Loch im Sauger nicht zu groß sein. Ansonsten kann beim Trinken zu viel Luft in den Magen gelangen.
  • Mittlerweile gibt es spezielle, besonders verträgliche Milchnahrung für Bauchweh-Kinder.
  • Falls sich die Symptome nicht bessern, den Kinderarzt aufsuchen: Im seltenen Fall einer Kuhmilchallergie benötigt das Baby spezielle Nahrung.

Drei-Monats-Koliken bzw. -Bauchschmerzen mit Massagen, Wärme und viel Ruhe lindern

  • Wärmflaschen, Kirschkernsäckchen oder Dinkelkissen (in Apotheken oder Reformhäusern) auf Babys Bauch können Blähungen lindern. Säckchen oder Wärmflasche dürfen nicht zu heiß sein. Gleichmäßige Wärme hilft am besten. Auch ein warmes Bad hilft bei Drei-Monats-Koliken bzw. -Bauchschmerzen.
  • Eine Bauchmassage mit Kümmelöl, Bäuchlein-Massageöl oder sogenannter Wind-Salbe (in Apotheken) hilft, den Bauch zu entkrampfen und verringert die Blähungen. Dazu im Uhrzeigersinn mit den Fingern um Babys Bauchnabel kreisen. Oder die angewinkelten Beinchen ca. zehn bis 15 Mal sanft in Richtung Oberkörper schieben.
  • Manche Mütter schwören auf Kümmelzäpfchen aus der Apotheke oder Bauchwickel mit einem handwarmen Kamillenaufguss. Es gibt auch homöopathische Globulis gegen Bauchweh und Pupsen. 
  • Der Fliegergriff, bei dem das Kleine mit dem Bauch auf Mamas oder Papas Unterarm und sein Kopf in der Beuge des anderen Arms liegt, beruhigt kleine Schreihälse. Das Baby bekommt von unten und oben Wärme, außerdem kann sich die Luft im Darm so besser lösen.
  • Ebenfalls beruhigend und entspannend finden es Babys, nackt auf Mamas oder Papas Bauch zu liegen.
  • Studien haben gezeigt, dass Babys, die z. B. in Tragetüchern lange am Körper der Mutter getragen und so permanent bewegt werden, seltener unter Blähungen leiden. Die körperliche Nähe lässt Babys zudem ruhiger und ausgeglichener werden.
  • Auch wichtig: Ein geregelter Tagesablauf mit regelmäßigen Still- und Schlafenszeiten. Nach längeren Wachphasen mit vielen Eindrücken ist das Baby dankbar für eine Ruhepause. Und: Sind die Eltern entspannt, ist das Baby es auch. Also Hektik raus und für alles mit Baby viel Zeit einplanen!
  • Manchmal kann auch eine Fehlhaltung beim Kind zu starken Schmerzen führen – hier hilft meistens eine manuelle Therapie beim Osteopathen.
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