Babys Goldene Milch

Kolostrum ist das Superfood der Babys – aber warum ist die Vormilch so wichtig?

Bei diesem zunächst sperrig klingenden Wort "Kolostrum" handelt es sich um ein echtes Wunder der Natur. Es ist die erste Nahrung, die Babys nach ihrer Geburt zu sich nehmen und besitzt deshalb ganz besonders wichtige Eigenschaften. Alles, was ihr über Babys Zaubertrank wissen solltet, erfahrt ihr hier!

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Das Kolostrum wird auch als Vormilch bezeichnet und ist für Babys ein echtes Power-Food.

Jede Mommy-to-be wird vermutlich in ihrer Schwangerschaft den Begriff "Kolostrum" zu ihrem Wortschatz hinzufügen. Es ist die allererste Nahrung, die das Baby außerhalb des Mutterleibes zu sich nehmen wird. Wie sich die Vormilch (oder auch Erstmilch) von der nachfolgenden Muttermilch unterscheidet – und welchen wichtigen Zweck sie erfüllt, lest ihr hier.

Die erste Muttermilch ist das Kolostrum ...

Die erste Milch, die das Baby nach seiner Geburt meist über das Stillen aufnimmt, unterscheidet sich von der nachfolgenden Muttermilch schon in Farbe und Substanz. Kolostrum ist gut an der intensiveren, gelben Farbe zu erkennen und hat eine schleimige, eher dickflüssige Konsistenz. In dieser Erstmilch steckt in hoch konzentrierter Form alles an Nährstoffen, was der Säugling benötigt, wenn sein Verdauungssystem erst noch ausreift. 

Was ist Kolostrum eigentlich genau?

Kolostrum ist also die erste Substanz, die die weiblichen Milchdrüsen nach der Schwangerschaft produzieren, um sie dann über die Brustwarzen an den Nachwuchs weiterzugeben. Das trifft übrigens nicht nur auf Menschen zu, sondern ist bei allen Säugetieren der Fall. Zum Beispiel produzieren auch Mutterkühe diese wertvolle Vormilch für ihre Babys.

Weil das Verdauungssystem von Babys erst noch ausreifen muss, wird ihnen mit dem Kolostrum alles Wichtige an Nährstoffen in konzentrierter und kleinvolumiger Form zur Verfügung gestellt. Die Vormilch wirkt auch ganz leicht abführend, sodass die Ausscheidung des sogenannten Kindspechs (der erste Stuhl nach der Geburt) begünstigt wird.

Außerdem wird der Neugeborenengelbsucht vorgebeugt: Durch Kolostrum wird ein Überschuss des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Darm vermindert. Bilirubin bildet sich in der Regel durch den Blutverlust während der Geburt und kann die Gelbsucht bei Neugeborenen hervorbringen. 

Woraus besteht die Vormilch?

Kolostrum bietet alle wichtigen Nährstoffe für einen optimalen Start ins Leben. Es ist sozusagen ein Power-Shake für Babys, in dem folgende Zutaten enthalten sind:

  • Vitamine
  • Aminosäuren
  • Enzyme
  • Mineralstoffe
  • Milcheiweiß
  • Wachstumsfaktoren
  • Antikörper der Mama
  • Geringer Fettanteil

Die Antikörper, die das Baby über die Mama mitgeliefert bekommt, sind besonders wichtig für das noch fragile Immunsystem des Säuglings. Sie helfen, es zu stärken und auszubauen.

Gleiches betrifft das Verdauungssystem: Durch den geringen Fettgehalt, wird der Körper der Neugeborenen nicht überfordert und die Erstmilch kann optimal verwertet werden. 

Ab wann bildet sich Kolostrum?

Zunächst solltet ihr wissen, dass euch die Vormilch vermutlich schon vor der Entbindung begegnen wird. Bereits ab dem fünften Schwangerschaftsmonat kann sich Kolostrum bilden und über die Brustwarzen austreten. Es könnte also sein, dass ihr schon jetzt die Stilleinlagen zücken müsst. Ihr braucht aber keine Sorgen haben, dass es zu früh "verbraucht" wird. Nach der Entbindung produziert der Körper immer noch genügend Vormilch.

Wann wird die Kolostrum-Milch von der Muttermilch abgelöst?

Nach der Geburt produziert der Körper etwa zwei Tage lang die Erstmilch, bis sich ihre Zusammensetzung dann nach circa 36 Stunden zu verändern beginnt. Fünf Tage nach Geburt löst die Muttermilch dann die Erstmilch ab. Der Milcheinschuss ist für euch in der Regel auch deutlich spürbar, weil sich eure Brüste dadurch "auffüllen" und praller anfühlen. 

Kann man Kolostrum auch abpumpen?

Anders als die nachfolgende Muttermilch lässt sich die Erstmilch aufgrund ihrer Konsistenz und geringen Menge weniger gut abpumpen. Effektiver ist es deshalb, die Vormilch per Hand zu gewinnen. Falls ihr unsicher seid, wie das am besten funktioniert, kann euch sicher eure Hebamme dabei behilflich sein – auch in der Entbindungsklinik oder von einer Stillberaterin könnt ihr wertvolle Tipps bekommen. 

Kolostrum ausstreichen: So funktioniert es!

Auch wenn die Technik der Milchgewinnung per Hand vielleicht anfangs etwas Übung braucht, funktioniert sie doch sehr gut, wenn ihr den Dreh raushabt:

1. Nach dem Händewaschen legt ihr Zeigefinder und Daumen diagonal entgegengesetzt um die Brustwarze.

2. Ihr beginnt circa zwei Zentimeter hinter der Brustwarze zunächst in Richtung Brustkorb zu drücken.

3. Dann bewegt ihr Zeigefinger und Daumen aufeinander zu.

4. Den gesamten Vorgang wiederholt ihr, bis der Milchspendereflex einsetzt. 

Eine genaue Anleitung zum Ausstreichen der Brust (auch was die nachfolgende Muttermilch betrifft) findet ihr in diesem Artikel:

Kolostrum mit einer Spritze gewinnen

Achtung: Nur in ganz bestimmten Fällen ist es überhaupt sinnvoll, Kolostrum zu sammeln. Ratsam ist es nur in folgenden Fällen: 

  • Für Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 oder 2 – oder mit Gestationsdiabetes. In diesem Fall haben die Säuglinge ein erhöhtes Risiko, nach der Entbindung eine Unterzuckerung zu entwickeln. Hier sollten die Babys in etwa 30 Minuten nach der Geburt bereits die erste Nahrung aufnehmen. Da die Bereitschaft, das Stillen anzunehmen, so schnell nach der Geburt bei Babys oft nicht gegeben ist, kann Kolostrum mit einer sterilen Spritze aufgefangen und gesammelt werden.  
  • Gleiches gilt, wenn bereits in der Schwangerschaft die Diagnose einer Herzerkrankung, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, neurologischen Erkrankung oder vermindertes Wachstum festgestellt wurde.

Außerhalb der genannten Indikationen wird davon abgeraten, Kolostrum vorsorglich zu gewinnen und zu sammeln!

Wie es aussehen kann, wenn Babys "Goldene Milch" aufgefangen wird, seht ihr hier: 

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