Der Mini-Me-Trend

"Dein Kind ist keine Miniatur-Version von dir!"

Unsere Autorin Antonia hat selbst zwar keine Kinder, aber betrachtet in ihrer Kolumne Kids und Eltern aus anderer Perspektive: ohne Helikopter, rosarote Brille und Mama-Gen, aber mit Herz, Humor, ein bisschen Kritik und ganz viel Respekt. Dieses Mal wundert sie sich über den ansteigenden "Mini-Me-Trend", wenn Mütter und Töchter nur noch im Partnerlook auftreten. Muss das sein?

Der Mini-Me-Trend: Mamas und Töchter sehen wir immer häufiger im Partnerlook.
© Foto: Getty Images/Cesar Lyra
Der Mini-Me-Trend: Mamas und Töchter sehen wir immer häufiger im Partnerlook.

"Gibt es die auch für sie?" Die Frau im Schuhladen will die Ballerinas mit Schmucksteinchen, die sie eben probiert hat, nur dann kaufen, wenn ihre sechsjährige Tochter die gleichen bekommt. Leider muss die Verkäuferin passen, also gehen Mutter und Tochter schulterzuckend wieder. Es gehört ja mittlerweile zum Straßenbild, dass Mama und Kind im Partnerlook herumlaufen.

Oder die Fünfjährige trägt ein rosa T-Shirt mit der Aufschrift "Mini-Me". Wobei das wohl eher Mamas Sicht der Dinge ist, die hier spazieren geführt wird. Mit Tochter taucht Mama noch mal in den Jungbrunnen ein und findet nach 30 Jahren Abstinenz ebenso wie Klein-Zoe erneut Gefallen an Pink- und Rosatönen. Macht ja auch frisch und – ja, schummelt einen einfach jung-dynamisch.

Kinder als Mini-Ausgaben ihrer Eltern

Gerne trägt das Kleine ja auch schon Designer-Sonnenbrille oder -Boots – genau wie Mama. Man ist quasi eine Einheit, kein Blatt passt dazwischen, das zeigt bereits der erste Blick. Solche kleinen Spielereien fallen auf und sind ja auch im gewissen Rahmen ganz niedlich. Mama ist eben total stolz. Dieses symbiotische Verhalten geht aber oftmals ein ganzes Stück darüber hinaus. Kindern werden immer mehr und bewusst zu Mini-Ausgaben der Großen gemacht.

Süß oder fragwürdig? Auf Instagram findet man unter dem Hashtag #minime über 9 Millionen Fotos von Mamas und ihren Kindern im Partnerlook:

Entscheidungen auf Augenhöhe

Eltern präsentieren auch weniger Tatsachen, die zu akzeptieren sind, sondern befragen die Kleinen zu jedem und allem: Was sie essen möchten, was sie anziehen möchten, was sie lieber möchten, und ich habe den Eindruck, dass diese Fragerei doch viele Kinder überfordert. Müssen sie das wirklich alles selbst entscheiden?

"Julia ist wie meine beste Freundin," strahlt meine Freundin Annemarie und schaut dabei ihre Tochter schwer verliebt an. "Wir sprechen einfach über alles." Augenhöhe heißt das Zauberwort. Geht das zwischen zwei weiblichen Personen mit über 20 Jahren Altersunterschied wirklich? Geht das vor allem zwischen Mutter und Tochter, die gerade mal in der Pubertät ist? Ich halte das für schlichtweg unmöglich, aber mich fragt ja keiner.

Kinder haben ihren eigenen Kopf

Und manchmal sehne ich mich nach den strikten Ansagen der Eltern von früher zurück, die einfach Fakt waren und nicht hinterfragt wurden. Lasst die Kinder doch erst mal groß werden, dann wird sich ihr Horizont irgendwann annähern. Aber nicht vergessen: Ihr seid Mutter und Kind, Groß und Klein, da wird – mal abgesehen von der Körpergröße – immer ein natürlicher Höhenunterschied bleiben, der meiner Meinung nach gut und wichtig ist. Ich freue mich über Kinder, die auch noch mal ein Geheimnis vor Mama haben und nicht alles mit den Eltern besprechen müssen. Selflove und diese ganzen Dinge mit neumodischen Namen sind ja schön und gut, aber dein Kind ist keine Miniatur-Version von dir, es hat seinen ganz eigenen Kopf. Das weißt du. Und das ist auch gut so.

Autorin: Antonia Müller

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