Kolumne "Mama Kolumna"

Dürfen wir in diese Welt noch Kinder setzen?

In unseren "Leben & erziehen"-Kolumnen lassen wir euch ein bisschen am Leben unserer Redakteurinnen und Redakteure teilhaben. Heute mit Nora, die sich nach der Bundestagswahl Gedanken um die Zukunft ihrer kleinen Tochter macht.

Wie grün wird die Erde noch sein, wenn unsere Kinder alt sind?
© Foto: Getty Images/Maskot
Wie grün wird die Erde noch sein, wenn unsere Kinder alt sind?

Manchmal fühle ich mich wie überfahren. Nicht weil ich Mutter bin (na gut, manchmal auch aus diesem Grund), sondern weil die Welt sich gefühlt immer schneller und gewaltiger dreht. Pandemie, Flutkatastrophe, Waldbrände, Afghanistan, jetzt auch noch Krieg in Europa. Hallo Welt, könnten wir mal eine Pause machen?

Wird das Leben unserer Kinder später lebenswert sein?

Und dann ist da noch die Sache mit dem Klimaproblem: Meine Tochter ist vier Jahre alt. Den aktuellen Prognosen zufolge wird sie wohl eine Erderwärmung von gut drei Grad erleben. Was das bedeutet, könnt ihr googeln. Nicht erst seit der Wahl im letzten Herbst, die im Vorfeld ja oft als "Klimawahl“ betitelt wurde, frage ich mich: War es unverantwortlich, ein Kind zu kriegen? Wird das Leben meiner Tochter, wenn sie alt ist, noch lebenswert sein – und das ihrer Kinder?

Wie mir geht es sicher vielen Eltern, zumindest in meinem Umfeld ist das so. Vielleicht ist diese düstere Aussicht auch der Grund, warum viele mit der Geburt ihres ersten Kindes anfangen, sich ernsthaft mit dem Thema Umweltschutz auseinanderzusetzen. Klar war mir das ganze Drama auch schon vorher bewusst. Seit ich Mama bin, gebe ich mir aber definitiv deutlich mehr Mühe, Plastik zu reduzieren, Fahrrad statt Auto zu fahren, den Müll zu trennen, usw. Die kleinen Würmchen auf unseren Armen sind es schließlich, die den ganzen Mist später ausbaden müssen (falls ihr am Meer lebt, vielleicht sogar im wörtlichen Sinne). Und ich möchte niemals in die Situation kommen, meiner Tochter erklären zu müssen, ich hätte nicht mein Bestes gegeben. Ob das reichen wird? Vermutlich nicht.

Alles ist noch möglich

Den Kopf in den Sand zu stecken ist keine Option. Stattdessen müssen wir Eltern uns fragen, was wir für unsere Kinder tun können, wie wir ihnen helfen, eine Stimme zu bekommen. Und wie wir lernen, mit der Angst um ihre Zukunft zu leben. In einem Kinderbuch meiner Tochter ist zu lesen: "Der Gedanke daran war so fürchterlich, doch willst du was ändern, dann ändere dich." (aus "Der Löwe in dir"* von Rachel Bright/Jim Field, 14 Euro, Magellan) Ich werde vermutlich keine Kriege verhindern und auch nicht das Schmelzen der Polkappen. Ich werde auch nicht alleine die Welt retten. Aber ich kann meinen Teil dazu beitragen. Mit diesem Gedanken fühle ich mich nicht mehr ganz so hilflos.

Und noch ein Zitat, das ich mir mal auf Instagram gespeichert habe, es stammt von dem Schriftsteller Jean Paul: "Mit einer Kindheit voll Liebe kann man ein halbes Leben hindurch die kalte Welt aushalten." Das ist es, was ich jeden Tag für die Zukunft meiner Tochter tun kann. Wer weiß, vielleicht wird sie es ja dann einmal sein, die mit ihrer Generation die Welt rettet.

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