Familienplanung

Ist es besser, erst später Kinder zu kriegen?

Schwanger mit Mitte 40? Bei internationalen Promi-Paaren ist das längst die Regel. Und bei uns? Wir haben mit Frauen gesprochen, für die eine späte Schwangerschaft genau der richtige Weg war – und Stimmen von Müttern gesammelt, die froh darüber sind, früh ein Baby bekommen zu haben.

Manche Frauen bekommen erst spät(er) ein Kind – die Gründe dafür sind individuell verschieden.
© Foto: iStock/Ridofranz
Manche Frauen bekommen erst spät(er) ein Kind – die Gründe dafür sind individuell verschieden.

"Unsere Kinder sind aus dem Gröbsten rais"

© Foto: privat

Eva (39), Projektmanagerin aus Hamburg, zwei Söhne (9 und 4): "Seien wir ehrlich: Kinder sind anstrengend! Vor allem die Nächte, ohne durchzuschlafen – das kann man irgendwann nicht mehr. Ich bin jetzt 39 und habe meinen Großen schon fast durch die Grundschule gebracht. Meine Freundin, die später Mutter geworden ist, wird 50 sein, wenn sie an diesem Punkt ist! Da habe ich großen Respekt vor. Unsere Kinder sind aus dem Gröbsten raus, mein Mann und ich können ein neues Leben genießen. Im September, zu unserem zehnten Hochzeitstag, werden wir eine Woche nach New York fliegen – ohne die Kinder. Ich freue mich riesig, dass so etwas für uns als Paar wieder möglich wird. Lange Zeit konnte ich mich nicht von den Babysachen trennen: Ich war immer gern schwanger, und der Gedanke, ein drittes Kind zu bekommen, hat mich umtrieben. Aber nun bin ich bereit, alles loszuwerden. Der Hochstuhl ist schon verkauft, den Kinderwagen habe ich online gestellt. Und um ehrlich zu sein: Das war jetzt so schön, als die ersten Sachen weg waren! Klar, ich muss mich von dem Gedanken verabschieden, je wieder schwanger zu sein. Aber ich muss eben auch nie wieder Windeln wechseln. Alles hat seine Vor- und Nachteile."

"Wieso sollen jüngere Frauen die besseren Mütter sein?"

© Foto: Tina Luther

Kasia (48), Editorial Director und Gründerin des Magazins "emotion", aus Hamburg, eine Tochter (10) und ein Sohn (2): "Bei der Geburt meines zweiten Kindes war ich 25 Jahre älter als meine Mutter es bei meiner Geburt war. Ein positiver Schwangerschaftstest mit 45! Gerade war unsere Tochter mit acht Jahren aus dem Gröbsten raus, jetzt sollte es wieder von vorn losgehen ... Wie es als Super-Spätgebärende ist? Anstrengend. Und natürlich habe ich ausgerechnet, wie alt ich sein werde, wenn mein Sohn seinen 18. feiert. Ich weiß aber auch, dass wir es als Mütter den anderen nie recht machen können. Ich habe beschlossen, ich definiere mein Leben selbst. Wieso sollen jüngere Frauen die besseren Mütter sein? Und was ist das überhaupt: eine bessere Mutter? Natürlich träume ich manchmal davon, eine so junge Mutter zu sein, wie meine Mutter es war. Aber dann denke ich daran, dass ich beruflich und privat eine tolle Zeit hatte, bevor ich Mutter wurde. Consti, mein kleiner Sohn, hält mich jetzt jung, treibt mich zum Sport. Wenn ihr das lest und euch danach fühlt, Mutter zu werden, egal wie alt: Folgt eurem Herzen und vertraut darauf, dass euer Körper und euer Geist das meistern werden!"

"Ich will nicht 70 sein, wenn meine Kinder Mitte 20 sind"

© Foto: privat

Franziska (34), Hebamme, lebt in der Lüneburger Heide, eine Tochter (6) und drei Söhne (4, 2, 1): "Mit 27 wurde ich das erste Mal schwanger, es war der perfekte Zeitpunkt für mich und meinen Mann: Meine Ausbildung hatte ich recht jung abgeschlossen, beruflich konnte ich mich also schon früh austoben – dann fehlte zum Glück nur noch ein Kind. Ich persönlich finde, dass es vor allem für die Kinder schöner ist, wenn sie junge Eltern haben. Die körperliche Verfassung ist einfach ziemlich wahrscheinlich eine andere! Wenn meine Tochter und meine Söhne älter werden und irgendwann erwachsen sind, bin ich selbst noch recht 'jung', und sie haben dann noch hoffentlich lange Zeit was von mir. Ich will nicht 70 sein, wenn meine Kinder Mitte 20 sind! Als Hebamme weiß ich zudem natürlich auch, dass schon in der Schwangerschaft die Risiken bei einer jüngeren Mutter einfach geringer sind als bei einer Frau, die eher spät ein Kind bekommt. Zusätzlich war die Möglichkeit, mehrere Geschwisterkinder zu bekommen, wenn man früh 'startet', für mich ein wichtiger Punkt – und die haben wir auch genutzt: Mit 33 war ich bereits das vierte Mal schwanger, und hatte keine einzige alterstechnische Risikoschwangerschaft. Nun bin ich 34 und Vierfach-Mutter – und könnte nicht glücklicher sein!"

"Ich habe schon alles erlebt – und kann jetzt einfach Mutter sein!"

© Foto: privat

Sandra (45), Sängerin, lebt im italienischen Santa Maria di Castellabate, ein Sohn (8 Monate): Mein größter Vorteil ist meine Lebenserfahrung. Ich habe mich ausgetobt – beruflich und privat. Erst war ich mit einem Rockmusiker verheiratet, hatte teils vier Jobs gleichzeitig. Dann habe ich einen sehr viel älteren Mann kennengelernt, mit dem ich das Leben genossen habe. Ich habe so viele Extreme schon gelebt! Und bin unendlich dankbar, dass ich nach dem Tod meines zweiten Mannes dieses dritte Leben als Mutter geschenkt bekommen habe. Eine junge Mutter hat berufliche Ambitionen. Ich hatte das alles schon! Und kann mich voll auf die Mutterschaft einlassen. Andere Meinungen verunsichern mich heute nicht mehr, das macht automatisch gelassener. In jungen Jahren wäre ich auch eine liebevolle Mutter geworden, aber ich wäre viel häufiger an meine Grenzen gekommen. Früher habe ich gern geraucht und getrunken. Jetzt habe ich einen Partner, der seine Gesundheit pflegt und auf seine Ernährung achtet – und mich damit ansteckt. Das ist gut, denn ich möchte lange eine gesunde Mutter sein! Gerade habe ich wieder mit dem Inlineskaten angefangen. Man tut eben, was man kann – und der Rest ist ohnehin Schicksal."

"Die individuelle Entscheidung steht über allem"

Gibt es das perfekte Alter, um Mutter zu werden? "Nein", sagt Elterncoach Frank Untiedt. Mit uns hat der Sozialpädagoge über altersunabhängige Gemeinsamkeiten der Elternschaft gesprochen – er plädiert für Respekt vor persönlichen Entscheidungen.

Bei der Geburt eines Kindes waren Mütter im Jahr 2020 in Deutschland laut Statista.de im Schnitt 31,6 Jahre alt, bei den Erstgebärenden lag der Altersdurchschnitt bei 30,2 Jahren. Wer zu sehr von diesen Werten abweicht, hat oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Dabei sind die wesentlichsten Auswirkungen einer Schwangerschaft unabhängig vom Alter der Eltern, weiß Frank Untiedt: "Die Geburt eines Kindes ist für alle Eltern wie ein Urknall: Gestern waren wir noch zu zweit, heute ist das Leben ein völlig anderes."

Völlig altersunabhängig bedeute Elternschaft neben dem großen Glück, das mit ihr einhergeht, nämlich immer eines: Verzicht. Ob es das zeitintensive Hobby einer Zwanzigjährigen ist, die beruflichen Ambitionen einer Dreißigjährigen oder die gelebten Gewohnheiten einer Vierzigjährigen – irgendetwas fällt immer hintenüber: "Elternschaft ohne Verzicht, das geht nicht, darüber muss man sich im Klaren sein." Denn, so der Sozialpädagoge, Mutter oder Vater zu werden bedeute immer, eine neue Rolle einzunehmen. "Und mit dieser Rolle sind Aufgaben und Verantwortung verbunden. Das fällt sehr jungen Eltern oftmals nicht so leicht. Aber: Das fällt auch den eher älteren Müttern und Vätern schwer! Ab einem gewissen Alter habe ich zum Beispiel nicht mehr genügend Energie, um Kämpfe mit einer Pubertierenden auszufechten."

Die Väter spielen heute eine wesentlichere Rolle

Natürlich, betont der Experte, gäbe es aus fachlicher Sicht Risiken und Nebenwirkungen, wenn ein Mädchen mit 16 ein Kind bekommt oder eine Frau mit Mitte 40. "Trotzdem sollten wir uns nie anmaßen zu urteilen: Darf die das? Oder darf die das nicht?", hebt Frank Untiedt hervor. "Die Geburt eines Kindes ist eine zutiefst individuelle, persönliche Entscheidung. Und davor sollte man Respekt haben – unabhängig vom Alter der Mutter." Hinzu komme, dass sich die Rolle der Väter nicht zuletzt aufgrund eines gesellschaftlichen Wertewandels verändert habe: "Die Väter sind heute ganz anders da, wollen mehr Vatersein, etwas von den Kindern haben, Elternzeit nehmen. Der Fokus allein auf das Alter der Mutter ist nicht mehr aktuell."

Aber wenn die Menschen in meinem Umfeld mir dennoch mit Vorurteilen begegnen? "Abgrenzen!", rät Frank Untiedt. Und: "Um Respekt bitten. Vor mir und meiner Entscheidung." Denn wichtig sei, dass man die für sich selbst abgewogen und einen Weg gefunden habe, so der Experte – und nicht diese Zahl, die nur Auskunft über das eigene Geburtsjahr gibt.

Autorin: Silke Schröckert

Lade weitere Inhalte ...