Ständiges Naschen

Mama, ich will was Süßes!

Plätzchen, Adventskalender-Schoki, ein prall gefüllter Nikolausstiefel – in der Vorweihnachtszeit lauern süße Versuchungen tagtäglich und rund um die Uhr. In vielen Familien Grund für Diskussionsstoff. Bei euch auch? Unsere Autorinnen erklären, wie ihr Quengeleien abblockt – und dabei cool bleibt.

Kind quengelt, weil es was naschen will
© iStock/Halfpoint
Viele Kinder brechen in Tränen aus, wenn man "Nein" zum Naschen sagt. 

Stellt euch vor, ihr steht in der Küche und beginnt gerade damit, das Mittagessen für eure Familie vorzubereiten. Während ihr alle Zutaten zusammensucht, hört ihr es aus dem Kinderzimmer rufen: "Mamaaaa, darf ich noch was Süßes?" Kurze Zeit später kommt euer Kind in die Küche und versichert euch, dass es jetzt auf der Stelle und ganz unbedingt etwas naschen muss. Eure Hinweise, dass es vorhin ja schon eine Kleinigkeit gegeben habe und das Essen gleich fertig sei, laufen ins Leere. "Aber ich hab sooo Hunger, Mamaaaa, nur was ganz Kleines, ja?"

Ein paarmal gelingt es euch noch, tief durchzuatmen und dem Kind ruhig zu erklären, warum ihr nicht möchtet, dass jetzt genascht wird: Es gibt gleich Mittag, und außerdem ist zu viel Süßes auch ungesund. Doch es hört nicht auf, danach zu fragen, im Gegenteil, es wird immer fordernder. Irgendwann merkt ihr, dass euch gleich der Geduldsfaden reißt, und ehe ihr euch verseht, raunzt ihr es an: "Ich habe dir schon hundert-mal gesagt, dass es vor dem Essen nichts Süßes gibt! Das musst du doch langsam mal begriffen haben!"

Solche Situationen spielen sich nicht nur kurz vor dem Mittagessen ab, sie können sich im Laufe des Tages durchaus beliebig oft wiederholen. Was bleibt, ist neben dem Echo "Mamaaaa, ich will was Süßes!", das quengelig von den Wänden widerhallt, unsere Rat- und Hilflosigkeit: Was mache ich denn nun? Soll ich nachgeben, dann hat die liebe Seele Ruh, und wenn das Kind Hunger hat, isst es schon noch was Herzhaftes? Woher soll ich jetzt einen möglichst gesunden Snack zaubern? Und außerdem ist das doch Quatsch, wir essen ja gleich! Also, wie kommen wir da jetzt bloß wieder raus?

Hauptsache, sofort

Für euer Kind stellt eine Süßigkeit keine Gefahr da, ganz im Gegenteil. Etwas Süßes zu naschen bereitet ihm pure Freude und verschafft ihm ein gutes Gefühl. Der Jieper nach etwas Süßem deutet auf einen Bedarf hin. Dass Zucker ein schneller Energielieferant ist, wissen Kinder intuitiv. Für den Schaden, den ein Zuviel davon auslösen kann, haben sie kein Verständnis – mehr noch: Sie kommen gar nicht auf den Gedanken, dass es ein solches Zuviel überhaupt geben könnte. Hinzu kommt, dass euer Kind vermutlich noch nicht in der Lage ist, seine Impulse zu kontrollieren. Als Erwachsene wissen wir beispielsweise nicht nur, dass eine Tüte Chips vor dem Mittagessen keine gute Idee ist und können sofort mehrere Gründe dafür benennen, sondern sind auch in der Lage, unser Verlangen nach hinten zu schieben. Wenn euer Kind jedoch etwas möchte, dann bitte gleich, auf der Stelle und sofort. Es handelt nicht rational, denn seine Bedürfnisse schnell zu befriedigen steht bei ihm noch uneingeschränkt im Vordergrund – es setzt also alles daran, sie umgehend zu stillen.

Eltern können warten

Spätestens beim dritten Mal "Darf ich was Süßes?" knallen eure Vorstellungen aufeinander. Immer wieder das Gleiche gefragt zu werden und es wiederholt verbieten zu müssen, das zehrt immens an unseren Nerven. O Mann!

Wir haben im Laufe der Zeit gelernt, unsere Impulse zu kontrollieren und Strategien zu entwickeln, mit ihnen umzugehen und ihnen nicht immer sofort nachgeben zu müssen – weil wir das auch gar nicht immer können. Außerdem haben wir inzwischen verinnerlicht, dass "die Dosis das Gift macht" – wir wissen, dass es ein Maß gibt, das nicht überschritten werden sollte, um unser Wohlbefinden nicht zu beeinträchtigen. Ebenso haben wir ein Bewusstsein für Gesundheit entwickelt und wissen, welchen Einfluss Ernährung auf unseren Körper haben kann.

Gibt es Kompromisse?

Begegnet eurem Kind mit Verständnis. Mit der Bitte nach Süßigkeiten möchte es euch nicht immer wieder infrage stellen oder gar provozieren.
Es will sich natürlich nicht absichtlich schlecht ernähren. Euer Kind hat schlichtweg Lust auf etwas Süßes oder Hunger und sucht deshalb intuitiv nach einem schnellen Energielieferanten. Es versteht noch nicht, dass Zucker für seinen Körper und die Zähne ungesund ist, weder kann es rationalen Erklärungen folgen, noch logische Konsequenzen (z.B. Karies) absehen. Alles, was es hört, ist euer "Nein!", und damit bricht seine kleine Welt zusammen, denn die Fähigkeit, schnell einen Plan B zu entwickeln, hat es noch nicht erlangt.

Je kleiner euer Kind ist, desto eher braucht es deswegen hinter jedem "Nein!" ein "Ja!". Legt ihm also statt einer Nascherei einen Snack nahe. Am besten erstellt ihr für genau solche Momente eine Liste mit möglichen Alternativen, die ihr eurem Kind dann anbieten könnt. Denkt daran, die Liste von Zeit zu Zeit zu aktualisieren und eurem Kind so Vielfalt zu bieten.

Nicht zu viel auf einmal

Wie immer gilt zunächst: Seid nicht so hart zu euch selbst. Es ist so anstrengend, immer wieder die gleiche Frage zu beantworten, vor allem, wenn sie ein Nein erfordert, und ihr dürft davon auch wirklich genervt sein. Begegnet auch euch mit Verständnis.

Seid geduldig mit euch. Gedanken und typische Reaktionen, die sich über lange Zeit eingenistet haben, werden nicht über Nacht ausradiert. Behaltet euch gut im Blick und versucht, eventuelle Trigger und Warnsignale für reißende Geduldsfäden frühzeitig zu erkennen. Je eher euch das gelingt, umso leichter wird es, eure Notfall-Strategien abzurufen und euch selbst den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Und dann erinnert euch in Zukunft erleichtert daran, dass ihr mit eurer Liste voller Alternativ-Snacks ab jetzt ja vorgesorgt habt! Feiert jeden kleinen Fortschritt und seid nicht enttäuscht, wenn es an einem anderen Tag mal wieder nicht so gut klappt. Ihr habt jeden Tag (hehe, manchmal ja sogar mehrmals täglich) die Chance, es wieder anders zu versuchen.

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