1. Spielt zusammen
Kinder lernen durch Spielen und spielen entspannt – vor allem, wenn noch eine Portion Humor dabei ist. Das funktioniert zwar nicht in jeder Situation, schafft aber nachhaltige und seelenwärmende Erfahrungen, an die sie sich noch lange gerne erinnern. Bringt doch mal Objekte des Haushalts zum Reden: Einsame Schuhe könnten jammern "Uns ist kalt und wir sind leer. Wo kommen schöne warme Füße her, die sich in uns setzen können". Die Tasse könnte rufen: "Lass mich hier nicht allein! Ich muss zu meinen Kumpels ins Waschbecken." Erfindet Spiele: "Wie viele Sekunden, meinst du, dauert es, bis all deine schmutzigen Kleider im Wäschekorb sind?"
2. Bietet Wahlmöglichkeiten
Versucht einen Befehl zu ersetzen – auch wenn ihr meint, es gäbe keine Alternative. Schließlich muss das Kind in die Wanne, wenn es nicht zum Himmel stinken soll. Dennoch, jeder Mensch möchte ja am liebsten selbst entscheiden: In diesem Fall könntet ihr etwa anbieten: "Möchtest du dein Bad mit Schaum oder mit Booten?", "Möchtest du hineinhüpfen oder lieber hineinkrabbeln?". Ihnen mag das albern erscheinen, für einen Fünfjährigen ist das eine lustige Geschichte, bei der er mitentscheiden kann.
3. Verantwortung delegieren
Jeder Mensch sehnt sich nach Autonomie. Als Eltern könnt ihr die Arbeit definieren, die erledigt werden muss. Überlasst den Kindern die Ausgestaltung. Bevor ihr mit einem Erstklässler jeden Morgen darum streitet, eine Jacke anzuziehen oder nicht – hängt doch einfach ein Thermometer in der Garderobe auf, das zeigt, ab wann es besser ist, kurze Hosen zu tragen oder die Jacke anzuziehen.
4. Selbstkontrolle unterstützen
Wer sein Kind informiert, statt ihm Befehle zu erteilen, gibt ihm die Chance, selbst herauszufinden, was es tun soll. Das unterstützt seine Selbstkontrolle. Statt also zu sagen, “Du hast den Klebestift wieder offen gelassen. Klasse!“, informiert sie so: “Klebestifte trocknen sehr schnell aus, wenn sie nicht verschlossen sind.“
5. Sagt es mit einem Wort
Kinder haben alles schon mal gehört, viele Male. Statt also Vorträge darüber zu halten, dass die Essensreste schon wieder auf dem Tisch liegen geblieben sind, versucht es mit nur einem einprägsamen Wort. Was passiert bei einem Vierjährigen, wenn er das Wort "Apfelbutzen" hört? Er denkt nach. "Apfelbutzen? Oh, den habe ich auf dem Tisch liegen lassen und sollte ihn vielleicht lieber in den Biomüll werfen." Dieses Handeln kommt ihm vielleicht nicht gleich in den Sinn, aber die Chance ist größer.
6. Beschreibt einfach, was ihr seht!
Das Wort allein reicht nicht immer, manchmal könnt ihr ja beschreiben, was ihr seht. Statt "Komm zurück, du bist halbnackt", sagt ihr zu ihm "Ich sehe einen Jungen, der einen halben Pyjama anhat. Er trägt das Oberteil und bald ... die passende Hose".
7. Schildert, wie ihr euch gerade fühlt
Wir als Eltern sind nicht endlos geduldig. Deshalb ist es wichtig, den Kindern gelegentlich zu sagen, wie wir uns fühlen. Die wichtige Regel dabei: Seid wirklich ehrlich! Die Kinder durchschauen euch sowieso. Indem ihr beschreibt, wie ihr euch fühlt, gebt ihr euren Kindern nicht nur wichtige Informationen, sondern schafft einen Wortschatz der Gefühle, den diese verwenden können, wenn sie selbst frustriert, verärgert oder verängstigt sind.
8. Schreibt zur Not eine Notiz
Wenn ihr feststellt, dass ihr eure Wünsche gebetsmühlenhaft wiederholen müsst, ist es Zeit – für eine Notiz. Auch wenn die Kleinen noch nicht lesen können, sie werden sofort mitbekommen, dass ihr etwas als Folge des Konflikts aufschreibt. Und Geschriebenes hat eine Kraft, die gesprochene Wörter nicht haben. Euer Kind wird sicherlich fragen, was da auf dem Zettel steht – und ist beeindruckt.
9. Niemals Beleidigungen
Keines dieser Tools funktioniert immer. Eltern bleiben noch immer dafür verantwortlich, dass der Laden läuft. Wenn das Kind trotz eures Einsatzes von spielerischen Elementen und des Eingehens auf ihr Verhalten den Fahrradhelm einfach nicht tragen will, könnt ihr ja so was sagen: "Ich stelle das Fahrrad vorerst weg. Du möchtest deinen Kopf nicht von einem Helm einquetschen lassen, und ich kann dich nicht ohne Helm fahren lassen." Wichtig ist, das Kind dabei nicht zu beleidigen, zu beschimpfen oder zu beschuldigen. Ihr beschreibt, was ihr empfindet und was euch möglich ist.
Natürlich gibt es gute Gründe, warum diese Werkzeuge auch mal nicht funktionieren
Entweder sind wir nicht in der Stimmung, oder unsere Kinder sind gerade total übermüdet – egal, wir müssen die Würde unserer Kinder schützen und ihren Willen zu Selbstbestimmung angemessen berücksichtigen. Joanna und Julie halten dazu in ihrem Buch eine Fülle von Vorschlägen für schwierige Erziehungssituationen bereit. Wohltuend dabei ist, dass sie für Kinder wie für Eltern genauso viel Einfühlungsvermögen zeigen.
Autor: Gernot Körner