Streit unter Kindern

Hilfe, mein Kind will nicht teilen!

"Meeeeeins!" – Diesen Ausruf kennen wohl viele Eltern kleiner Kinder. Aber müssen Kinder eigentlich ihr Spielzeug oder andere ihnen wichtige Dinge teilen? Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

Kleine Kinder lernen das Teilen von ganz allein – wenn sie uns als Vorbild haben.
© Foto: Getty Images/Jill Lehmann Photography
Kleine Kinder lernen das Teilen von ganz allein – wenn sie uns als Vorbild haben.

Kinder teilen am liebsten, wenn sie sich freiwillig dazu entscheiden, sagen Entwicklungspsychologen. Gute Ratschläge sind erlaubt, ihr solltet euer Kind aber weder zum Teilen auffordern noch dafür belohnen. Die erfolgreichste Motivation zum Teilen bleibt die Dankbarkeit des Gegenübers.

Müssen Kinder teilen?

Diplom-Pädagoge und Elternberater Moritz Stahl empfiehlt: "Teilen lernen Kinder am besten durch gute Vorbilder und nicht durch Zwang. Rollenspiele im Kaufmannsladen bieten einen spielerischen Lernraum, der sich für Kleinkinder gut eignet." Doch wenn euer Kleines partout sein Lieblingsstofftier nicht abgeben will, soll es so sein. Seinen kostbaren Besitz zu verteidigen ist schließlich ein Urinstinkt. Niemand muss gern per se alles teilen – und das ist auch völlig in Ordnung.

Die Grenzen des Kindes akzeptieren und es nicht zum Teilen zwingen

Das bestätigt auch Dani, Mutter eines Sohnes, die sich mit ihrem Herzensprojekt "Friedvolle Mutterschaft" selbstständig gemacht hat. Sie bietet anderen Müttern Begleitung, Kurse und Unterstützung rund um ihr Leben als Frau und Mutter an. Bei Instagram spricht sie auch über das Thema Teilen.

Zur Frage, ob Kinder überhaupt teilen können müssen, sagt sie, das sei in erster Linie unsere Erwartung (und die ist in der Gesellschaft weit verbreitet). Die Kinder wirken dann höflich, sozial etc. Und wir als Eltern wirken kompetent, wenn wir ein höfliches Kind haben. Doch was ist mit den Bedürfnissen des Kindes? Kinder verteidigen evolutionsbedingt erst mal ihr Hab und Gut. Um teilen zu können, müssen sie Empathie entwickeln. Dafür müssen wir als Eltern Vorbild sein und uns unseren Kindern gegenüber emphatisch verhalten. Dazu gehört auch, dass wir ihre Grenzen wahren und ihre Entscheidung akzeptieren, es also nicht zum Teilen zwingen. Dani rät dabei, dem anderem Kind eine Alternative anzubieten und seine Trauer zu begleiten. Man könne ggf. auch eigenes Spielzeug dabei haben, das man verleihen kann.

Außerdem rät Dani, bevor Besuch kommt, mit dem eigenen Kind zu besprechen, was es nicht teilen will und diese Sachen gemeinsam in einen Schrank zu stellen. Hilfreich sei es auch, die folgende Regel einzuführen: Niemandem etwas aus der Hand reißen, sondern warten, bis das andere Kind bereit ist, etwas abzugeben, zu tauschen oder zu teilen.

Noch mehr Tipps von Dani lest ihr unter ihrem Insta-Video:

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