Grundbedürfnisse

Die 2 großen Bedürfnisse von Kindern, auf die Eltern immer achten sollten

Es gibt zwei wichtige Dinge, die Kinder unbedingt brauchen, um gesund aufwachsen zu können. Welche das sind, verrät Gastautorin Masha Hell-Höflinger, selbst Mutter von zwei Söhnen und erfahrene Beraterin für Beziehungs- und Familienthemen.

Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder – aber was genau ist das eigentlich? Was brauchen die Kleinen wirklich?
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Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder – aber was genau ist das eigentlich? Was brauchen die Kleinen wirklich?

Wir Eltern wünschen uns, dass unsere Kinder eines Tages zu selbstbewussten, selbstsicheren und liebevollen Menschen werden, die mutig ihren Lebensweg gehen. Damit das gelingt, ist es wichtig, dass unsere Kinder vom ersten Moment an zwei große Bedürfnisse erfüllt bekommen.

Das erste Bedürfnis von Kindern: Zugehörigkeit und bedingungslose Liebe

Das erste wichtige Bedürfnis ist das nach Zugehörigkeit und bedingungsloser Liebe von Mama und Papa. Unsere Kinder müssen spüren: "Du gehörst zu uns und du bist genau richtig, so wie du bist." Nicht perfekt – richtig!

Dazu zählt für mich besonders, dass wir für unsere Kinder immer so gut wie möglich präsent sind und uns als Elternteil in die Welt unseres Babys, unseres Kindes oder unseres pubertierenden Teenagers hineinversetzen, um zu verstehen, was es in diesem Moment braucht – ohne damit in Widerspruch zu gehen. Das Baby weint? Okay, dann nehme ich es in den Arm. Das Kleinkind tobt? Okay, dann begleite ich es in seiner Wut und stehe ihm bei, dieses Gefühl kennenzulernen und auszuhalten. Der Teenager ist verzweifelt, weil er oder sie nicht weiß, was er oder sie tun soll? Okay, dann bin ich für mein Kind da in seiner Unsicherheit und höre ihm zu, bis es eine Lösung für sich findet – und verzichte bei all diesen Situationen immer darauf, die Gefühle und Erlebnisse meines Kindes infrage zu stellen.

So erfahren unsere Kinder: Nichts ist falsch an ihnen oder dem, was sie empfinden und durchleben, und wir sind immer für sie da, was auch immer passieren mag.

Das zweite wichtige Bedürfnis von Kindern: Autonomie

Unsere Kinder streben von Natur aus nach Unabhängigkeit. Unsere Aufgabe ist es, ihnen das Vertrauen zu geben, dass sie alles schaffen können, was sie schaffen wollen. "Jetzt, wo du weißt, dass du zu uns gehörst, hast du alle Macht, der Mensch zu sein, der du in Wahrheit bist." 

Unsere Kinder werden hineingeboren in eine Welt, in der von anderen über sie bestimmt wird. Vom ersten Moment an müssen sie sich richten nach den Erwartungen ihrer Eltern, den Terminen der Familie, dem Stress der Familie, den Regeln der Betreuungseinrichtungen, den Vorgaben der Lehrer:innen, dem Stundenplan und so weiter. Doch Kinder wollen selbst bestimmen und das Gefühl haben, Macht darüber zu haben, was mit ihnen passiert. Das ist natürlich und wichtig, damit sie eines Tages in der Lage sind, selbst über ihr Leben zu entscheiden und es nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Was kann ich also tun, um meinem Kind das Gefühl von Macht zu geben? Ich kann es immer wieder selbst darüber entscheiden lassen, was mit ihm passieren soll. Welche Hose möchte es heute anziehen – die rote oder die blaue Hose? Wann wollen wir vom Spielplatz nach Hause gehen – jetzt oder in fünf Minuten? Wie willst du heute die Zähne putzen – im Stehen oder im Sitzen? Selber machen oder soll Mama oder Papa helfen?

Manche:r von euch wird jetzt vielleicht denken: Oh je, ziehe ich so nicht ein kleines Ego-Kind heran? Nein! Solange wir unser Kind im Rahmen unserer Werte und Wünsche Entscheidungen treffen lassen, wird es auf diese Weise gute Lernerfahrungen machen und immer mehr Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit sammeln.

Mit dem Alter des Kindes wird dieses Bedürfnis nach Macht und Bedeutsamkeit immer stärker und es wird immer wichtiger, wie wir als Eltern darauf reagieren. Nehmen wir an, unser Schulkind möchte nicht zur Schule gehen. Dann können wir sagen: "Ich verstehe, dass du nicht zur Schule gehen willst. Du kannst zwar nicht entscheiden, ob du zur Schule gehen willst oder nicht. Aber dieses Bedürfnis, nicht zur Schule zu gehen, ist valide, erzähl mir, warum du nicht zur Schule gehen möchtest. Es ist wichtig, was du mir zu sagen hast." Manchmal klingen die Gründe für das Unwohlsein unseres Kindes sehr klein und manchmal sogar witzig. "Ich darf nicht mehr auf meinem Lieblingsplatz sitzen" oder "Die Susi ist nicht mehr meine Freundin." Aber indem wir solche Äußerungen belächeln und so etwas sagen wie "Ach komm, das sind doch keine echten Probleme!", nehmen wir unserem Kind unbewusst seine Macht und schwächen sein Selbstwertgefühl.

Oder nehmen wir an, das Kind will in Flip Flops zum Kindergarten gehen, obwohl es regnet. Dann kannst du sagen: "Okay, es regnet heute, es kann sein, dass du nasse Füße bekommst und dich erkältest, oder dass du ausrutschst und dich verletzt, aber es ist deine Entscheidung." Wenn das Kind dann immer noch auf seinen Flip Flops besteht, na, dann lass es losziehen und selber die Erfahrung machen, wie es ist, bei Regen mit Flip Flops unterwegs zu sein, zu fallen oder eben auch nicht.

Nur so kriegen unsere Kinder mit: "Hey, ich darf bestimmen, ich führe mein Leben an, ich bin der Macher oder die Macherin meines Lebens." Und nicht: Ich passe mich den Wünschen anderer an, lasse Mama oder Papa bestimmen, was mit mir passiert, und mit 18 ziehe ich aus und habe keine Ahnung, wie die Welt funktioniert.

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