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Eine sanfte Heilmethode

Homöopathie für Kinder: Ein Kinderarzt klärt auf

Homöopathie ist in aller Munde: Während manche Eltern bei der Behandlung ihrer Kinder auf Globuli schwören, stehen andere diesem Heilungsprinzip eher skeptisch gegenüber. Der Kinderarzt Dr. Martin Lang erklärt, welcher Gedanke hinter Homöopathie steckt und warum es nicht schadet, sie einfach mal auszuprobieren.

Wie erklären Sie einem Laien den Grundgedanken der homöopathischen Behandlung?

Dr. Martin Lang: Homöopathie ist eine so genannte Regulationsmedizin, die die körpereigenen Kräfte aktiviert und reguliert. Die Behandlung erfolgt in Form von homöopathischen Streukügelchen, den Globuli, oder Tropfen, die extrem verdünnte Wirkstoffe enthalten. Dabei wirkt die Homöopathie über Energie. Wichtig ist es, dass die Energieinformation der jeweiligen Arznei auf einen Menschen trifft, der dafür empfänglich ist.

Das hört sich zunächst merkwürdig an. Können Sie das Prinzip veranschaulichen?

Dafür nutze ich gerne dieses Beispiel: Im Radio gibt es unzählige Programme. Um die Sendung zu empfangen, die ich hören möchte, muss ich jedoch eine bestimmte Frequenz einstellen. Gemäß diesem Prinzip funktioniert die Homöopathie. Die Abstimmung zwischen einer Arznei und dem zu behandelnden Menschen muss genauso passen wie die zwischen Sender und Empfänger beim Radio. Sonst entfaltet sich keine Wirkung.

Ist Homöopathie auch für Kinder geeignet?

Für Kinder ist diese Art der sanften Einflussnahme eine hervorragende Heilmethode. In der Regel reagieren sie darauf sehr gut. Die Ansprechrate ist hoch – sie liegt zwischen 60 und 70 Prozent.

Bietet sich diese Behandlung auch für Säuglinge an?

Homöopathie hat kaum Risiken oder Nebenwirkungen. Somit ist sie für alle Altersstufen passend, auch schon für ganz kleine Kinder. Je jünger der Mensch ist, desto besser lässt sich Einfluss auf seinen Körper nehmen.

Viele scheuen sich, ihren Kindern Medikamente zu geben. Ist die Homöopathie eine Alternative zur Schulmedizin?

Ich verwende die Homöopathie als Ergänzung. Es kommt immer darauf an, was ich behandeln muss: Einen gebrochenen Arm kann ich mit der Homöopathie nicht heilen, dafür brauche ich die Schulmedizin. Beschwerden wie Fieber oder Ohrenschmerzen sind mit homöopathischen Mitteln dagegen sehr gut in den Griff zu bekommen.

Dürfen Eltern ihr Kind selbst behandeln?

Homöopathie ist für die Selbstmedikation sehr gut geeignet. Es gibt hilfreiche Fachliteratur, in denen Interessierte die Handhabung genau nachlesen können. Und sie können nichts falsch machen: Wenn Mutter oder Vater nicht die passende Arznei auswählen, erzielen sie keine Wirkung – und keine Nebenwirkungen. Da keine chemischen Stoffe im Spiel sind, passiert einfach gar nichts.

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Wie findet man die passenden Mittel?

Zum einen haben sich für viele Beschwerden bestimmte Mittel bewährt. Anhand von Symptomen ihres Kindes können Eltern, häufig in Form einer Tabelle, nachlesen, welche Mittel Abhilfe schaffen. Die andere Möglichkeit ist eine ganzheitliche Analyse, bei der der Patient untersucht und gründlich befragt wird. Die dahinter stehende Fragestellung lautet: Was ist das für ein Mensch? Anhand der gewonnenen Informationen bestimmt man die Konstitution des Patienten, seinen Wesenskern. Übereinstimmend ermittelt der Fachmann die homöopathische Arznei, die am besten zu dieser Person passt. Das individuelle Konstitutionsmittel hilft dann bei Beschwerden unterschiedlicher Art. Ein blasses, dünnes Mädchen, das sehr schüchtern ist, hat mit Sicherheit ein anderes Konstitutionsmittel als ein draufgängerischer, stämmiger Junge,

Wann empfehlen Sie den Gang zum Fachmann?

Die Bestimmung des Konstitutionsmittels gehört eindeutig in die Hände eines erfahrenen Arztes oder Heilpraktikers. Weiterhin sollten Eltern sich Rat holen, wenn sie nach der Gabe eines Mittels keine Wirkung erkennen – denn dann ist es das falsche. Auch bei chronischen Beschwerden wie Allergien, Verhaltensstörungen oder Wachstumsschmerzen ist der Gang zum Fachmann richtig. Akute Erkrankungen wie abendliches Fieber oder Bauchschmerzen können Eltern dagegen gut selbst behandeln.

Wie nehmen Kinder die Globuli am besten?

Die Streukügelchen bestehen in ihrer Grundsubstanz aus Rohrzucker. Der Wirkstoff muss  über die Schleimhaut aufgenommen werden. Bei Babys und Kleinkindern ist es am besten, die Kügelchen in einem Eierbecher mit Wasser aufzulösen. Mit der Lösung dann die Schleimhaut der Wangentaschen befeuchten. So können sich die Kleinen nicht verschlucken und das Mittel gelangt an die richtige Stelle. Kinder, die die Globuli im Mund zergehen lassen können, bekommen sie direkt unter die Zunge.

Was gehört in eine homöopathische Hausapotheke?

Für gewöhnlich besteht eine homöopathische Hausapotheke aus 20 bis 30 Mitteln. Eine fertige Zusammenstellung gibt es sogar in der Apotheke. Bevor Eltern jedoch gleich eine Grundausstattung kaufen, sollten sie erst mal schauen, welche Mittel sie tatsächlich nutzen. Nach und nach baut sich dann ohnehin eine individuelle Hausapotheke auf. Sinnvoll ist es allerdings, für jene Beschwerden gewappnet zu sein, die häufig in der Familie auftreten – zum Beispiel Fieber, Magen-Darm-Probleme, Ohrenschmerzen oder Verletzungen.

Für manche Menschen ist Homöopathie eine Glaubensfrage. Haben Sie in Ihrer Praxis häufig mit Zweiflern zu tun?

Nein, ganz im Gegenteil. Fast alle Eltern stehen dem Heilungsprinzip der Homöopathie sehr aufgeschlossen gegenüber. Sie können dabei ja nichts verlieren, sondern nur gewinnen. Warum also nicht ausprobieren?

Typische Symptome und die passenden Mittel

Blähungen

  • Carbo vegetabilis: Das Baby schreit beim Trinken. Die Blähungen werden beim Hinlegen schlimmer. Blasses Gesicht, kalte Beine
  • Lycopodium: Das Bäuchlein ist aufgebläht - oft zwischen 17 und 20 Uhr. Das Baby ermüdet schnell beim Trinken

Schnupfen

  • Aconitum: Plötzliches dauerndes Niesen, aus der Nase läuft dünnflüssiges Sekret
  • Allium cepa: Die Nase tropft ständig, Nasenflügel und Oberlippe sind wund und die Augen sind gerötet
  • Calcium carbonicum: Laufende Nase, wunder Naseneingang
  • Cinnabaris: Festsitzendes Sekret in den Nebenhöhlen
  • Sambucus niger: Bei Babys, die schlecht trinken, weil sie keine Luft bekommen

Insektenstiche

  • Apis: Bienen- oder Wespenstiche mit starker Schwellung und blass-rosa Verfärbung
  • Ledum: Mückenstiche und Zeckenbisse mit Juckreiz und Brennen

Durchfall und Erbrechen

  • Arsenicum album: Brechdurchfall, Erschöpfung, Durst
  • Chamomilla: Das Kind zahnt und ist quengelig
  • Carbo vegetabilis: Blähungen und Übelkeit vor dem Durchfall
  • Ferrum phosphoricum: Infekt der oberen Luftwege, Fieber und Wundsein
  • Pulsatilla: Brechdurchfall nach zu vielem Essen

Husten

  • Aconitum: Trockener Husten, Kratzen im Hals, etwa nach Zugluft
  • Belladonna: Immer wiederkehrende heftige Hustenanfälle
  • Drosera: Schmerzhafter, bellender Husten, vor allem nachts
  • Ipecacuana: Rasselnder, würgender Husten ohne Auswurf, Brechreiz

Zahnen

  • Belladonna: Fieber, rotes Gesicht, dick geschwollenes Zahnfleisch
  • Chamomilla: Das Kind ist quengelig und möchte herumgetragen werden. Es hat grünlichen Durchfall. Oft ist eine Wange rot, die andere blass

Verletzungen

  • Arnic: Gutes Allheilmittel bei Schürfwunden, Blutergüssen, Stößen, Verstauchungen und Quetschungen
  • Ledum: Stich- und Bisswunden durch Nadeln, Nägel und Zecken
  • Staphisagria: Schnittverletzungen
  • Phosphorus: Nasenbluten

Ohrenschmerzen

  • Aconitum: Plötzliche Schmerzen
  • Belladonna: Folgemittel von Aconitum, wenn die Schmerzen stärker werden und das Kind Fieber hat
  • Pulsatilla: Langsam einsetzende Schmerzen und leichtes Fieber

Fieber

  • Aconitum: Plötzliches Fieber, das Kind fühlt sich hinfällig, ist blass und fröstelt
  • Belladonna: Das Kind hat rote Bäckchen und schwitzt
  • Ferrum phosphoricum: Das Fieber kommt und geht langsam oft über einen längeren Zeitraum. Das Kind ist quengelig und kann sich nicht richtig erholen

Windelausschlag

  • Chamomilla: Einzelne entzündete Hautstellen am Po. Das Baby ist unruhig
  • Graphites: Der ganze Po ist wund, die Haut nässt

Halsweh

  • Aconitum: Plötzliche starke Schmerzen und Schluckbeschwerden nach Aufenthalt in kaltem Wind
  • Belladonna: Stark geröteter Rachen und Fieber
  • Cantharis: Starke, brennende Schmerzen und großer Durst
  • Phytolacca: Schmerzen beim Schlucken, die bis zu den Ohren ausstrahlen

Blasenentzündung

  • Cantharis: Krampfartige Schmerzen, die sich bei Wärme bessern
  • Dulcamara: Häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, Unterkühlung durch nassen Badeanzug oder Sitzen im feuchten Gras

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