Klein, aber laut

Mein Kind schnarcht – ist das schlimm? Müssen wir zum Arzt?

Rund die Hälfte der Kinder schnarcht hin und wieder, etwa neun Prozent regelmäßig. Wann ihr zum Arzt gehen solltet und was ihr tun könnt.

Schnarchen bei Kindern
© iStock/FrankyDeMeyer
Schnarchen bei Kindern solltet ihr ärztlich abklären lassen.

Dr. Boris Schößler ist Kinderarzt und Kinder- und Jugendpsychiater an der Filderklinik in Filderstadt. Wir haben mit ihm über das Schnarchen bei Kindern gesprochen.

Wie kommt es bei Kindern zum Schnarchen, was sind die Ursachen?

Oft spielen Polypen, gutartige Wucherungen der Schleimhaut, eine Rolle. Im Vorschulalter wachsen die Rachenmandeln stark, später erst das ganze Kind. Dadurch sind die Luftwege verlegt, manchmal auch durch die schwere, zu entspannte Zunge.

Ist Schnarchen bei Kindern bedenklich, kann es ernste Ursachen haben?

Ja, weil es die Schlafqualität beeinträchtigt. Insbesondere, wenn es zu Atemaussetzern führt oder sehr angestrengt klingt. Das kann man leicht hören, wenn man sich einmal länger dazusetzt.

Unabhängig von Erkältungen, wie häufig tritt das auf?

Dazu habe ich keine Zahlen gefunden, erfahrungsgemäß würde ich sagen, bei etwa einem Drittel der Kinder. Häufiger taucht es auf bei Übergewicht, Allergien und bei entsprechender Konstitution. Früher nannte man das "lymphatischer Typ".

Hat Schnarchen auch etwas mit nächtlichen Atemaussetzern, der sogenannten Schlafapnoe, zu tun?

Ja. Aber nicht mit dem Plötzlichen Kindstod oder dem "Sudden Infant Death Syndrome" (SIDS).

Ist Mundatmung bei Kindern problematisch?

Ja. Das ist nicht gut, denn die eingeatmete Luft wird nicht angewärmt und gesäubert, dadurch kommt es häufiger zu Infekten und einer schlechteren Sauerstoffversorgung. Das kann im Ernstfall sogar die Entwicklung der Atemwege beeinträchtigen. Der HNO-Arzt kann Polypen als Ursache ausschließen (oder ggf. bestätigen). Zudem kann es habituelle Ursachen haben. Das ist eine Erziehungsfrage, denn möglicherweise fehlt einfach die Bewusstheit. Eltern können in diesem Fall ihre Kinder dazu anregen und ermuntern, Luft durch die Nase zu genießen. Es eignen sich auch Sprachübungen und es ist wichtig, dass Eltern sich selbst gut artikulieren und das vorleben. Auch Singen ist eine tolle Möglichkeit, die Nasenatmung zu üben. Auf keinen Fall sollten Eltern abschwellende Nasentropfen geben. Eine Natrium-Chlorid-Lösung oder Minzöl sind im Erkältungsfall und wochenweise erlaubt.

Wie geht man mit Schnarchen bei Kindern um, kann man etwas dagegen tun?

Zum Schlafen empfehlen wir eine kühle Raumluft, eine leicht erhöhte Lagerung (z. B. durch ein Kissen). Es gibt auch Schienen, die zum Schlafen in den Mund genommen werden und die Nasenatmung verhindern.

Was gibt es noch zu beachten?

Wie schon erwähnt, geht es zunächst um die medizinische Ursachenklärung, dann den Umgang. Falls es nötig ist, kann man mit dem Arzt über eine Operation oder Allergiebehandlung sprechen. Die Umgangsweise sollte dann immer auch pädagogisch und langfristig angegangen werden und die Konstitution des ganzen Kindes berücksichtigen.

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