Kolumne @mein.zweites.herz

Warum ich mein Kind aus der Kita abhole, wenn es sich dort nicht trösten lässt

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Mimi holt ihre Kids ohne Wenn und Aber aus der Kita ab, wenn sie weinen oder traurig sind. Auch vor der Abholzeit. Warum, erklärt sie hier.

"Ich will zu Mama!" – wenn Kinder nach Hause wollen, müssen Erzieher Überzeugungsarbeit leisten ... oder Mama anrufen.
© Foto: iStock/Halfpoint
"Ich will zu Mama!" – wenn Kinder nach Hause wollen, müssen Erzieher Überzeugungsarbeit leisten ... oder Mama anrufen.

10:48 Uhr. Das Handy klingelt.
Eigentlich ist noch lang keine Abholzeit.
Doch das Kind sitzt da, weint und lässt sich nicht beruhigen.

Sofort schießt es dir in den Kopf: "aber wenn ich es jetzt abhole, wird es doch überhaupt nicht mehr bleiben."
Oder: "Es muss lernen, dass es die Mama (den Papa) nicht braucht, um sich zu beruhigen" ... 

Und dann weißt du nicht, ob es richtig ist, das Kind jetzt abzuholen.
Schließlich ist es doch gerade erst eingewöhnt und die letzten Tage haben so gut geklappt.
Macht es das denn jetzt nicht kaputt?
Nein!
Das Kind jetzt abzuholen, ist kein Rückschritt.
Es ist eine riesige Chance!

Die Chance, dem Kind zu zeigen, dass seine Bedürfnisse erkannt und (nach Möglichkeit) auch erfüllt werden.
Die Chance, dem Kind zu beweisen, dass es dort nicht auf sich gestellt ist, sondern sich sein Lebensfeld erweitert hat. Und dass es dort genauso gut aufgehoben ist, wie zu Hause auch.
Die Chance, dass das Kind wahre Sicherheit erlebt. Weil es da jetzt nicht "durch muss", sondern bekommt, was es braucht.
Die Chance für einen großen Schritt nach vorn. Hin zu der Bindung, die das Kind in der Fremdbetreuung so sehr braucht.

Wenn ein(e) ErzieherIn anruft und das Kind abholen lässt oder zumindest ein (Telefon-)Gespräch mit MaPa ermöglicht, ist das ein enormer Vertrauensbeweis. Und Vertrauen ist essenziell für eine starke Bindung, die dann dafür sorgen kann, dass das Kind irgendwann vielleicht nicht mehr anrufen muss.
Wir dürfen das Kind also abholen.
Wir dürfen die Eltern anrufen, wenn wir ein Kind betreuen.
Denn Bindung lässt sich nicht erzwingen.
Sie muss wachsen, wie ein zartes Pflänzchen.
Ein Pflänzchen, an dem wir ziehen,
Das wir nicht gießen, um es für eine eventuelle Dürre abzuhärten,
Das wird es kaum schaffen, seine Wurzeln stark im Boden zu verankern.
Doch haben wir Geduld, gießen und düngen, schützen und nähren einen Boden aus Vertrauen, so wird das Pflänzchen Wurzeln schlagen und stärker wachsen, als wir es uns hätten vorstellen können.

Mimi ist Studentin und Zweifachmama. Auf Instagram teilt sie mit ihren Followern ihre Gedanken zu ihren Herzensthemen ehrliche Elternschaft, Stillen, Tragen, Familienbett, bindungsorientierte Erziehung und Studieren mit Kindern.

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