Kinder brauchen Ferien

Nein zur Ferienbetreuung: Auch Kinder brauchen Urlaub!

Kaum zu glauben, doch einige Eltern "parken" ihre Kids, auch wenn sie Urlaub haben, in der Kita-Notbetreuung. Was das für die Minis bedeutet und warum sie genauso Anspruch auf Ferien haben wie Erwachsene.

Alleine in der Notbetreuung, während alle andere Ferien machen: Für Kinder keine schöne Situation.
© Foto: iStock/romrodinka
Alleine in der Notbetreuung, während alle andere Ferien machen: Für Kinder keine schöne Situation.

Eins vorweg: Es ist richtig und gut, dass es Notgruppen und Ferienbetreuung innerhalb der Kita-Schließzeiten gibt. Denn es gibt Eltern, die es – weil sie alleinerziehend, beruflich sehr eingespannt oder warum auch immer – ehrlich nicht einrichten können, genau diese zwei oder drei Wochen am Stück auch tagsüber die Betreuung ihrer Kinder zu übernehmen. Eltern, denen es wahrscheinlich wehtut, ihrem Kind die Auszeit aus dem Alltag jetzt nicht bieten zu können. Doch anscheinend gibt es auch genug Eltern, die das System für sich ausnutzen und ihr Kind ohne Notwendigkeit pausenlos in die Kita geben. Zum Beispiel, weil sie Urlaub ohne Kind machen wollen (Oma und Opa bringen die Kids dann), oder in den Ferien auch mal tagsüber "ihre Ruhe" haben wollen ...

Warum eine Auszeit von der Kita wichtig ist

Auch wenn wir uns als Erwachsene einen Tag in der Kita für unsere Minis eigentlich ziemlich cool vorstellen – mit anderen Kindern spielen, toben, essen, schlafen, lesen, malen und so weiter – bedeuten diese Abläufe für unsere Kinder auch sich an feste Regeln zu halten, viel zu lernen und einen geregelten Tagesablauf zu haben. Alles schön und gut im Alltag, aber sind es bei uns nicht unter anderem genau diese Dinge, denen auch wir mal entfliehen wollen ... IM URLAUB? Wir freuen uns darauf, mal ohne Wecker aufzustehen, nicht um punkt 8 Uhr irgendwo sein zu müssen, sondern gemütlich im Schlafanzug in den Tag zu starten, vielleicht mal im Bett zu frühstücken. Spontan zu überlegen, was wir gerne unternehmen würden – oder einfach mal faul zu sein. Gemeinsam zu essen, worauf wir Lust haben und abends vielleicht mal etwas später ins Bett zu gehen, weil man noch einen Film gemeinsam schauen möchte. 

Es geht beim Kita-Urlaub nicht mal darum wegzufahren (obwohl eine Reise als Familie natürlich für die Kids auch ganz toll ist), es geht darum, dass Kita-Kinder auch eine Auszeit von ihrem Alltag verdienen und Erholung brauchen. 

Was Notgruppen-Betreuung für Kinder bedeutet

Viele Kitas haben in den Sommerferien mindestens zwei Wochen geschlossen. Zum Teil gibt es dann kleine Notgruppen in der eigenen Einrichtung, zum Teil fangen aber auch andere Kitas im Stadtteil die Schließzeiten der jeweils anderen auf. Das bedeutet, wenn euer Kind während der Kita-Ferien in die Betreuung gehen soll, kommt es unter Umständen in eine völlig ungewohnte Umgebung, in eine andere Gruppe mit neuen Erziehern. Was für einige Eltern die "einfachste" Lösung erscheinen mag, wird für die Minis so zur Stresssituation. 

Zudem: Wenn die Freunde vor den Ferien berichten, was sie vorhaben und nach den Ferien von ihren Erlebnissen erzählen – zumindest an älteren Kita-Kindern geht nicht vorbei, dass ihre "Ferien" IN der Kita irgendwie anders waren als bei allen anderen ...

20 Tage Urlaubsanspruch wie Arbeitnehmer?

Die taz hat zum Thema "Kita-Urlaub" mit einer Kita-Leiterin aus Hamburg gesprochen. Sie beklagt, dass immer mehr Eltern ihre Kinder ohne zwingenden Grund über die Ferien in der Notbetreuung unterbringen, als Beispiel führt sie einen Zweijährigen an, der seit acht Monaten ohne Pause in die Krippe gehe. "Für die Eltern sind wir Kitas die Dienstleister, die alles für die Kinder machen." Der Alternative Wohlfahrtsverband Soal fordert für Kinder nun sogar die 20 Tage Urlaub, auf die auch Erwachsene in einem Angestelltenverhältnis gesetzlich Anspruch haben.

Einen aufkommenden Trend konnte ich auf Nachfrage in meinem privaten Umfeld und bei befreundeten Erziehern nicht festmachen. Familien, die ihre Kids dauerhaft und wiederholt in der Kita "parken", gibt es sicherlich. Im Einzelfall ist wahrscheinlich ein Eins-zu-Eins-Gespräch mit den Eltern der beste erste Schritt um ihnen die Augen dafür zu öffnen, wie wichtig Auszeiten – wie auch immer diese gestaltet werden –  für Kinder sind. 

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