Im Normalfall vorübergehend

Inkontinenz nach der Geburt: Die besten Hebammen-Tipps

Eine Blasenschwäche ist nach der Geburt gar nicht so selten. In der Regel pendelt sich das nach einigen Wochen von alleine wieder ein. Doch wenn nicht? Wir haben mit zwei Hebammen gesprochen, was ihr dann tun könnt.

Inkontinenz erleben viele Frauen nach der Geburt.
© Foto: iStock/Madrolly
Inkontinenz erleben viele Frauen nach der Geburt.

Möglicherweise habt ihr es schon in der Schwangerschaft gemerkt: Ihr müsst häufiger als sonst auf die Toilette. Doch was bei Schwangeren am Druck durch das Ungeborene auf die Blase liegt, kann nach der Geburt anhalten und andere Gründe haben. Habt ihr beispielsweise beim Niesen oder Husten ständig ein paar Tröpfchen (oder auch mehr) Urin im Höschen? Wenn man zum Beispiel nach einer Schwangerschaft immer wieder unkontrolliert Urin verliert, spricht man von Inkontinenz oder Blasenschwäche. Was dahintersteckt, was ihr dann vermeiden solltet und was ihr dagegen tun könnt, verraten euch die beiden Hebammen Jasmin Czech (geboren 1993, Hebamme seit 2017) und Julia Brömsen (geboren 1978, Hebamme seit 2002) aus Göttingen. Auf ihrem Portal momallie.de bieten sie Kurse an – rund um Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung, Rückbildung, Wochenbett und das erste Lebensjahr des Babys (die Kurse haben wir euch hier direkt verlinkt, sodass ihr sie gleich buchen könnt, wenn sie euch ansprechen). Wir haben mit den beiden Hebammen gesprochen.

Viele Frauen leiden nach der Geburt unter einer Blasenschwäche und verlieren ab und an etwas Urin – manche einfach so, manche verstärkt beim Husten oder Niesen. Ab wann spricht man tatsächlich von Inkontinenz?

Spätestens nach dem Wochenbett sollte sich das wieder normalisiert haben. Wenn es über die acht Wochen hinausgeht und die Maßnahmen, die ihr während des Wochenbetts mit eurer Hebamme besprochen habt, nichts verändert haben, solltet ihr es ärztlich abklären lassen, da es sich dann wahrscheinlich um eine Inkontinenz handeln könnte.

Wie kommt es zu dieser Inkontinenz? Was sind die Ursachen?

Oftmals kommt es zu einer Inkontinenz nach der Geburt durch die Überlastung des Beckenbodens. Manche Frauen gehen schon mit einer gewissen Beckenbodenschwäche in die Schwangerschaft. In der Schwangerschaft hat der Beckenboden durch die Gebärmutter mit dem Baby viel zu tragen. Unter der Geburt öffnet sich der Beckenboden und schließt sich auch wieder. Es kann aber sein, dass er aufgrund der durch die Geburt verursachten Dehnung und der Hormonveränderung nicht von alleine wieder seine Festigkeit bekommt.
 
Ursachen können außerdem sein:

  • eine sehr lange letzte Phase der Geburt
  • ein recht großes Kind
  • eine schon vorher bestehende Inkontinenz

Kann man irgendetwas tun, um vorzubeugen bzw. eine Inkontinenz von vornherein zu verhindern?

Ihr könnt schon in der Schwangerschaft Übungen machen, um euren Beckenboden kennenzulernen. Zu fühlen, wo er sich befindet und wie ihr ihn anspannen und entspannen könnt. Entweder macht ihr Übungen mit eurer Hebamme oder mit einer Physiotherapeutin.

Wie lange hält das in der Regel an und verschwindet die Inkontinenz von alleine wieder?

Die Erfahrung zeigt, dass es sich meist innerhalb des Wochenbetts reguliert. Dass es von alleine verschwindet, würden wir nicht pauschal sagen. Wir sind ja alle sehr individuell, und so ist es auch bei diesem Thema. Wir würden mit einigen sanften Übungen im Wochenbett starten. Je nachdem, wie ausgeprägt die Beschwerden sind und wie die Geburt verlief. Also immer in Absprache mit eurer Hebamme.

Habt ihr Tipps, was Frauen nach der Geburt machen können, um gegen die Inkontinenz anzuwirken?

Ja, ihr könnt wie gesagt sanfte Beckenboden-Übungen machen, schon relativ früh nach Geburt. Zwei Tipps für den Alltag:

  1. In der ersten Woche nach Geburt die Blase nicht zu voll werden lassen und häufiger zur Toilette gehen.
  2. Wenn ihr Schwierigkeiten mit der Blase habt, über die Seite niesen und den Beckenboden bewusst anspannen.

Gibt es sonst noch etwas zu beachten?

Es ist wirklich wichtig, den Beckenboden nicht zu vergessen. Immer wieder am Ball bleiben, und auch nach der Stillzeit etwas für den Beckenboden tun. Das kann ein spezielles Beckenboden-Training sein, Yoga oder Pilates. Kontraproduktiv sind joggen und hüpfen. Das sollte man nur mit einem sehr stabilen Beckenboden machen. Im Alltag hilft es unterstützend, auf eine aufrechte Körperhaltung zu achten, dann habt ihr auch eine Grundspannung im Beckenboden.

Übrigens: Auch Periodenunterwäsche kann bei Inkontinenz eine diskrete Unterstützung sein:

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