Den richtigen Autositz finden

Nachgehakt: Sind mitwachsende Kindersitze sinnvoll?

Mitwachsende Kindersitze begleiten den Nachwuchs über viele Jahre. Das ist durchaus sinnvoll – aber nicht in jedem Fall. Wir haben mit einem Experten gesprochen, der ein paar hilfreiche Tipps parat hat.

Ein mitwachsender Kindersitz kann den Nachwuchs viele Jahre begleiten – man sollte dabei aber einiges beachten.
© Foto: Getty Images/Petko Ninov
Ein mitwachsender Kindersitz kann den Nachwuchs viele Jahre begleiten – man sollte dabei aber einiges beachten.

März 2022: Mitwachsende Kindersitze, die für Babys und Kinder gleichermaßen bzw. über mehrere Jahre für Kinder passen – geht das überhaupt? Bieten diese Sitze wirklich genügend Sicherheit, wenn sie sich über eine lange Zeit dem Kind anpassen sollen, oder handelt es sich eher um eine Kompromisslösung? Wir haben mit Erik Salters vom Kindersitzhersteller Maxi-Coxi gesprochen und einige hilfreiche Tipps erhalten.

Leben & erziehen: Ist ein mitwachsender Kindersitz sinnvoll? Was sind die Vorteile?

Erik Salters: Die mitwachsenden Kindersitze bieten einen echten Vorteil, denn sie ermöglichen eine längere Nutzung, sodass Eltern nur einen anstelle von zwei herkömmlichen Sitzen kaufen können. Allerdings erfordert ein Sitz, der mit dem Kind mitwächst, normalerweise einige manuelle Einstellungen durch die Eltern. Diese sind manchmal etwas kompliziert, sodass ein genauer Blick in die Gebrauchsanweisung unabdingbar ist. Die traditionellen Kindersitze sind intuitiver und in dieser Hinsicht sicherer und daher auch insgesamt unsere erste Wahl.

Wie funktioniert ein mitwachsender Kindersitz?

Erik Salters: Moderne Kindersitze, geprüft nach R129, sind in der Regel auf das Alter oder die Größe des Kindes angepasst. So zum Beispiel eine Babyschale für Babys, ein Kleinkindersitz mit Fünf-Punkt-Gurt für Kinder von etwa 75 cm bis 105 cm und wieder ein anderer Sitz für ältere Kinder mit einer Größe von 105 cm bis 150 cm. Es gibt aber mittlerweile auch R129 geprüfte Kindersitze, die zwei der gerade genannten klassischen Varianten in einem einzigen Sitz kombinieren.

Diese Kombisitze sind vor allem zwei verschiedene Arten von Sitzen: Die erste vereint Babyschale und Kleinkindersitz und ist somit für Kinder ab der Geburt bis ungefähr 105 cm Körpergröße geeignet. Diese Sitze kann man in der Regel rückwärts- und vorwärtsgerichtet verwenden. Einige dieser Sitze verfügen außerdem über einen Drehmechanismus, der den Wechsel zwischen rückwärtsgerichtetem und vorwärtsgerichtetem Fahren sehr einfach macht, ohne dass Eltern beim Wiedereinbau Sicherheitsfehler machen.

Die zweite Art von Kindersitzen, die zwei Sitze miteinander vereint, passt für Kleinkinder und Schulkinder, also für eine Größe von ungefähr 85 cm bis 150 cm. Diese Sitze haben für das Kleinkind zunächst einen eigenen Fünf-Punkt-Gurt. Wird das Kind größer, baut man diesen Sitz um. So wird ab einer Körpergröße von etwa 105 cm der fahrzeugeigene Sicherheitsgurt genutzt, um das Kind im Sitz anzuschnallen. Diese Sitze sind nicht nur komplizierter in der Handhabung, sondern es passieren beim Umbauen und Anschnallen auch leichter Fehler als bei der Nutzung der klassischen Kindersitze. Da sie etwas preiswerter sind, werden diese Kindersitze aber oft als Zweitsitz zum Beispiel bei den Großeltern, welche die Kinder nur gelegentlich transportieren, benutzt.

Wie funktionieren diese drehbaren Kindersitze genau?

Erik Salters: Bei drehbaren Sitzen ist ein Drehmechanismus in den Sitz eingebaut. Herkömmliche Sitze erlauben manchmal die Umstellung von rückwärtsgerichtet auf die vorwärtsgerichtete Ausrichtung, aber dann muss man den Sitz entriegeln, ihn anheben, in der Luft drehen und wieder einrasten lassen. Bei Drehsitzen dagegen kann man all dies mit einem einfachen Zug an einem Hebel und einer Bewegung aus dem Handgelenk erledigen. Der Hebel löst die Sicherheitssperre und dient gleichzeitig als Griff für die Drehung. Sie sind schnell und so cool und machen das Leben von Mama und Papa so viel einfacher.

Werden Fangkörper überhaupt noch empfohlen?

Erik Salters: Maxi-Cosi zögert sehr bei der Verwendung von Fangkörpern. Wir sind der Meinung, dass wir nicht beweisen können, dass sie sicher und risikofrei sind, und deshalb entwickeln und verkaufen wir sie heute nicht mehr. Wir haben damit bereits vor etwa 20 Jahren aufgehört.

Wofür nutzt man einen Fünf-Punkt-Gurt bei Kindersitzen?

Erik Salters: Fünf-Punkt-Gurte sind sehr effektiv, um vorwärtsgerichtete Kinder in ihrem Autositz gut zu schützen. Diese Gurttypen werden auch in verschiedenen Autorennklassen verwendet. 99 Prozent der Menschen auf der ganzen Welt werden in sich schnell bewegenden Objekten mit Gurten geschützt: Piloten und ihre Insassen in Flugzeugen, in der Formel 1 werden sogar Sechs- oder Sieben-Punkt-Gurte verwendet, ebenso in Kampfflugzeugen. Das zeigt, dass das Prinzip der Auffanggurte zum Schutz weltweit eingesetzt wird.

Was macht man, wenn man ein altes Auto hat, in denen es noch keine Isofix-Befestigungsmöglichkeit gibt?

Erik Salters: Bei älteren Fahrzeugen und sogar bei Oldtimern gibt es nach wie vor Möglichkeiten für Kindersitze, die mit dem Fahrzeuggurt befestigt werden. Das ist im Vergleich zu Isofix weniger sicher, es ist in diesen Autos aber einfach die einzige Möglichkeit, einen Kind im Kindersitz mitzunehmen. Maxi-Cosi bietet einige solcher Sitze an wie den Pebble360 und der Klassiker Priori SPS*. Auf unserer Website finden Sie die Fahrzeugtypenliste, die Ihnen genau sagt, welche Sitze in Ihr älteres Auto passen und sogar in welcher Sitzposition (z. B. Vordersitz und Rücksitz links/in der Mitte/rechts).

Muss man sonst noch etwas bei mitwachsenden Kindersitzen (mit oder ohne Isofix) beachten?

Erik Salters: Nehmen Sie sich immer mal einen Moment Zeit, um über Ihr Kind nachzudenken, und stellen Sie den Gurt in eine höhere Position, wenn die Kopfstütze etwas höher gestellt werden muss. Kinder wachsen schneller als man denkt und Kindersitze müssen mitwachsen. Nehmen Sie sich auch immer zehn Sekunden Zeit, wenn Sie mit Ihrem Kind unterwegs sind: Am wichtigsten ist ein Fünf-Sekunden-Check des Gurtes – fühlen Sie einfach nach: Wenn Sie nur ein paar Finger zwischen den Gurt und Ihr Kind stecken können, ist es gut. Wenn Sie Ihre halbe Hand hineinstecken können, ist es zu locker und ich bin nicht glücklich darüber. Enger ist immer besser! Die anderen fünf Sekunden sind für einen Links- und Rechts-Check: Überprüfen Sie, ob die beiden Isofix-Verankerungen verriegelt sind, oder ob Ihr Fahrzeuggurt geschlossen und straff ist.

Das Interview führte Irlana Nörtemann

Hier findet ihr ein paar Beispiele für mitwachsende Autokindersitze:

Der "Britax Römer Kindersitz Advansafix M i-size"*, mit Fünf-Punkt-Gurt und Isofix-Besfestigung für Kinder von neun bis 36 kg oder 76 cm bis 1,50 m (i-Size), etwa 15 Monate bis zwölf Jahre, Farbe Storm Grey, etwa 290 Euro.

Der "Cybex Gold Kinder-Autositz Solution S-Fix"*, mit und ohne Isofix einbaubar, Gruppe 2/3 (15 bis 36 kg), etwa drei bis etwa zwölf Jahre, Farbe Granite Black, etwa 190 Euro.

Der "Maxi-Cosi Titan i-Size"*, mitwachsender i-Size Kindersitz mit Isofix-Befestigungsmöglichkeit und Ruheposition, Gruppe 1/2/3 (neun bis 36 kg), ab etwa neun Monate bis etwa zwölf Jahre, Farbe Schwarz, etwa 243 Euro.

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