Gute Nacht!

So lernen Babys das Einschlafen und Durchschlafen

Schon die Kleinen können lernen, allein ein- und durchzuschlafen. Manche brauchen dabei zunächst ein bisschen Hilfe. Eine Kinderärztin erklärt, was Eltern tun können.

Gegen die schlaflosen Nächte können übermüdete Eltern etwas tun.
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Gegen die schlaflosen Nächte können übermüdete Eltern etwas tun.

Ruhige Nächte, am Wochenende ausschlafen – wenn Paare Eltern werden, ist damit oft Schluss. Natürlich stehen Mütter oder Väter nachts auf, wenn ihr Kind weint und getröstet werden will. Schwierig wird es, wenn für die Kleinen daraus eine liebe Gewohnheit wird. Eltern sind dann chronisch übermüdet, von sieben Stunden Schlaf, dem Durchschnittswert der Deutschen, können sie nur träumen.
Am besten lassen Eltern es erst gar nicht so weit kommen. Sie können ihrem Kind helfen, dass es schlafen lernt.

Schlafsprechstunde für Eltern

Die Schweizer Kinderärztin Dr. Caroline Benz-Castellano weiß, worauf es ankommt. Sie berät betroffene Eltern, eine Psychologin und Assistenzärztinnen unterstützen sie dabei. Ihr ehemaliger Chef, der bekannte Kinderarzt Prof. Remo H. Largo (†2020), war in Europa einer der ersten, der einen solchen Service für Eltern anbot. Übrigens nicht, weil die Schlafstörungen bei Kindern zugenommen hätten, sondern weil der Informationsbedarf so groß geworden ist.

In die Sprechstunde der Kinderärztin kommen häufig junge Eltern, die den Schlafbedarf ihres Kindes falsch einschätzen. Selbst erfahrene Mütter und Väter sind davor nicht gefeit, zum Beispiel wenn sich das Nesthäkchen ganz anders als seine älteren Geschwister verhält. "Die Mütter und Väter, die zu uns kommen, wollen ihre Sache oft besonders gut machen", erklärt Dr. Caroline Benz-Castellano und ergänzt: "Was Kinder brauchen, sind feste Strukturen und Abläufe. Vor allem im Zusammenhang mit ihren Schlafbedürfnissen."

Warum ein fester Schlafrhythmus wichtig ist

Bleibt die Frage: Was kann ich machen, damit mein Kind möglichst bald einen festen Rhythmus findet? Eltern wünschen sich kaum etwas sehnlicher als ein Baby, das endlich durchschläft. Die Kinderärztin gibt folgenden Rat: "Vertrauen Sie auf seine angeborenen Fähigkeiten. Die meisten Babys haben einen starken inneren Drang, ihren eigenen Rhythmus zu entwickeln. Im Idealfall ist es der Ihrer Familie." 

Babys müssen reif dafür sein, um einen eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln. Eltern können diesen Prozess nicht beschleunigen. Einige Säuglinge schlafen bereits im Alter von einem Monat durch. Am Ende des dritten Lebensmonats sind 70 Prozent der Kinder körperlich dazu in der Lage. Im Alter von sieben Monaten können das 90 Prozent der Kleinen.

Durchschlafen heißt: fünf bis sechs Stunden am Stück. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Baby nach der letzten Abendmahlzeit gegen Mitternacht bis morgens fünf Uhr schläft, ohne aufzuwachen. Hat ein Kind bis zum sechsten, spätestens neunten Lebensmonat keinen erkennbaren Tag-Nacht-Rhythmus gefunden, braucht es dabei möglicherweise Hilfe. 

Wichtiger Tipp: Der natürliche Wechsel von Hell und Dunkel hilft dem Baby, seinen Rhythmus zu finden. Auch so genannte soziale Zeitgeber, dazu gehören Geräusche oder das Anziehen des Schlafanzugs, sind nützlich. Deshalb ist es tagsüber gar nicht nötig, dass die Familie durch die Wohnung schleicht, wenn das Kleine schläft und das Schlafzimmer muss beim Mittagsschlaf auch nicht stockfinster sein. Nachts hingegen sollten Mama und Papa das Licht möglichst nicht anknipsen, wenn das Kind wach ist, beim Stillen wenig mit ihm sprechen und es nur wickeln, wenn es nötig ist. Dadurch lernt das Kleine automatisch den Unterschied zwischen dem hellen, aktiven Tag und der dunklen, stillen Nacht.

So viel Schlaf braucht euer Kind

In den ersten zwei Lebensjahren entwickelt sich ein Kind rasant: Es wächst, ist schließlich doppelt so groß wie bei der Geburt, es lernt greifen, sitzen, stehen, laufen, sprechen und erobert seine Welt. Auch sein Schlafbedürfnis ändert sich. Neugeborene schlafen im Schnitt noch 16 Stunden pro Tag, Zweijährige nur noch etwa 13 Stunden täglich. Mit Abweichungen: Es gibt Kinder, die ein bis zwei Stunden Schlaf mehr brauchen, und solche, die mit deutlich weniger auskommen und bald ganz auf den Mittagsschlaf verzichten können.

Tag- und Nachtschlaf hängen eng zusammen: Je länger ein Kind tagsüber schläft, umso weniger Schlaf braucht es in der Nacht und umgekehrt. Ob der Mittagsschlaf zu lang ist oder wann er gänzlich überflüssig wird, diese Fragestellung verunsichert manche Eltern. "Ein kleines Kind kann unterschiedlich lang wach sein. Während der Wachzeit sollte es zufrieden, interessiert sein und spielen wollen. So kann der Tagschlaf über den Tag verteilt werden", erläutert Dr. Benz-Castellano. "Frühestens mit zwei Jahren können Kinder den Tagschlaf weglassen. Dies ist auch abhängig vom Gesamtschlaf der Kinder. Kurzschläfer brauchen eher länger einen Tagschlaf, weil die Wachphase tagsüber länger ist."

Wichtig ist, dass Eltern nicht den Zeitpunkt verpassen, ab dem ihr Kind deutlich weniger Schlaf braucht. Stellt man seinen Rhythmus um, darf das nicht abrupt passieren. Am besten rechnen Eltern dafür ein bis zwei Wochen ein und verändern die Schlafenszeit jeden Tag um eine Viertelstunde. Während dieser Phase kann es sein, dass das Kind müde und schlecht gelaunt ist. Das wird aber jeden Tag besser.

Mit einem Ritual geht’s leichter

Kinder brauchen bereits im ersten Lebensjahr ein grobes Raster, an dem sie sich orientieren können. Dabei spielen regelmäßige Abläufe eine große Rolle. Sie signalisieren dem Kind, was als Nächstes kommt. Ein festes Ritual beim Zu-Bett-Bringen vermittelt ihm Sicherheit. Die Expertin empfiehlt, dass das Kind am Abend lernt mit Hilfe eines Schnullers, eines Schmusetuchs, einer Spieluhr oder eines Kuscheltiers einzuschlafen. Denn vom Einschlafprozess hängt auch ab, wie das Kleine reagiert, wenn es nachts wach wird. Ist es gewohnt, dass die Eltern sich zu ihm ans oder ins Bett legen, es streicheln oder in den Schlaf wiegen, dann ist dieses Ritual die Einschlafhilfe. Das Kind wird danach verlangen, sobald es wach wird. Wenn ein Kind es aber schafft alleine einzuschlafen, wird es auch in der Nacht mit großer Wahrscheinlichkeit besser durchschlafen. Hierbei sollten Kinder aber nicht von einem auf den anderen Tag sich selbst überlassen werden. Im Gegenteil: Ein langsames Loslassen hilft – ohne das Kind schreien zu lassen!

Hinweis: Meist akzeptieren Kinder neue Situationen etwas rascher, wenn die Eltern entschlossen und konsequent sind.

 

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