Wach- und Ruhephasen

Wie viel Schlaf braucht ein Baby?

Neugeborene schlafen gefühlt den ganzen Tag, nach ein paar Monaten fragen sich Eltern, ob ihr Kind sich wirklich genug ausruht und spätestens im Kita-Alter geht's los mit dem Teufelskreis aus nicht schlafen wollen, zu kurzen Nächten und Übermüdung am Nachmittag. Hier erfahrt ihr, wie viel Schlaf ein Baby oder Kind braucht und ob es schlimm ist, wenn die Nachtruhe zu kurz kommt.

Das Schlafbedürfnis des Kindes wechselt in den ersten Jahren ständig.
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Das Schlafbedürfnis des Kindes wechselt in den ersten Jahren ständig.

Erst verzieht es keine Miene, nach einer Weile zucken die Fingerchen und die Mundwinkel heben sich zu einem Lächeln. Hat es etwa gerade gegluckst? Es gibt doch fast nichts Schöneres, als dem Neugeborenen beim Schlafen zuzuschauen. In den ersten drei Monaten tun Babys dies im Schnitt 14 bis 17 Stunden, verteilt auf etwa fünf Schlafeinheiten in den gesamten 24 Stunden. Erst nach rund acht Wochen machen die Kleinen langsam einen Unterschied zwischen Tag und Nacht.
Orientieren kann man sich in Sachen Schlafbedarf des Babys an Empfehlungen von Schlaf-Experten, etwa der National Sleep Foundation (NSF). Laut der amerikanischen Organisation ändert sich die Menge an Schlaf, die ein Baby braucht, mit etwa drei Monaten. Ab jetzt bis zum elften Lebensmonat sind es noch zwölf bis 15 Stunden. Nach und nach brauchen die Kinder tagsüber weniger Nickerchen. Mit etwa sechs Monaten können Babys theoretisch durchschlafen. In den ersten 18 Lebensmonaten wird der Nachtschlaf immer länger, gleichzeitig nimmt die Zahl der Nickerchen am Tag ab.

Bei Babys Schlafbedarf Tag und Nacht betrachten

Schlaftabellen für Babys und Kinder wie die der NSF (siehe unten) dienen zur groben Orientierung, man sollte sich nicht von ihnen verunsichern lassen, Abweichungen sind völlig normal. Und man sollte auch nicht mit anderen Eltern vergleichen, sagt Dr. Barbara Schneider, Sprecherin der Arbeitsgruppe Pädiatrie bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und Oberärztin des St. Marien Kinderkrankenhauses in Landshut. "Wer sich beim Babyschwimmen mit Eltern unterhält und feststellt, dass ein anderes Baby mit vier Monaten 16 Stunden schläft und das eigene nur elf Stunden, macht sich Sorgen." Doch hier muss man beachten, ob die Rede vom Schlaf in der Nacht oder von den gesamten 24 Stunden ist. "Denn in diesem Alter muss man auch den Tagschlaf mit einberechnen", sagt die Oberärztin. Während nämlich bei uns Erwachsenen der Tagesschlaf nicht so effektiv ist wie der Nachtschlaf, ist bei Babys und Kleinkindern alles gleich viel wert. Ungefähr ab dem dritten Lebensjahr schlafen Kinder dann in der Nacht besser als am Tag. 

Wie viel ein Baby schläft, ist individuell unterschiedlich

Beim von Forschenden ermittelten Schlafbedarf handelt es sich immer um Durchschnittswerte, von denen Kinder durchaus abweichen können. Dr. Barbara Schneider zeigt den Eltern, die zu ihr kommen, gerne die Perzentilkurven für die Schlafdauer, die die bekannten Kinderärzte Remo Largo, Ivo Iglowstein und andere entwickelt haben. Solche Kurven kennen wir bezüglich Körpergröße und Gewicht alle aus dem gelben Untersuchungsheft. Die mittlere Kurve ist die 50. Perzentile. Sie sagt aus, dass 50 Prozent der Kinder genauso schwer oder genauso lang sind oder eben genauso lange schlafen. Darüber und darunter liegen weitere Kurven. "An den Perzentilen sieht man gut, wie groß die Variabilität ist und das ist wichtig", sagt Dr. Schneider. "Die Schlafdauer der vier Monate alten Babys ist mit 16 Stunden und auch mit elf Stunden normal."

Darum ist eine ausreichende Schlafdauer bei Babys so wichtig

Nach vier, fünf Monaten merken Eltern, dass sie immer mehr Zeit und Energie darauf verwenden müssen, dass sich ihr Kind abends vorm Einschlafen und nachts nach dem Aufwachen beruhigt. Das ist laut der Schlafmedizinerin in der Regel völlig normal und noch kein Hinweis auf Schlafprobleme. Diese erkennt man eher durch Gedeihstörungen. "Wachsen Säuglinge nicht richtig, sollte das immer ein Alarmsignal sein", sagt Dr. Schneider. "Schlechter Schlaf kann eine Ursache sein." Entwickelt sich das Baby normal, aber die Nerven der Eltern liegen blank, weil (zumindest gefühlt) mehr geschrien als geschlafen wird, sollten sie davon immer dem Kinderarzt erzählen. Zur Vorbereitung des Termins kann ein Schlafprotokoll hilfreich sein, in dem man über mehrere Tage zum Beispiel Aufwachzeiten, Zubettgehzeiten, Stimmung tagsüber und Auffälligkeiten im Schlaf dokumentiert.

Wie kann ich meinem Baby helfen, einen gesunden Schlafrhythmus zu entwickeln?

Die Schlafregulation hängt mit der Gehirnentwicklung des Babys zusammen. Da sich das Gehirn während des ersten Lebensjahres ständig weiterentwickelt und viele Reifungsvorgänge noch nicht abgeschlossen sind, verändert sich auch das Schlafverhalten von Babys fortlaufend. Damit sich ein gesunder Rhythmus zwischen Schlafen und Wachsein entwickeln kann, braucht ein Baby vor allem in den ersten Monaten sehr engen Körperkontakt, um eine gute und sichere Beziehung zu seinen Eltern aufzubauen und um überhaupt in der Welt erst einmal anzukommen. Es muss sich sicher und geborgen fühlen, seine Signale müssen verstanden und alle seine Bedürfnisse nach Nähe, Nahrung, Zuwendung, Unterhaltung und Ruhe erfüllt werden.

Hinzu kommt der natürliche Wunsch nach Struktur. Denn Struktur gibt Kindern Orientierung und hilft ihnen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Tagesablauf möglichst regelmäßig abläuft und sich eine feste Routine für die verschiedenen Aktionen wie Essen, Spielen oder Schlafen etabliert. So wird das Leben für das Baby ein Stück weit vorhersehbar, gibt ihm das Gefühl von Sicherheit und erleichtert das Einschlafen. Natürlich klappt das weder immer – noch auf Anhieb. Aber zum einen sind Babys unglaublich anpassungs- und lernfähig. Und zum anderen bringen Ausnahmen hier und da nicht gleich alles durcheinander.

Wie lange schläft mein Baby mit einem halben Jahr?

Mit sechs bis zwölf Monaten schlafen fast alle Kinder nachts etwa elf bis zwölf Stunden. Tagsüber sind zwei Nickerchen sinnvoll. Die Tagschläfchen dauern meist eine oder eineinhalb Stunden dauern. Schläft das Kleine kann es unter Umständen beim Nachtschlaf zu Problemen kommen. Viele Eltern scheuen sich, ihr Baby zu wecken, weil sie meinen, sein Körper brauche den Schlaf. Ideal: Vor jedem Schläfchen sollte das Kleine drei Stunden lang wach gewesen sein. Die längste Wach- und Aktivphase mit vier bis fünf Stunden sollte vor dem Zu-Bett-Gehen am Abend liegen. Ein zu spätes Nickerchen kann zu Problemen beim Ein- und Durchschlafen führen. Aber auch hier: Jedes Kind schläft anders! Dies sind nur grobe Durschnittswerte bzw. Empfehlungen. Beobachtet euer Baby und vertraut auf eure Intuition.

Nun kommt der Mittagsschlaf: Wie viel Schlaf braucht ein Baby mit 1 Jahr?

Im Alter von ein bis zwei Jahren sinkt die empfohlene Schlafdauer auf elf bis 14 Stunden. Die Kinder machen anfangs noch zwei Nickerchen am Tag, später nur noch einen Mittagsschlaf. Entfallen von der täglichen Schlafdauer elf Stunden auf die Nacht, bleibt beispielsweise noch ein Schläfchen für den Mittag übrig. Manche beginnen mit zehn Monaten, sich auf einen Mittagsschlaf umzupolen, andere lassen sich damit Zeit, bis sie eineinviertel oder eineinhalb Jahre alt sind. Das Kind ist dann zur üblichen Bettzeit nicht mehr müde. Statt zu schlafen, setzt es sich im Bett auf, es spielt und spricht mit sich selbst.

Bei Kleinkindern lassen sich Schlafstörungen schon eher am Verhalten ablesen als bei Babys. "Ein Kind, das am Morgen einfach unausgeschlafen wirkt und sehr schnell weinerlich oder aggressiv wird, bekommt vielleicht zu wenig Schlaf oder die Schlafqualität ist beeinträchtigt", sagt die Landshuter Kinderärztin Dr. Barbara Schneider.
Was dann zu tun ist, sollten die Eltern mit dem Kinderarzt besprechen. Liegt es am späten Einschlafen, hilft es, den Tagesablauf zu checken: Ein fester Rhythmus aus regelmäßigen Schlafenszeiten stellt die innere Uhr besser ein. Außerdem ist es hilfreich, zwischen dem Abendessen und dem Zubettgehen irgendeinen ritualisierten, immer gleichen Ablauf zu haben. "Das gibt Sicherheit", sagt Dr. Schneider. Übrigens: Auch Erwachsene sollten Fernseher und Tablet spätestens eine Stunde vor dem Schlafen ausgeschalten. Nicht nur die Inhalte wühlen unnötig auf. Auch das blaue Licht der Displays schaltet das menschliche Gehirn auf "wach" anstelle von "müde" und kann sowohl die Schlafdauer als auch die -qualität stören.
Gesund ist es, wenn sich Schlafphasen aus leichtem Schlaf, tiefem Schlaf und Traumschlaf abwechseln. So können sich der kleine Körper und das Gehirn ausreichend erholen und lernen. Im Schlaf passiert nämlich viel mehr als wir mitbekommen: "Dinge, die wir erlernt haben am Tag, werden neu verankert im Gehirn", sagt Dr. Schneider. Vom Umdrehen übers Krabbeln und Laufen lernen bis hin zum Sprechen – all das verfestigt sich erst im Schlaf im Gehirn. 

Der Schlaf im dritten Lebensjahr

Je älter die Kinder, mit umso weniger Schlaf kommen sie aus. Im dritten Lebensjahr schlafen Kinder nur noch etwa zwölf Stunden. Viele gewöhnen sich den Mittagsschlaf ganz ab, manche behalten ihn die gesamte Krippenzeit bis zum Kindergarten bei.

Mehr zu diesem Thema hier: Ab wann kein Mittagsschlaf mehr?

Schlaftabelle: Wie viel Schlaf brauchen Babys und Kinder?

ALTER GESAMTSCHLAFDAUER* TAGSÜBER
0 Monate

um 14-17 Stunden in 24 Stunden

 
1-3 Monate um 14-17 Stunden

3-5 Nickerchen am Tag (um 9 Stunden)

4-11 Monate um 12-15 Stunden

2-3 Nickerchen am Tag (3-4 Stunden)

1-2 Jahre um 11-14 Stunden

1-2 Nickerchen am Tag (1-2 Stunden)

3-5 Jahre um 10-13 Stunden

0-1 Nickerchen am Tag (0-1 Stunde)

6-13 Jahre um 9-11 Stunden insgesamt

0 Nickerchen am Tag

 

*Quelle: National Sleep Foundation

Autorin: Anna Senft

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