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Gute Nacht, Baby

So lernen Babys das Einschlafen und Durchschlafen

Schon die Kleinen können lernen, allein ein- und durchzuschlafen. Manche brauchen dabei zunächst ein bisschen Hilfe. Eine Kinderärztin sagt, was Eltern tun können.

Ruhige Nächte, am Wochenende ausschlafen – wenn Paare Eltern werden, ist damit oft Schluss. Natürlich stehen Mütter oder Väter nachts auf, wenn ihr Kind weint und getröstet werden will. Schwierig wird es, wenn für die Kleinen daraus eine liebe Gewohnheit wird. Eltern sind dann chronisch übermüdet, von sieben Stunden Schlaf, dem Durchschnittswert der Deutschen, können sie nur träumen.
Am besten lassen Eltern es erst gar nicht so weit kommen. Sie können ihrem Kind helfen, dass es schlafen lernt.

Schlafsprechstunde für Eltern

Die Schweizer Kinderärztin Dr. Caroline Benz-Castellano weiß, worauf es ankommt. Sie berät betroffene Eltern, eine Psychologin und Assistenzärztinnen unterstützen sie dabei.

Der Chef von Dr. Caroline Benz-Castellano, der bekannte Kinderarzt Prof. Remo H. Largo, war in Europa einer der ersten, der einen solchen Service für Eltern anbot. Übrigens nicht, weil die Schlafstörungen bei Kindern zugenommen hätten, sondern weil der Informationsbedarf so groß geworden ist.

In die Sprechstunde der Kinderärztin kommen häufig junge Eltern, die wenig oder keine Erfahrung mit Babys haben. Sie schätzen den Schlafbedarf ihres Kindes falsch ein. Selbst erfahrene Mütter und Väter sind davor nicht gefeit, zum Beispiel wenn sich das Nesthäkchen ganz anders als seine älteren Geschwister verhält. 

Die Mütter, die zu uns kommen, wollen ihre Sache oft besonders gut machen. Dabei lassen manche ihrem Kleinen zu viel Freiraum. Kinder brauchen jedoch feste Strukturen und Abläufe, erklärt Dr. Caroline Benz-Castellano.

Warum ein fester Schlafrhythmus wichtig ist

Die häufigste Frage junger Eltern lautet: Was kann ich machen, damit mein Kind möglichst bald einen festen Rhythmus findet? Die Kinderärztin gibt folgenden Rat: Vertraue auf seine angeborenen Fähigkeiten. Die meisten Babys haben einen starken inneren Drang, ihren eigenen Rhythmus zu entwickeln. Im Idealfall ist es der ihrer Familie.

Babys müssen reif dafür sein, um einen eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln. Eltern können diesen Prozess nicht beschleunigen. Einige Säuglinge schlafen bereits im Alter von einem Monat durch. Am Ende des dritten Lebensmonats sind 70 Prozent der Kinder körperlich dazu in der Lage. Im Alter von sieben Monaten können das 90 Prozent der Kleinen.

Durchschlafen heißt: fünf bis sechs Stunden am Stück. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Baby nach der letzten Abendmahlzeit gegen Mitternacht bis morgens fünf Uhr schläft, ohne aufzuwachen. Hat ein Kind bis zum sechsten, spätestens neunten Lebensmonat keinen erkennbaren Tag-Nacht-Rhythmus gefunden, braucht es dabei möglicherweise Hilfe.

Der natürliche Wechsel von Hell und Dunkel hilft dem Kind, seinen Rhythmus zu finden. Auch so genannte soziale Zeitgeber, dazu gehören Geräusche oder das Anziehen des Schlafanzugs, sind nützlich. Deshalb ist es tagsüber gar nicht nötig, dass die Familie durch die Wohnung schleicht, wenn das Kleine schläft. Nachts hingegen sollten Mama und Papa das Licht möglichst nicht anknipsen, wenn das Kind wach ist, beim Stillen wenig mit ihm sprechen und es nur wickeln, wenn es nötig ist. Dadurch lernt das Kleine automatisch den Unterschied zwischen dem hellen, aktiven Tag und der dunklen, stillen Nacht.

So viel Schlaf braucht dein Kind

In den ersten zwei Lebensjahren entwickelt sich ein Kind rasant: Es wächst, ist schließlich doppelt so groß wie bei der Geburt, es lernt greifen, sitzen, stehen, laufen, sprechen und erobert seine Welt. Auch sein Schlafbedürfnis ändert sich. Neugeborene schlummern im Schnitt noch 16 Stunden pro Tag, Zweijährige nur noch etwa 13 Stunden täglich. Mit Abweichungen: Es gibt Kinder, die ein bis zwei Stunden Schlaf mehr brauchen, und solche, die mit deutlich weniger auskommen und bald ganz auf den Mittagsschlaf verzichten können.

Tag- und Nachtschlaf hängen eng zusammen: Je länger ein Kind tagsüber ruht, umso weniger Schlaf braucht es in der Nacht und umgekehrt. Am besten beobachten Eltern ihr Kind eine Zeit lang genau: Dann erkennen sie, ob der Mittagsschlaf zu lang ist oder wann er überflüssig wird. Wichtigster Anhaltspunkt ist das wache Kind: Ist es zufrieden und interessiert an seiner Umgebung, kann man den Mittagsschlaf kürzen oder ganz weglassen. Bei Zweijährigen genügt oft eine Pause, in der sie ruhig spielen oder ein Buch anschauen, um wieder aufzutanken.

Wichtig ist, dass Eltern nicht den Zeitpunkt verpassen, ab dem ihr Kind deutlich weniger Schlaf braucht. Stellt man seinen Rhythmus um, darf das nicht abrupt passieren. Am besten rechnen Eltern dafür ein bis zwei Wochen ein und verändern die Schlafenszeit jeden Tag um eine Viertelstunde. Während dieser Phase kann es sein, dass das Kind müde und schlecht gelaunt ist. Das wird aber jeden Tag besser.

Mit einem Ritual geht’s leichter

Kinder brauchen bereits im ersten Lebensjahr ein grobes Raster, an dem sie sich orientieren können. Dabei spielen regelmäßige Abläufe eine große Rolle. Sie signalisieren dem Kind, was als nächstes kommt. Ein festes Ritual beim Zu-Bett-Bringen vermittelt ihm Sicherheit. Einschlafen sollte das Kind möglichst alleine, allenfalls mit Hilfe eines Schnullers, eines Schmusetuchs, einer Spieluhr oder eines Kuscheltiers. Denn davon hängt ab, wie das Kleine reagiert, wenn es nachts wach wird. Ist es gewohnt, dass die Eltern sich zu ihm ins Bett legen, es streicheln oder in den Schlaf wiegen, dann ist dieses Ritual die Einschlafhilfe. Das Kind wird danach verlangen, sobald es wach wird. Dr. Caroline Benz-Castellano hat die Erfahrung gemacht: Meist akzeptieren die Kinder die neue Situation rasch, wenn die Eltern entschlossen und konsequent sind.

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