Richtig stillen

Stillpositionen: Eine Frage der Haltung

Stillen hat viel mit Herz zu tun. Damit es für alle entspannt läuft, kommt es aber auch auf die richtige Technik an. Wir zeigen dir, in welchen Stillpositionen du dein Baby anlegen kannst.

Schuheschnüren funktioniert bei uns Erwachsenen blind. Weil wir es irgendwann mal gelernt haben und seitdem Tag für Tag tun. Und trotzdem: Schlüpfen wir besonders hektisch in die Schuhe, weil wir zu spät dran sind, rutschen meist genau dann die Schnürsenkel durch die Finger oder die Schleife hält nicht. Was das mit Stillen zu tun hat? Viel. Stillen ist Übungssache. Wie beim Schuhebinden gibt es auch hier einen genauen Ablauf, der dabei hilft, dass am Ende die Milch fließt. Und auch fürs Trinken an der Brust gilt: Ohne Hektik klappt's besser. Deshalb ist es gut, wenn Mütter ihr Kleines anlegen, bevor es völlig aufgelöst weint. Beim Schreien oder hastigen Trinken verschlucken Kinder viel Luft, die später im Bauch drückt und Blähungen verursachen kann. Erste Hungerzeichen zeigt das Baby, indem es zum Beispiel schmatzt, sich die Lippen leckt, an der Hand saugt oder sein Köpfchen suchend zur Seite dreht.

Der C-Griff

Damit es die Brustwarze richtig zu fassen bekommt, bieten Mütter ihre Brust am besten mit dem C-Griff an: Dabei ruht der Daumen einer Hand oberhalb der Brustwarze, die restlichen Finger liegen unter der Brust und stützen sie leicht. Auf diese Weise wird die Brust sanft vorgeformt. Berühre die Lippen deines Babys oder den Bereich unterhalb seiner Nase mit der Brustwarze — es wird dadurch seinen Mund weit öffnen. Zieh dein Kleines dann eng an dich heran, sodass es die Brustwarze tief in den Mund nehmen kann. Das ist wichtig, denn in der weichen Mundhöhle ist sie geschützt und die Kauleisten des Kindes drücken genau dort aufs Brustgewebe, wo es fürs Trinken am effektivsten ist. Du hast dein Baby richtig angelegt, wenn seine nach außen gestülpten Lippen einen großen Teil vom Brustwarzenhof umschließen und es weder den Kopf drehen noch seinen Hals überstrecken muss — Kopf und Körper des Säuglings bilden eine gerade Linie, sein Gesicht zeigt zur Brustwarze. Dein Baby soll keinesfalls nur an der Brustwarze nuckeln, es muss möglichst viel vom Warzenhof mit seinen Lippen zu fassen bekommen. Ansonsten schluckt es beim Trinken zuviel Luft, was später zu Blähungen und Bauchweh führen kann. Im Wochenbett und für die Zeit danach schwört Hebamme Katja van Steenkiste auf folgende Stillpositionen.

Besonders beliebt:Der Wiegegriff

Sitzt du bequem? Hast du für deinen Arm ein Stillkissen oder ein anderes festes Kissen parat? Dann kann es losgehen: Wenn du dein Baby an die rechte Brust anlegst, ruht sein Köpfchen auf deinem rechten Unterarm, den du entspannt aufs Kissen ablegst. Dein Bauch und der deines Babys sind möglichst nah beieinander, Mund und Nase des Säuglings sind auf Höhe deiner Brustwarze. Achte beim Wiegegriff darauf, dass Babys Köpfchen nicht tiefer liegt als sein Po. So kannst die beim Stillen verschluckte Luft noch während des Trinkens wieder nach oben steigen und durch ein späteres Bäuerchen entweichen. Wenn du und dein Baby ein eingespieltes Team seid, ist der Wiegegriff auch besonders praktisch, wenn du unterwegs stillen möchtest.

Sehr entspannend: Stillen im Liegen

Besonders nach einem Kaiserschnitt oder nachts ist diese Stillposition super: Mach es dir in Seitenlage bequem. Wenn es für dich angenehm ist, legst du ein Kissen hinter deinen Rücken oder zwischen die Beine. Dein Baby liegt dir zugewandt ebenfalls auf der Seite, Bauch an Bauch. Die Brustwarze der unteren Brust sollte auf Höhe von Babys Mund sein. Wenn es gut saugt, kannst du deinen freien Arm um dein Kleines legen. Achte darauf, dass dein Baby ausreichend Abstand zur Bett- oder Sofakante hat – es rollt sich von selbst auf den Rücken, wenn es satt ist, und könnte dabei herunterfallen.

Links oder rechts außen: Der Fußballergriff

Da in dieser Position, die auch Football-Haltung genannt wird, das Baby nicht direkt auf den Bauch drückt, ist der Fußballergriff ideal nach einem Kaiserschnitt. Gut ist er auch für Säuglinge, die Probleme beim Andocken haben, etwa weil die Brüste sehr groß sind. Außerdem beugt diese Haltung einem Milchstau vor, denn die Brust wird auch mal von der Außenseite her abgetrunken. So geht’s, wenn das Baby zum Beispiel an der rechten Brust trinken soll: Lege im Sitzen ein Stillkissen um deine Taille und das Baby so darauf, dass seine Beine unter deinem rechten Arm in Richtung deines Rückens zeigen. Sein Köpfchen kannst du mit deiner rechten Hand stützen, während du mit der linken die Brust hältst.

Aufrecht: Der Hoppe-Reiter-Griff

Dein Baby hat Schwierigkeiten, die Brust richtig zu erfassen? Dein Kind ist noch etwas saugschwach oder verschluckt sich während des Trinkens oft? Du hast einen Milchstau im unteren Bereich der Brust? In all diesen Fällen eignet sich der Hoppe-Reiter-Sitz sehr gut. Dabei sitzt dein Zwerg auf deinem Oberschenkel, das Gesicht direkt vor der Brust. Achte darauf, dass du besonders Neugeborene in dieser Position sehr gut im Kopf- und Schulterbereich mit deinem Arm stützen musst.

Intuitiv: Die Rückenlage

Generell rät Hebamme Katja van Steenkiste Müttern zum intuitiven Stillen, das heißt: Sie zwingen weder sich selbst noch das Baby in eine Position. Optimal ist, wenn der Säugling beim Andocken die Führung übernehmen kann, das beugt vielen Stillproblemen vor. Besonders gut gelingt dies bei Positionen in Rückenlage: Bauch an Bauch mit Mama, die weit zurückgelehnt sitzt oder liegt. Wichtig ist auch, dass Mütter immer wieder zwischen den Stillpositionen wechseln. "Dadurch wird das Brustgewebe gleichmäßig angeregt und alle Milchgänge vollständig entleert", erklärt die Stillberaterin.

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