Das emotionale Unwetter am Nachmittag

Schlechte Laune nach dem Kindergarten: immer Mecker für Mama!

Wenn Eltern ihre Kinder von der Betreuung abholen, wechselt die Stimmung der Kleinen oft schlagartig von quietschvergnügt zu aggressiv-motzig. Und dann kriegt Mama meist erst mal Mecker ... Unsere Autorin weiß, dass das emotionale Unwetter oft ein Liebesbeweis der Minis ist – und hat Tipps für eine entspannte gemeinsame Zeit am Nachmittag gesammelt.

Wenn ich meine Kinder nach der Arbeit aus der Betreuung abhole, bekomme ich meistens das Tages-Feedback, die Kleinen wären gut drauf und hätten einen schönen Vormittag gehabt. Trotzdem schlägt mir, kaum sind wir zusammen, regelmäßig Gegenwind statt Wiedersehensfreude entgegen: Ich sei zu früh dran, das mitgegebene Frühstück sei "bäh" gewesen, jeder meiner Vorschläge für die Nachmittagsgestaltung wird abgeschmettert, stattdessen kommen beim kleinsten Problemchen die Tränchen. Oder auch ein ohrenbetäubender Schreianfall. Solche Situationen kennen wohl die meisten Eltern. Es ist oft schwer, dabei Ruhe und Nerven zu bewahren, bis das emotionale Unwetter abgezogen ist. Die Kleinen scheinen nach dem Kindergarten total verändert zu sein. Warum nur?

Das Kleinkind ist überreizt und total kaputt

Die Antwort lautet: Sie sind erschöpft. Genauso, wie wir es nach der Arbeit sind. Die Kinder haben sich über Stunden in eine Gruppe eingefügt, mit anderen Menschen interagiert, Regeln befolgt, Aufmerksamkeit geteilt. Dazu kommt oft ein hoher Lautstärkepegel. Das ist keine einfache Situation. Das Kleinkind ist überreizt, oft total kaputt. "Wenn dann Mama oder Papa kommt, fällt die Anspannung von dem Kind ab. Denn es weiß, seine Eltern lieben es bedingungslos. Egal, wie es sich verhält. Das Kind lässt seinen Gefühlen freien Lauf – und das ist nach einem anstrengenden Tag nicht immer nur Fröhlichkeit", erklärt Dipl.-Pädagogin Martina Huxoll-von Ahn, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes. 

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Miese Stimmung durch Corona-Gewohnheiten?

Könnte es sich auch um Folgen der Pandemie handeln, seit der viele Kinder besonders viel zu Hause und nicht in der Betreuung waren? "Wir machen gerade die Erfahrung, dass viele Kinder glücklich sind, in die Kita gehen zu dürfen. Sie haben die anderen Kinder schmerzlich vermisst", sagt Martina Huxoll-von Ahn. "Natürlich bedeutet der Kita-Besuch eine Umstellung des Tagesablaufs, aber mir scheint die Freude über den Kita-Besuch doch zu überwiegen." Die Sensibilität in all ihren Facetten nach der Kita ist also Ausdruck von Liebe und Vertrauen unserer Kinder – vielleicht hilft dieser Gedanke. 

Tipps, damit der Nachmittag nicht mit schlechter Stimmung beginnt:

  1. Absprachen einhalten: Kinder brauchen Routine und feste Abläufe. Deshalb reagieren sie oft gestresst, wenn Absprachen nicht eingehalten werden. "Es ist gut, dem Kind morgens zu sagen, wer es später abholt – und sich daran dann möglichst auch zu halten", rät Martina Huxoll-von Ahn. "Natürlich müssen Kinder auch lernen, flexibel zu sein. Aber das sollte nicht der Regelfall sein."
  2. Zeit mitbringen: Vor allem im Kita-Alter sind Kinder beim Abholen oft verärgert, wenn sie plötzlich aus dem Spiel gerissen werden. Deshalb sollten Eltern mindestens zehn Minuten Extra-Zeit einplanen, damit die Kleinen die Möglichkeit haben, das Rollenspiel abzuschließen oder die Vorlesegeschichte bis zum Schluss anzuhören.
  3. Volle Aufmerksamkeit schenken: Eltern reden beim Abholen gern mit anderen Eltern. Oder checken noch schnell die letzten Mails auf dem Handy. Kinder fühlen sich dann schnell übersehen. Die Reaktion: Trotz, Wut, Tränen. Atmet deshalb vor dem Abholen noch einmal durch. Lasst den Job hinter euch. Dann spürt der Nachwuchs: Mama/Papa ist jetzt ganz für mich da. Und das ist ein gutes Gefühl. 
  4. Den Hunger stillen: Viele Kinder haben in der Abholsituation richtig Hunger, denn das Mittagessen ist oft schon ein paar Stunden her. Und wer hungrig ist, bekommt schneller schlechte Laune. Ein kleiner Snack (Obst, Gemüsesticks) hilft!
  5. Pause statt Freizeit: Nach dem Abholen direkt zum Playdate, Einkaufen, Sport? Das ist oft Alltag, sollte aber nicht Standard sein, denn so werden nur noch mehr Reize gesetzt. "Ein voller Alltag bedeutet Stress. Auch Kinder haben ein Recht auf freie Zeit und Erholung", so unsere Expertin. Erst mal nach Hause – und lasst die Minis mitentscheiden!
Experten-Bild

Unsere Expertin

Dipl. Pädagogin Martina Huxoll-von Ahn

... ist stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes e. V. in Berlin.

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Autorin: Merle von Kuczkowski

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