Antworten auf die wichtigsten Fragen

Fruchtblase geplatzt: Und nun?

Was ist zu tun, wenn die Fruchtblase platzt? Ein Experte hat uns die wichtigsten Fragen zum Thema Blasensprung beantwortet.

Tut es weh, wenn die Fruchtblase platzt?

Nein, gar nicht.

Kann die Fruchtblase auch im Schlaf platzen?

Ja, das kann passieren.

Wie viel Fruchtwasser verliert man, wenn die Fruchtblase platzt?

Manchmal tröpfelt es nur, manchmal geht ein ganzer Schwall an Flüssigkeit ab.

Viele Frauen wundern sich, wenn die Fruchtblase platzt, sie aber noch keine Wehen haben. Ist das normal? Wie lange dauert es im Schnitt, bis die Wehen einsetzen?

Wenn die Fruchtblase einreißt und Fruchtwasser austritt, bevor der Termin gekommen ist oder die Wehen eingesetzt haben, spricht man vom vorzeitigen Blasensprung. Das passiert in etwa 8-10 Prozent aller Schwangerschaften. Es ist also nicht ganz selten, aber auch nicht normal, vor allem dann nicht, wenn es vor der 37. Woche passiert. Es sollte nicht zu viel Zeit vom Blasensprung bis zur Fahrt in die Frauenarztpraxis beziehungsweise die Klinik zur Bestätigung des Fruchtwasserabgangs verstreichen, weil die Fruchtblase dem Baby einen sicheren Schutz vor Krankheitskeimen bietet. Ist die Blase geplatzt, können innerhalb weniger Stunden Keime aus der Vagina in die Gebärmutter aufsteigen und eine gefährliche Infektion der Fruchthöhle auslösen – zumal Infektionen selbst eine häufige Ursache für den vorzeitigen Blasensprung sind. Je früher der Blasensprung im Schwangerschaftsverlauf auftritt, je größer ist die Gefahr für das Baby. Es muss immer abgewogen werden, was für das Baby und die Mutter das Beste ist – ein Antibiotikum zu verabreichen und zu versuchen die Schwangerschaft zu erhalten, da jeder Tag in der Gebärmutter die Reife des Ungeborenen fördert, oder die Geburt in die Wege zu leiten.

Experten-Bild

Unser Experte

 Dr. med. Christian Albring ist Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

Wie lange dauert es noch bis zur Geburt, wenn die Fruchtblase geplatzt ist?

Das hängt davon ab, ob es ein vollständiger oder kleiner Riss ist, und ob letzterer vor dem Muttermund oder höher sitzt, wie weit die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist, ob Wehen vorhanden sind und ob es sich um eine Erst- oder Mehrgebärende handelt. Manchmal setzen bei geringem Wasserverlust überhaupt keine Wehen ein, trotzdem muss das Risiko für eine Infektion von Mutter und Kind beachtet werden. Deswegen sollte die Mutter bei einem echten Blasensprung nicht einfach abwarten und hoffen, dass die Geburt schon von allein in Gang kommt, sondern vorsichtshalber in die Klinik fahren, wo dann das bestmögliche weitere Vorgehen gemeinsam mit ihr besprochen wird.

Welche Farbe hat das Fruchtwasser?

Das Fruchtwasser ist wegen der kindlichen sogenannten Käseschmiere ein wenig weißlich trübe und flockig, am Geburtstermin häufig klar. Sollte es rötlich sein oder gar viel Blut abgehen, könnte das ein mögliches Anzeichen für eine vorzeitige Ablösung der Plazenta sein kann, und es ist Eile geboten. Dann, oder wenn Wasser im Schwall kommt, bitte nicht mehr umherlaufen, sondern ruhig hinlegen und auf den Krankenwagen warten, da man nicht wissen kann, ob der Kopf schon fest sitzt. Die Tasche mit den Utensilien für den Aufenthalt in der Klinik sollte rechtzeitig vorbereitet sein. 

Manchmal sind Frauen unsicher, ob ihre Fruchtblase geplatzt ist oder nicht. Was sind Anzeichen dafür, woran erkennt man den Blasensprung im Zweifel?

Die Frage, die sich die Frauen stellen, ist bei geringem Flüssigkeitsabgang meistens: Bin ich ein bisschen inkontinent – was ja am Ende der Schwangerschaft nicht ganz selten ist, weil der kindliche Kopf auf die Blase drückt – und ist es Urin, oder ist es die Fruchtblase? Wenn nicht andauernd Wasser abgeht und die Mutter somit unsicher ist, kann die Frauenarztpraxis einen Test vornehmen.

Tipp: Fruchtwasser hat einen leicht süßlichen Geruch, so lässt es sich gut von Urin unterscheiden.

Wenn die Fruchtblase geplatzt ist und das Fruchtwasser in einem Schwall abgeht ...

Meistens kommt es erst während der Entbindung zum Blasensprung. Wichtig: Solltet ihr jedoch tatsächlich vorher sehr viel Fruchtwasser auf einmal verlieren: Legt euch sofort hin und lasst euch mit dem Krankenwagen liegend in die Klinik bringen. Solltet ihr allein zu Hause sein, könnt ihr euch notfalls im Vierfüßlerstand bewegen (etwa um das Telefon zu erreichen und den Krankenwagen zu rufen). Wenn sehr viel Fruchtwasser in einem Schwall abgeht, also ein halber Liter oder mehr, besteht die Gefahr, dass die Nabelschnur zwischen Becken und Kopf des Kindes rutscht und dadurch abgeklemmt werden könnte. Dann wäre die Versorgung eures Babys unterbrochen. 

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Wenn die Fruchtblase platzt und es nur tröpfelt ...

Fragt euren Frauenarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen, ob der Kopf eures Babys bereits fest im Becken sitzt. Manchmal wird es auch im Mutterpass vermerkt. In diesem Fall besteht keine Gefahr eines Nabelschnurvorfalls und das Fruchtwasser geht nur tröpfchenweise ab. Auf den Weg ins Krankenhaus solltet ihr euch trotzdem machen – bitte lastt euch aber fahren, denn es könnte euch jederzeit eine erste Wehe überraschen.

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