Geburtsvorbereitungen

Geburtspositionen: Welche Stellung passt zu mir?

Die Geburt rückt näher. Vor allem in den letzten Wochen der Schwangerschaft fragen sich viele Frauen, wie genau sie entbinden wollen. In der Hocke, im Vierfüßlerstand oder "Hollywood-like" im Kreißsaal-Bett? Wir haben mit einer erfahrenen Hebamme gesprochen, welche Geburtspositionen es überhaupt gibt und welche wann Sinn machen.

Viele Gebärende fühlen sich durch einen großen Gymnastikball entlastet.
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Viele Gebärende fühlen sich durch einen großen Gymnastikball entlastet.

Jährlich kommen in Deutschland knapp 800.000 Kinder zur Welt – die allermeisten von ihnen in Krankenhäusern, nur rund zwei Prozent außerklinisch. Fangen die werdenden Eltern an, sich mit der anstehenden zu befassen, begegnen sie früher oder später auch dem Thema Geburtspositionen. Spätestens im Geburtsvorbereitungskurs werden die einzelnen Stellungen erklärt, gezeigt, vorgeführt ... und nicht selten endet das Ganze in verschämtem Gekicher. Wenn Mann ungelenk hinter Frau im Vierfüßlerstand hockt, und beide im Takt hecheln sollen. Eine Geburt üben. Das ist vor allem nicht JederMANNs Sache. Aber auch für die schwangeren Frauen fühlt es sich oft noch unwirklich an, eine solche Generalprobe durchzuspielen. Kommt es nicht ohnehin immer alles anders als geplant, fragen wir bei der Hebamme Friedrike Ruof aus Hamburg nach, die sich auf Hausgeburten spezialisiert hat. "Bei einer Geburt macht es schon Sinn, sich vorab Gedanken zu machen. Wie möchte ich gebären? Welche Geburtsposition könnte sich gut für mich anfühlen?" Sie rät aber unbedingt dazu, flexibel zu bleiben: "Ein zu expliziter Geburtsplan könnte schwierig umzusetzen sein, vor allem in einem Krankenhaus. Schwangere Frauen sollten sich im besten Fall in alle Richtungen informieren und auf alles vorbereitet sein. Auch wenn es um Geburtspositionen geht!"

Welche unterschiedlichen Geburtspositionen gibt es?

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Viele Frauen wechseln unter der Geburt häufig ihre Position.


"Überspitzt gesagt ist alles, was der Körper mit sich machen lässt, theoretisch auch eine Geburtsposition", erklärt uns die Hebamme Friederike. "Vielleicht würde ich nicht gerade zu einer Geburt im Kopfstand raten, aber ansonsten ist prinzipiell alles möglich."

Sortiert wird grob in diese Kategorien:

  • Vierfüßlerstand / kniend
  • hockend / sitzend / Gebärhocker
  • Seitenlage
  • stehend / hängend
  • Rückenlage 
  • Hirtenstand (mit einem Bein stehend, mit einem Bein kniend)
  • (Wassergeburt: aus fachlicher Sicht keine eigene Geburtsposition, da jede Position theoretisch auch in der Wanne möglich ist)

Interessant: "In Kliniken gebären die meisten Schwangeren in der Rückenlage", erzählt Friedrike Ruof. "Das hat den simplen Grund, dass das Personal so am besten von jeder Seite an die Schwangere herantreten kann. Außerklinisch werden die meisten Babys aber im Vierfüßlerstand geboren." Und auch das hat seine Gründe ...

Gibt es "die beste Geburtsposition" überhaupt?

Jede Frau ist anders. Jede Schwangerschaft ist anders. Und somit auch jede Geburt. Die passende Position muss also immer von Fall zu Fall betrachtet werden. Vor allem ist es auch immer eine sehr intuitive Entscheidung. Während einer Geburt wird in den meisten Fällen häufig zwischen verschiedenen Positionen gewechselt, zum Beispiel wenn es einfach nicht vorangeht oder sich etwas nicht mehr gut und passend anfühlt. "Ja, vielleicht liegt eine Frau ganz am Ende der Austreibungsphase auf dem Rücken im Kreißsaalbett, aber hat davor Seil, Ball und Hocker ausprobiert", so Friedrike Ruof. Bei ihr gebären die meisten Frauen im Vierfüßlerstand. Auch sehr beliebt: der Hirtenstand. Hier steht die Frau mit einem Bein angewinkelt auf ihrem Fuß und mit dem anderen Bein kniet sie. Der Schwerkraft sei Dank öffnet sich der Muttermund bei dieser Position viel leichter, das Baby kann entspannter geboren werden. Und auch Dammschnitte sind viel seltener. 

Generell würde Friederike Ruof nur Frauen mit starken Verletzungen bei vorangegangenen Geburten (Grad 3) von gewissen Geburtspositionen gänzlich abraten, zum Beispiel von der Rückenlage: "Hier darf nicht zu viel Druck auf dem Damm liegen. Der Vierfüßlerstand ist in diesem Fall eine ideale Position." Eine individuelle Beratung durch Hebamme bzw. Kilinikpersonal sollte unbedingt wahrgenommen werden.

Warum ist die Rückenlage bei der Geburt nicht optimal?

Im Pre-Schwangerschaftskosmos werden Geburten meist durch Hollywood geprägt. Und wie bringen die gelockten, perfekt geschminkten Schauspielerinnen in diesen Filmen ihre Kids zur Welt? Genau, im Kreißsaalbett. Von der Rückenlage, obwohl sie in deutschen Krankenhäusern tatsächlich am häufigsten vorkommt, rät die Hausgeburtshebamme aber eher ab. Bei ihr gebären auf diesem Weg nur ein bis zwei Frauen pro Jahr. Natürlich gibt es immer Situationen, die es nicht anders erlauben. Aber grundsätzlich ist das Becken in dieser Stellung eher unbeweglich und schmal. Das Köpfchen kommt schlechter durch den Geburtskanal. Auch die Schwerkraft wird hier negativ genutzt. Die Hohlvene der Schwangeren wird abgedrückt. Das kann wiederum zu schlechteren Herztönen beim Ungeborenen sorgen ... Am Ende kommt es viel häufiger auch zu ungeplanten Einsätzen mit Saugglocke, Zange oder sogar zum Not-Kaiserschnitt. "Das Kreißsaalbett könnte aber durchaus noch besser und vielseitiger genutzt werden", merkt unsere Expertin an, zum Beispiel in der Seitenlage oder im Vierfüßlerstand. Mit einem Bein hoch. Für Sternengucker, die mit dem Blick nach oben durch den Geburtskanal wollen, eine mögliche Option.

Welche Rolle spielen Hilfsmittel?

  1. Bälle
  2. Hocker
  3. Wanne
  4. Bett
  5. Seil


Prinzipiell kann alles zum Geburtshelfer werden, selbst die Fensterbank oder die Wickelkommode. "Höhen finden Frauen bei der Geburt ganz toll, um sich zum Beispiel während der Wehen mit den Armen oder mit dem Oberkörper darauf abzustützen oder anzulehnen und mit dem Becken zu kreisen", ergänzt Friederike Ruof. 

Mehr Infos hier: Nützliche Helfer im Kreißsaal

Leider sind nicht alle Kreißsäle gleich gut ausgestattet. "Wenn kein Ball da ist, wirst du auch nicht danach fragen", gibt die Geburtsexpertin zu bedenken und findet, Geburtsräume müssten besser ausgestattet werden. Und: "Du darfst dich hier frei bewegen!" Dieser Satz fehle in Krankenhäusern auch oft. Nur so könnten die Frauen unter der Geburt auch wirklich aktiver und bewusster alle Hilfsmittel im Raum in Betracht ziehen.

Ein Vorab-Besuch in der Wunschklinik ist ratsam, um genau das für sich abzuklären. Stelle ich mir beispielsweise unbedingt eine Wassergeburt vor, muss natürlich gesichert sein, dass es auch genügend Wannen gibt. Spätestens beim Anmeldegespräch sollten Vorstellungen und Wünsche geäußert werden. 

Welche Rolle spielen Partner bei der Geburt?

Der Partner oder die Partnerin ist bei der Geburt nicht nur seelischer Support, sondern auch rein physisch betrachtet unglaublich unterstützend. Viele Positionen können nur durch einen Geburtsbegleiter oder eine Geburtsbegleiterin entstehen. Denn: "Es muss nicht immer der oder die Lebenspartner:in bei der Geburt dabei sein. Es kann auch ein anderer wichtiger Mensch der Schwangeren sein", bemerkt Friedrike Ruof.

Alles, was in der Hocke passiert, kann durch diese Person gestützt werden. Auch wenn ihr euch nur mit einem Bein irgendwo abstützen möchtet, ist eine Hilfestellung durchaus wichtig. Der Gleichgewichtssinn leidet bereits in der Schwangerschaft. Unter Wehentätigkeit wird es nicht besser. Plus: Euch wird vielleicht noch wohlwollend über den Rücken gestreichelt, die verspannten Schultern werden gelockert, die Füße massiert ... Alles, was jetzt guttut, ist erlaubt. 

Fazit

Vetraut eurem Gefühl, eurer Intuition während der Geburt. Für alles andere stehen euch Hebammen und Ärzte unterstützend zur Seite. Sie werden euch den richtigen Weg leiten. Und hilfreiche Tipps geben für eine möglichst komplikationsfreie Geburt, die positiv in Erinnerung bleibt. Zu viel Planung, auch im Hinblick auf die perfekte Geburtsposition, kann nach hinten losgehen. Bleibt lieber offen für Veränderungen! Jede Geburt ist eine Überraschung – und das ist auch gut so!

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