Schmerzen einordnen

Wie fühlen sich Wehen an? Ein Guide für Bald-Mamas

Es ist die eine wichtige Frage, die besonders hochschwangere Frauen stark beschäftigt: Wie fühlen sich Wehen an? Von Übungswehen über Senk- und Austreibungswehen bis hin zur Nachgeburt – wir nehmen euch an die Hand und erklären, woran ihr die Wehenarten erkennt.

Oje, es zieht im unteren Bauch! Geht es los? Wie fühlen sich Wehen an? Nicht nur kurz vor Beginn der Geburt kann es ordentlich im Bauch der werdenden Mama ziehen. Auch schon früher in der Schwangerschaft kann es zu Wehen kommen, etwa zu Übungswehen. Unter der Geburt werden die Kontraktionen dann noch viel intensiver. Ob Senkwehen, Eröffnungswehen oder Austreibungswehen: Unsere Expertin, die Hebamme Maxine Lehmann, erklärt, wie sich die unterschiedlichen Wehenarten anfühlen, worauf sie hindeuten und wie ihr muttermundwirksame Wehen erkennt.

Welche Wehen gibt es – und ab wann machen sie sich bemerkbar?

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Wehen, die sich alle unterschiedlich bemerkbar machen. Dazu zählen:

  • Schwangerschaftswehen
  • Übungswehen
  • Senkwehen
  • Vorwehen
  • Eröffnungswehen
  • Austreibungswehen
  • Nachgeburtswehen
  • Nachwehen

Diese Wehenarten haben unterschiedliche Wirkungsweisen und Aufgaben. "Sie erstrecken sich von der Wachstumsförderung der Muskelzellen der Gebärmutter, bis zur Geburt des Kindes und der Plazenta, sowie der Rückbildung der Gebärmutter. Es kann gut sein, dass die Wehen schon ab Mitte der Schwangerschaft wahrnehmbar sind. So hat der Körper Zeit, sich an diese zu gewöhnen", erklärt Hebamme Maxine Lehmann. 

Schwangerschaftswehen und Geburtswehen

Mediziner unterscheiden zwischen "Schwangerschaftswehen" und die eigentlichen "Geburtswehen". Eine Ausnahme bilden dabei die Frühwehen, die zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen können. Schwangerschaftswehen sind für Mama und Baby völlig ungefährlich – und gehören zu einem normalen Schwangerschaftsverlauf.

Wie fühlen sich Übungswehen an?

Hier besteht Verwechslungsgefahr: Übungswehen und Vorwehen sind voneinander getrennt zu betrachten – und meinen nicht dasselbe. Übungswehen (auch: Braxton-Hicks-Kontraktionen) sind etwas ganz Normales – und kein Grund zur Sorge. Es handelt sich dabei um die ersten Wehen, die ihr während der Schwangerschaft erlebt. In der Regel zwischen der 20. und 25. Schwangerschaftswoche.

So fühlen sich Übungswehen an: 

Maxine Lehmann sagt: "Die Übungswehen sind die ersten Wehen, die der Körper gegebenenfalls schon deutlich bemerkt. Sie lösen dabei in der Regel kein unangenehmes Gefühl aus, sondern zeigen lediglich, dass sich der Unterleib (die Gebärmutter) verhärtet. Schmerzen sollten dabei nicht entstehen, wobei es an manchen Tagen guttut, sich etwas im Alltag zurückzunehmen." Wichtig: Übungswehen sind nicht muttermundwirksam!

Kurz zusammengefasst äußern sich Übungswehen durch …

  • unregelmäßige, über den Tag hinweg verteilte Kontraktionen während der Schwangerschaft
  • Hartwerden des Bauches
  • eine nur wenig intensive Schmerzintensität

So fühlen sich Vorwehen an: 

Vorwehen sind hingegen Wehen, die einige Tage vor der Geburt einsetzen und auch als "Latenzphase" bezeichnet werden. In dieser Phase wird das Köpfchen des Kindes noch etwas tiefer ins Becken geschoben und der Körper bereitet sich hormonell auf den Start der Geburt vor. "Dieser Prozess kann sich tatsächlich teilweise schon unangenehm bemerkbar machen – der Bauch wird deutlich hart und zieht nach unten. Auch kann es passieren, dass man den Druck im Kreuzbein und im Beckenboden bemerkt."

  • unangenehmer werdender Druck
  • der Babybauch wird deutlich hart und zieht nach unten
  • spürbarer Druck im Kreuzbein und im Beckenboden

Das solltet ihr in beiden Fällen tun:

  • Ruhe bewahren und entspannen.
  • Unsicher? Dann sprecht mit eurer Hebamme.
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Wie fühlen sich vorzeitige Wehen (Frühwehen) an?

"Vorzeitige Wehen fühlen sich sehr unterschiedlich an und werden von Frau zu Frau unterschiedlich stark wahrgenommen", so die Hebamme. "Es kann sein, dass einfach ein leichtes Ziehen in der Leiste, dem Kreuzbein oder im Beckenboden zu verspüren ist. Es kann aber auch sein, dass deutliche, unangenehme Krämpfe auftreten."

So fühlen sich vorzeitige Wehen an: 

  • kommende und gehende Kontraktionen im frühen Verlauf der Schwangerschaft
  • der Babybauch wird hart
  • spürbarer Druck nach unten (zieht bis in die Leisten und den Rücken)
  • Schmerzen können sehr intensiv sein

Das solltet ihr tun:

  • Aufsuchen eures Gynäkologen
  • Unterrichten der betreuenden Hebamme
  • Eventuell verordente Bettruhe einhalten

Maxine Lehmann rät: "Sobald sich die Frau unsicher fühlt, ob es sich um vorzeitige Wehen handelt, sollte sie mit ihrer Hebamme oder Gynäkolog*in darüber sprechen, sodass gemeinsam die Situation besser abgeschätzt werden kann." Denn bei vorzeitigen Wehen handelt es sich um echte Wehen, die den Gebärmutterhals verkürzen. Das Baby schiebt sich tiefer ins Becken und durch diese Wehen öffnet sich der Muttermund. Sie sind also durchaus muttermundwirksam und können zu einer Frühgeburt führen. Gegebenenfalls kann eine behandlungsbedürftige Infektion dahinterstecken. In einigen Fällen werden wehenhemmende Medikamente verordnet.

Wann muss ich los ins Krankenhaus?

Woher weiß ich denn nun, wann ich losfahren muss? Im Allgemeinen heißt es in vielen Kliniken: "Wenn die Wehen mindestens eine Minute andauern und in einem Abstand von 5 bis 10 Minuten auftreten, sollten Sie sich auf den Weg ins Krankenhaus machen." ABER: Den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, um an den Ort zu fahren, an dem die Frau gebären wird, ist schwer zu verallgemeinern. Leider. Es ist oft hilfreich, diese Frage kurz vor dem Entbindungstermin mit der Hebamme oder der Geburtsklinik zu besprechen. Denn je nachdem, wie die Schwangerschaft verlaufen ist oder das wievielte Kind geboren wird, variiert diese Antwort deutlich.

"Als grobe Richtline zur Orientierung dient das Atem- und Sprechverhalten: Wenn die Frau während einer Wehe noch gut sprechen und normal atmen kann, ist alles in Ordnung", weiß Lehmann. "Sollte sich daran etwas ändern, ist es langsam an der Zeit, sich auf den Weg zu machen. Natürlich ist es wichtig zu beachten, dass man sich, unabhängig davon, sofort auf den Weg macht, sollte die Gebärende sich unwohl fühlen oder wenn sonstige Ungereimtheiten auftreten."

Wie fühlen sich Senkwehen an?

Senkwehen sind Wehen, die circa ab der 36. Schwangerschaftswoche auftreten können. "Diese haben den Sinn, dass sich das Baby tiefer in das Becken hineindreht, um sich dort schon einmal etwas Platz zu verschaffen", erklärt Hebamme Maxine Lehmann. Die Senkwehen sind in der Regel phasenweise über einige Tage und/oder Nächte zu spüren. "In diesen Tagen kann es  sein, dass die Frau deutlich ihr Kreuzbein und die Schambeinfuge (Symphyse) bemerkt, da das Becken ggf. noch einmal etwas Platz für das Baby macht.“

So fühlen sich Senkwehen an: 

  • Etwas intensiver als Übungswehen (wie starke Menstruationsschmerzen)
  • Ziehen im Unterbauch
  • deutliches Festwerden der Gebärmutter
  • Mutter hat zum Teil das Gefühl, das Baby "stünde auf"

Das solltet ihr tun:

  • abwarten und durchhalten: Senkwehen werden schwächer und klingen ab
  • Hebamme bei Unsicherheiten kontaktieren
  • wieder genussvoller essen: Viele Bald-Mamas können nach dieser Phase wieder größere Portionen essen.
  • häufigere Toilettengänge bei Ausflügen bedenken: In seiner neuen Position drückt das Baby teilweise stärker auf die Blase.

Wie fühlen sich Eröffnungswehen (Geburtswehen) an?

Eröffnungswehen leiten die erste Phase der Geburt ein, die sogenannte Eröffnungsphase. Doch die Wahrnehmung ist auch bei dieser Wehenart sehr individuell. Von einem Ziehen im Unterleib und Rücken, bis hin zu einem unglaublich starken Krampfen der Gebärmutter: "Egal, in welche Kategorie die Wehen dann gehören: Die Aufgabe des Körpers in dieser Phase ist, dass sich der Muttermund öffnet und die Gebärmutter genug Kraft aufbauen kann, um mit der Gebärenden und dem Kind gemeinsam in die sogenannte Austreibungsphase zu gelangen", so die Expertin. Der Abstand (Intervall) der Eröffnungswehen werde laut der Hebamme immer kürzer im Laufe der Zeit und die Wehe an sich immer länger – bis der Körper den Rhythmus gefunden hat, in dem er gut zurechtkommt.

So können sich Eröffnungswehen anfühlen: 

  • erst unter der Brust spürbar, dann wandern sie nach unten in den Schoß
  • am Anfang kommen die Wehen circa alle zehn Minuten und halten knapp eine Minute an
  • sie verlaufen wellenartig: Die Schmerzen fallen anfangs nur leicht aus, kommen zum Höhepunkt und fallen dann wieder ab
  • Ziehen im Rückenbereich
  • im Laufe der Zeit verkürzen sich die Abstände
  • Springen der Fruchtblase und Abfluss des Fruchtwassers möglich

Das solltet ihr tun:

Gut zu wissen: Je länger diese Geburtsphase in angenehmer Atmosphäre (zu Hause) stattfindet, desto mehr hilfreiche Hormone und Endorphine produziert der Körper der Frau. Das heißt (wie so häufig, wenn es ums Thema Wehen geht): Ruhe bewahren. Kommt erst in die Klinik, wenn der Muttermund bereits einige Zentimeter geöffnet ist. So fällt eure Motivation, die Geburt weiter aus eigener Kraft zu bestreiten, höher aus. Das kann auch bedeuten, dass ihr weniger Schmerzmittel für die Geburt einfordern müsst …

Wie fühlen sich Austreibungswehen an?

Wenn die Eröffnungswehen in die Austreibungswehen übergehen, stellt sich das Gefühl ein, dass die Gebärmutter und das Baby nach unten ziehen, schieben und drücken. Das Gefühl der Erschöpfung wechselt dann auf einmal in ein Gefühl der Kraft und Stärke – der Körper bemerkt, dass es in die Endphase geht und mobilisiert noch einmal alle Kräfte. "Das als Hebamme von außen beobachten zu dürfen, ist ein unglaublicher Prozess, der immer wieder erstaunt!", sagt Maxine Lehmann. Die Bauchmuskulatur der Gebärenden ist angespannt, ohne es zunächst aktiv zu initiieren.

Die Kraft der Bauchmuskulatur versucht, das Baby zu gebären. Unterstützend kommt hinzu, dass die meisten Babys sich in dieser Phase mit ihren Füßchen an der Gebärmutter abstützen und sich aktiv mit nach unten schieben. "Wenn dieses Gefühl wahrgenommen wird, dann kann die Frau aktiv mit der ganzen Kraft der Bauchmuskulatur mithelfen, um das Baby zu gebären." Übrigens: Presswehen gibt es so in der Terminologie nicht mehr. Sie sind dieselben wie Austreibungswehen.

So fühlen sich Austreibungswehen an:

  • zählen zu den intensivsten Wehen
  • starker Druck nach unten
  • intensives Dehnungsgefühl

Das solltet ihr jetzt tun:

  • Befolgt die Anweisungen eurer Hebamme oder eures Arztes
  • weiterhin aktiv bleiben
  • auf die Kraft des eigenen Körpers vertrauen

Wie fühlen sich Nachgeburtswehen an?

Unmittelbar nach der Geburt setzen die Nachgeburtswehen ein. Ein wichtiger Prozess. Expertin Maxine Lehmann ordnet ein: "Nachgeburtswehen treten einige Minuten nach der Geburt des Kindes auf. Es ist noch mal ein leichtes Kontrahieren der Gebärmutter, um die Plazenta gebären zu können." Sie gibt Entwarnung: Nachwehen seien in der Regel nicht mehr so intensiv wie die Geburtswehen, aber doch noch deutlich wahrzunehmen. Erstgebärende Frauen nehmen diese Wehen meist gar nicht mehr richtig wahr, da sie oft viel zu überwältigt von den Geschehnissen der letzten Stunden sind.

So fühlen sich Nachgeburtswehen an: 

  • nicht so intensiv wie die eigentlichen Geburtswehen (ähnlich wie Menstruationsschmerzen)
  • Phase dauert circa 30 Minuten

Das solltet ihr tun: 

  • ein letztes Mal auf die Zurufe der Hebamme oder des Arztes hören und mitarbeiten
  • … und dann: euer Baby kuscheln!

Wie fühlen sich Nachwehen an?

Im Wochenbett kommt es dann noch mal zu den sogenannten Nachwehen – häufig beim Stillen. Sie machen sich ein bis zwei Tage nach der Geburt als leichtes Ziehen bemerkbar. "Die Gebärmutter möchte so schnell wie möglich wieder in ihre ursprüngliche Form zurückgelangen, um die Intensität der Wochenflussblutung möglichst zu minimieren", erklärt Maxine Lehmann.

So fühlen sich Nachwehen an: 

  • leichtes Ziehen im Unterleib
  • Mütter, die schon eine oder mehrere Geburten hinter sich haben, nehmen dieses Ziehen mitunter etwas intensiver wahr.

Das könnt ihr tun:

  • Wärmeanwendungen helfen (z. B. durch eine angenehm temperierte Wärmflasche oder ein Körnerkissen)
  • vor dem Stillen noch mal auf die Toilette gehen: So kann die volle Blase nicht das Zusammenziehen der Gebärmutter verhindern.
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Unsere Expertin

Maxine Lehmann, freiberufliche Hebamme seit 2013 mit eigener Praxis und Mama eines dreijährigen Sohnes. Auf Kinderheldin.de bietet sie verschiedene Online-Kurse an und berät Familien in der täglichen Hebammensprechstunde.

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