Schmerzen im Becken

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft: Was ihr tun könnt

Viele Schwangere erleben das: ein Ziehen im Becken, das wiederholt auftritt. Das ist normal. Wie ihr erkennt, ob es sich um Symphysenschmerzen handelt und was ihr dann tun könnt, lest ihr hier.

Symphysenschmerzen können unangenehm in andere Körperbereiche strahlen, sind aber meist ungefährlich.
© Foto: Getty Images/Lars Zahner-EyeEm
Symphysenschmerzen können unangenehm in andere Körperbereiche strahlen, sind aber meist ungefährlich.

Aufgrund der Hormone in Vorbereitung auf die Geburt wird das Gewebe im weiblichen Körper elastischer, aber auch Gelenke werden dehnbarer. Daher kann es in einer Schwangerschaft unter Umständen zu einer schmerzhaften Symphysenlockerung kommen.

Was ist eine Symphysenlockerung?

Als Symphyse wird die Schambeinfuge bezeichnet. Das Schambein ist kein wirkliches Gelenk – linkes und rechtes Schambein werden über eine Art Bandscheibe zusammengehalten. Der Beckenring ist dadurch eingeschränkt beweglich. Von einer Symphysenlockerung spricht man, wenn viel mehr Bewegungsspiel möglich ist als zuvor. Das kann mitunter schmerzhaft sein.

Wie fühlen sich Symphysenschmerzen an und wo spürt man sie?

Diese Schmerzen in der Schwangerschaft spürt ihr möglicherweise

  • im Bereich des Schambeins,
  • der Leisten und Oberschenkel,
  • der Hüfte,
  • aber auch im unteren Rücken.

All diese Schmerzen können auf eine Symphysenlockerung hinweisen. In der Regel verstärken sich Symphysenschmerzen

  • beim Gehen,
  • Treppensteigen,
  • Heben,
  • Bücken
  • und beim Anziehen oder Spreizen der Beine, beispielsweise im Schneidersitz,
  • aber auch auf einem Bein stehend
  • oder im Liegen.

Oftmals handelt es sich um einen stechenden Schmerz, der vom Schambereich in die Hüften und Oberschenkel oder zum After hin ausstrahlen kann.

Ist eine Symphysenlockerung gefährlich?

Schon mal beruhigend: Eine Symphysenlockerung ist in der Regel weder für das ungeborene Baby noch für die werdende Mama gefährlich. Grundsätzlich solltet ihr aber mit eurer Frauenärztin oder Hebamme sprechen, wenn ihr in der Schwangerschaft starke Schmerzen habt. Sie können das einordnen und haben die richtigen Tipps. Sehr selten kann es gegen Ende der Schwangerschaft oder unter der Geburt zu einer sogenannten Smyphysensprengung kommen, bei der die Symphyse reißt. Das muss dann operativ behandelt werden.

Wie es zu einer Symphysenlockerung kommen kann – Risikofaktoren

Bisher ist nicht erwiesen, ob eine Überlastung zu einer Symphysenlockerung beitragen kann. Einige Risikofaktoren sind Hüftverletzungen und Gelenkentzündungen aufgrund von Arthritis sowie schon vor der Schwangerschaft bestehende Rückenbeschwerden.

Wie stellt man eine Symphysenlockerung fest?

Frauenarzt oder Hebamme können eine Symphysenlockerung aufgrund der oben beschriebenen Symptome durch eine Tastuntersuchung bestätigen. Ultraschall und Röntgen sollten zum Schutz des Kindes lieber nicht gemacht werden. Oft erkennt man eine Symphysenlockerung auch an dem typischen "Watschelgang" bei Schwangeren, der aber auch andere Ursachen haben kann.

Was ihr bei einer Symphysenlockerung tun könnt

  • Vermeidet Positionen, die euch Schmerzen bereiten. Wenn ihr beim Stehen auf einem Bein Schmerzen habt, setzt euch einfach hin, um Strümpfe und Schuhe anzuziehen. Im Liegen helfen oft Kissen, die euch abstützen, um euer Becken in eine gute Lage zu bringen.
  • Bauchgurte* oder Stützgürtel halten die Symphyse stabil und beugen so den Schmerzen vor.
  • Eine Becken- oder Bauchbandage, die der Gynäkologe verschreibt, kann bei schlimmeren Schmerzen helfen.
  • Wenn ihr gar nicht mehr weiter wisst, könnt ihr mit eurem Frauenarzt über Schmerzmittel sprechen.
  • Eure Hebamme hat sicher auch Tipps zu alternativen Therapien, wie beispielsweise Osteopathie oder Akupunktur.
  • Beckenbodenübungen können ebenfalls für Erleichterung sorgen, wenn ihr sie regelmäßig durchführt.

Fitnesstrainerin Birte Glang zeigt euch hier eine hilfreiche Übung gegen Symphysenlockerungen

Alle hier beschriebenen Variationen sind bis zum Ende der Schwangerschaft möglich.

1.

© Foto: Moveitmama

Ausgangsposition: Vierfüßlerstand

2.

© Foto: Moveitmama

Jetzt beide Knie gleichzeitig vom Boden heben und wieder absetzen.

3.

© Foto: Moveitmama

Challenge: Beine im Wechsel waagerecht nach hinten wegstrecken.

Wenn ihr das Gefühl habt, es ist zu viel Druck auf dem Bauch – das erkennt ihr daran, dass sich der Bauch seltsam aufwölbt bzw. zuspitzt (Achtung: Gefahr der postnatalen Rektusdiastase), dann lasst die Füße am Boden und bringt sie nur wechselseitig hoch (siehe nächstes Bild).

4.

Weitere Challenge: Beine wechselseitig anziehen.

In diesem Video zeigt euch Birte Glang noch weitere Übungen, die bei einer Symphysenlockerung helfen:

Jede Übung 30 bis 45 Sekunden ausführen, gerne drei Durchgänge. Macht die Übungen am besten direkt hintereinander. Nach einer Runde gönnt euch ca. 30 bis 60 Sekunden Pause, wenn ihr ganz fit seid, könnt ihr auch direkt mit der zweiten Runde weitermachen. Dann wird daraus sogar eine kleine Cardio-Einheit.

Geburt mit Symphysenlockerung – wie geht das?

In der Regel könnt ihr auch mit einer Symphysenlockerung spontan gebären. Eine Wassergeburt oder eine Geburt im Vierfüßlerstand versprechen dabei, am angenehmsten zu sein. Auch ein Kaiserschnitt ist natürlich eine Möglichkeit, in der Regel aber keineswegs notwendig.

Symphysenschmerzen nach der Geburt

Normalerweise verschwinden Symphysenschmerzen nach der Geburt von alleine wieder, da der Druck auf die Schambeinfuge nachlässt. Das kann ein paar Tage bis mehrere Monate dauern. Natürlich solltet ihr euch im Wochenbett vor allem schonen. Doch auch die Rückbildung(sgymnastik) spielt hier eine wichtige Rolle. Sind die Symphysenschmerzen nach längerer Zeit noch immer unangenehm, könnt ihr euch vom Arzt Physiotherapie oder Krankengymnastik verschreiben lassen.

Wird die Schambeinfuge durch eine vaginale Geburt bei einer Symphysenlockerung stark vergrößert, spricht man von einer Symphysendehnung. Auch sie verschwindet mithilfe von Schonung, Physiotherapie und Stützgürtel spätestens wenige Monate nach der Geburt.

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