Gut informiert

Ist CBD-Öl in der Schwangerschaft erlaubt?

CBD-Öl aus der Hanfpflanze wird in der Medizin vielfach verwendet. Aber ist es auch okay, es während der Schwangerschaft einzusetzen? Und was ist mit Hanföl? Eine Hebamme gibt Antworten. 

CBD in der Schwangerschaft© iStock/OlegMalyshev
CBD in der Schwangerschaft – eine gute Idee oder nicht?

Janis Schedlich arbeitet als selbstständige Hebamme in Berlin und ist zudem Expertin und Hebamme bei Storchgeflüster (Deutschlands größtem Anbieter für Online-Kurse rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt). Mit ihrer Hilfe haben wir die wichtigsten Infos für euch zusammengestellt, was CBD- (Cannabidiol) und Hanföl in der Schwangerschaft betrifft. 

Wofür wird CBD-Öl verwendet?

In der Medizin setzt man CBD bei Schmerzen, Entzündungen, Schlafbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Immunreaktionen, Stress, Angst und Panik, Depressionen und weiteren Beschwerden ein. Im Rahmen von klinischen Studien verwendet man CBD für einen Marihuana-Entzug oder sogar zur Nikotin-Entwöhnung, um auf schonende Weise von der Sucht wegzukommen. Allerdings sind die Studien dazu derzeit noch nicht abgeschlossen.

Fachwissen: Was ist CBD-Öl eigentlich genau?

Hanf und Cannabis stammen von der gleichen Mutterpflanze ab – der Cannabis Sativa L. Das kann verwirren, weil die Nutzung eine komplett andere ist. Bringen wir ein bisschen Licht ins Dunkel:

Bei der Hanfpflanze unterschiedet man zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen. Es ist entscheidend, welche Pflanze und welche Teile der Pflanze verarbeitet wird. Davon hängt ab, ob das Produkt eine psychoaktive Wirkung hat.

Die weiblichen Pflanzen können ein klebriges Harz absondern, welches THC (Tetrahydrocannabinol) enthält. THC ist bewusstseinsverändernd und somit ein Rauschmittel, auch bekannt als Marihuana, Weed, Gras, Ott, Dope oder Mary Jane. 

CBD (Cannabidiol) ist der zweite Stoff, der aus der Hanfpflanze gewonnen wird. Er ist frei verkäuflich, wenn das entsprechende Produkt nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthält. CBD-Öl wird aus den Blüten, Blättern und Stängeln der Cannabispflanze gewonnen. CBD wirkt nicht berauschend, da es im Körper anders verarbeitet wird.

Laut WHO ist CBD-Öl nicht gesundheitsschädigend und für den Verzehr geeignet. Allerdings sind die Angaben ziemlich allgemein gehalten und gelten nicht für alle Personen gleichermaßen.

Welche Nebenwirkungen kann CBD-Öl haben?

Vor allem bei unsachgemäßer Dosierung können unter anderem Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Senkung des Blutdrucks, Erhöhung des Augeninnendrucks, Benommenheit, Appetitlosigkeit, trockener Mund und Durchfall auftreten. 

CBD in der Schwangerschaft – eine gute Idee?

Einige Frauen leiden in der Schwangerschaft sehr stark unter Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Schlafstörungen. Viele (werdende) Mütter empfinden Angst, Stress und Depressionen. Nach der Geburt können die meisten Mamis ein Lied davon singen, sich müde und vielleicht auch überfordert zu fühlen. 

Das CBD-Öl klingt aufgrund seiner Eigenschaften wie eine perfekte Lösung für betroffene Schwangere. Viele Frauen möchten in der Schwangerschaft auf natürliche und schonende Verfahren mit weniger Risiken setzen, statt auf chemische Arzneimittel. Doch Vorsicht, warnt Hebamme Janis Schedlich:

Jeder Stoff, den eine Mutter einnimmt, gelangt auch in den Blutkreislauf des Kindes!

Aus ethischen Gründen kann CBD in der Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern nicht getestet werden. Die Forschungen fanden ausschließlich im Labor statt. Forscher vermuten allerdings, dass sich CBD negativ auf das Wachstum des Embryos und der Plazenta auswirkt, die Gehirnentwicklung des Fötus beeinträchtigt und sich synthetisch hergestelltes CBD negativ auf die Wehenbildung auswirken kann.

Auch für die Stillzeit sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch sehr unklar. Da CBD fettlöslich ist, ist es fast unmöglich, den Gehalt in der Muttermilch zu messen. Es liegen also keine konkreten Ergebnisse vor, und es gibt nicht genügend Daten zur Wirkung von CBD. Daher lautet das klare Fazit von Janis Schedlich:

Ich rate von der Einnahme von CBD in Schwangerschaft und Stillzeit ab!

Wie sieht das mit Hanföl in der Schwangerschaft aus?

Für die Unterscheidung zwischen CBD- und Hanföl hat Janis Schedlich weitere interessante Informationen: Hanf zählt weltweit zu den ältesten Nutzpflanzen und wird schon seit über 10.000 Jahren kultiviert und als Rohstoff für die Produktion von Textilien und Papier genutzt. Hanf kann auch als Nahrungsmittel verwendet werden. Es wird als Superfood angeboten oder zu Speiseöl gepresst. 

Hanfsamenöl gewinnt man aus den Samen der Pflanze, in denen keine Cannabinoide (z. B. THC und CBD) enthalten sind. Es ist reich an den essenziellen Fettsäuren Omega-6 und Omega-3 und enthält viel Vitamin C und E. Das kalt gepresste und nussig schmeckende Öl wird häufig zum Verfeinern von Salaten, Reis, Nudeln oder Gemüse verkauft. 

Seine lebenswichtigen Fettsäuren beugen Entzündungskrankheiten und Herzproblemen vor. In kosmetischen Produkten oder auch für eine (Schwangeren-)Massage benutzt man es gerne, weil es die Poren nicht verstopft und keine Ausschläge verursacht.

Ganze Hanfsamen sind eine hervorragende Quelle für pflanzliches, bioverfügbares Protein und enthalten essenzielle Aminosäuren und Vitamine.

Hanfsamenöl und Hanfsamen können in der Schwangerschaft bedenkenlos konsumiert werden

sagt die Hebamme. "Bei Beschwerden ist es immer günstiger, die Hebamme und die Frauenärztin/den Frauenarzt zu kontaktieren und um Rat zu fragen, als im Internet nach Hilfe zu suchen. Das macht einen eh nur ganz verrückt", rät Janis Schedlich abschließend.

Lade weitere Inhalte ...