Interview zum Thema Babytragen

"Ich empfehle ganz klar eine professionelle Trageberatung"

Es ist praktisch, stärkt die Eltern-Kind-Bindung und fördert die Entwicklung des Kindes: Babys in Tragetuch oder Tragehilfe entspannen Groß und Klein. Warum das so ist, wie das geht und worauf zu achten ist, lest ihr hier im Interview mit Frauke Ludwig.

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Unsere Expertin:

Frauke Ludwig ist Autorin, Coach, Beraterin und Leiterin der Trageschule Hamburg, trageschule-hamburg.de.

Frau Ludwig, warum lieben Babys es, getragen zu werden?

"Sie lieben es, weil es das Natürlichste für sie ist. Es bedeutet Nähe, Wärme, Milch in der Nähe und vor allem Sicherheit. Ein Baby versteht es nicht, allein zu sein. Babys sehen in den ersten drei Monaten nicht einmal, wer den Kinderwagen schiebt und verstehen erst nach etwa neun Monaten, dass wir Eltern weiter existieren, wenn wir den Raum verlassen."

Inwiefern profitieren Groß und Klein vom Tragen? 

"Studien zeigen, dass getragene Babys bis zu 50 Prozent weniger weinen und, wenn sie tagsüber immer mal wieder in der Tragehilfe ein Nickerchen machen, nachts ruhiger und bis zu einer Stunde länger schlafen. Für die Großen ist es praktisch: Der Alltag mit freien Händen und einem zufriedenen Baby ist ein völlig anderer." 

Mama oder Papa: Wer übernimmt die tragende Rolle?

"Im besten Falle beide, denn es ist wirklich wundervoll – auch für Oma oder Opa. Wenn Papa auch trägt, kann das für das ganze Familiensystem entlastend sein. Wir sagen gerne, dass das Tragen das Stillen der Väter ist, da die Babys sich dabei fast so gut wie bei warmer Milch beruhigen. Und Mama kann sich in der Zeit kurz erholen, in Ruhe duschen oder frühstücken."

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Wann ist die richtige Zeit und was der beste Ort, das Baby zu tragen?

"Man kann sein Baby jederzeit überall tragen, solange wir und das Baby es mögen. Besonders praktisch ist es auf Bahn- oder Flugreisen, Spaziergängen, in den Bergen, auf Floh- oder Weihnachtsmärkten. Überall, wo wenig Platz ist und ein Kinderwagen stören würde."

Warum ist es so wichtig, richtig tragen zu lernen?

"Weil wenige Zentimeter in den Einstellungsmöglichkeiten darüber entscheiden, ob wir unser Baby unbequem schleppen oder komfortabel tragen. Ich möchte bei Eltern, die ich sehe, oft am liebsten ein paar Kleinigkeiten verstellen, weil ich weiß, wie anders sich das anfühlen kann."

Welche Hilfsmittel beim Tragen empfehlen Sie? 

"In den wenigsten Fällen benötigen wir Hilfsmittel, außer Schnürsenkel, die wir bei zu großen Tragehilfen benutzen, um sie im Stegbereich zu verkleinern. Zudem gibt es kleine 'Rückspiegel', mit denen wir beim Baby auf dem Rücken prüfen, ob die Mütze noch richtig sitzt."

Für Einsteiger: Wie benutze ich ein Tragetuch?

"Ich empfehle ganz klar eine professionelle Trageberatung. Hier gibt es einige Kleinigkeiten, Tricks und Kniffe, die einem extrem helfen, sein Baby bequem und sicher zu tragen. Viele Berater bieten auch Online-Beratungen an."

Wie werden frischgebackene Eltern zu Trageprofis?

"Learning by doing. Das ist so wie das Binden von Schnürsenkeln. Je öfter wir unser Baby tragen, desto einfacher wird es. Und je sicherer wir werden, desto beruhigender wirkt das wiederum auf das Baby."

Was kann eine professionelle Trageberatung ausmachen?

"Quasi alles! Selbst als Naturtalent bin ich die ersten Male unsicher. Über meine Körperspannung merkt das Baby das sofort und quittiert es oft mit Weinen. Diese Verunsicherung kann sich auch auf das Gemüt des Babys auswirken. Es ist unbezahlbar, wenn eine Expertin mir sagt, wie normal das ist, und Tipps gibt, wie sich das Baby beruhigt."

Was geben Sie jungen Eltern mit auf den Weg?

"Sich von anderen mit veralteten Erziehungsmustern nicht verunsichern zu lassen. Wir verwöhnen unsere Kinder nicht, wenn wir immer für sie da sind. Wir bauen ihnen eine sichere Basis für einen guten Start ins Leben. Zu Hause darf das Leben ruhig ein Ponyhof sein. Mit viel Nähe, Bindung, Körperkontakt und Liebe für die ganze Familie!"

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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