Ungünstige Einschlafhilfe

Mein Kind schläft nur mit Hand ein und es raubt mir JEDEN Nerv!

Babys und Kleinkinder tun sich immer mal wieder schwer damit, in den Schlaf zu finden. Das ist ganz normal. Und von Phase zu Phase unterschiedlich. Einige Kinder gewöhnen sich allerdings ungünstige Einschlafrituale an. Dazu gehört auch das Händchenhalten mit Mama oder Papa. Klingt kuschlig? Ist es auch. Aber oft auch kontraproduktiv.

Ungünstige Einschlafhilfe: Manche Babys und Kinder können nur noch mit der Hand einschlafen.
© Foto: iStock/IvanJekic
Ungünstige Einschlafhilfe: Manche Babys und Kinder können nur noch mit der Hand einschlafen.

Mein Sohn braucht mit zwei Jahren noch häufig meine Hand zum Einschlafen. Schon seit er ein Baby war, greift er nach ihr, sobald er sich in sein Bett fallen lässt. Doch mit einem simplen Händchenhalten ist es meist nicht getan. Häufig fummelt und nestelt er beim Einschlafprozess so sehr an meinen Fingern, dass es ihn eher vom Einschlafen abhält. Ihn wach hält. Wir haben mit der Schlafcoachin und Schlafberaterin für Babys und Kleinkinder Sylvia Abendthum darüber gesprochen. Denn das "Problem" ist keine Seltenheit. Das habe ich mittlerweile auch mehrfach in meinem Bekannten- und Freundeskreis gehört ... 

Unangenehme Schlafrituale können auch schmerzhaft werden

Es gibt eine Reihe von Schlafsignalen, die das Kind quasi selbst einführen kann und die anfangs von den Eltern so hingenommen werden. Oder geduldet. Denn sie helfen dem Kind dabei, zur Ruhe zu kommen. Doch diese Rituale können sich auch mit der Zeit noch steigern. So sehr, dass sie unangenehm oder schmerzhaft für die Eltern werden können. Dazu gehört auch das Händchenhalten. Denn das simple Halten der elterlichen Hand kann sich weiterentwickeln. Erst wird nur gehalten, dann getätschelt, dann an den Fingernägeln gepult und später vielleicht sogar mit den eigenen Fingernägeln ins Nagelbett gepikst. Aua! Ich spreche da aus Erfahrung. Und Nagellack? Der wird mir in der Regel sofort am ersten Abend wieder abgepult.

Was bedeutet es, wenn mein Kind immer meine Hand zum Festhalten benötigt, wenn es ins Bett geht?

Wenn dein Kind beim Einschlafen deine Hand zum Festhalten benötigt, ist es genau das, was es mit dem assoziiert: Es hat über den Schlaf gelernt, dass es nur mit genau diesem Körperkontakt in den Schlaf finden kann. Was grundsätzlich keine schlechte Schlafgewohnheit ist, wenn sie den Nachtschlaf nicht allzu sehr beeinflusst und alle Bedürfnisse der Familie gesehen werden. Ist dies jedoch der Fall, so kann dies sehr belastend für die Familienmitglieder sein.


     

Wie kann ich meinem Kind das Händchenhalten beim Einschlafen abgewöhnen?

Werde dir bewusst, weshalb du das Händchen halten abgewöhnen möchtest und gehe dann deinen Weg. Versuche in kleinen Schritten, dein Kind daran zu gewöhnen, auch ohne deine Hand einschlafen zu können. Da es deinem Kind im ersten Schritt vielleicht schwerfallen könnte, kann eine alternative, weniger starke Einschlafhilfe deinem Kind helfen, sich davon zu lösen.


     

Gibt es einen guten Zeitpunkt, um das Händchenhalten abzugewöhnen? Zum Beispiel zum Kita-Start?

Wenn ich ganz ehrlich sein darf: Dann vor der Autonomiephase, das heißt vor dem 20. Lebensmonat, noch besser sogar bis zum ersten Geburtstag. Dies jedoch auch nur dann, wenn sich die Familie dies wünscht. Hintergrund ist der, dass ältere Kinder in der Regel größere Schwierigkeiten haben, sich von Schlafassoziationen (Einschlafhilfen) zu lösen.


     

Was sind ähnliche kontraproduktive Einschlafrituale?

Die wohl stärksten Schlafassoziationen und somit diejenigen, die die Nächte stark beeinflussen können, sind ...

  • das Einschlafstillen
  • das Wiegen
  • in den Schlaf tragen 
  • das Händchenhalten

ist etwas sehr Emotionales, weshalb hier besonders auch die Mama dafür bereit sein sollte, die Stillmahlzeit zeitlich vom Einschlafen zu trennen. Die Mahlzeit ist in dem Sinne nicht weg, sondern wird vorgezogen. Wichtig ist immer, dass jede Familie für sich ihren Weg findet. Solange eine Schlafsituation für alle Familienmitglieder passt, gibt es keinen Grund, diese anzugehen. Sollte sie jedoch belastend sein, gibt es sanfte Wege, die Schlafsituation im Tempo der Familie zu verändern.

Mit Hand und ohne Hand – beides schwierig: Was tun?

Was hilft, wenn das Kind die ganze Zeit (beim Einschlafen) an der Hand der Eltern herumfummelt und sich dadurch wach hält? Sich aber dennoch beschwert, wenn die Hand nicht gegeben wird? Nun, hier kann es tatsächlich sein, dass das Kind noch nicht müde genug ist und deshalb so lange braucht, um in den Schlaf zu finden. Natürlich ist es auch möglich, dass wir Eltern die Ablenkung sind. Auch, wenn der Zeitpunkt stimmt. Es liegt nicht am Schlafenszeitpunkt und wird nicht besser, wenn man es schrittweise später versucht? Dann kann es eine Überlegung sein, ob man schrittweise eine andere Begleitung angeht, bei der dies nicht mehr der Fall ist. Oder man wählt tatsächlich den Weg, seinem zu zeigen, wie es auch ohne Hilfe in den Schlaf finden kann. Hier ist jedoch wichtig, dass man jederzeit das Vertrauen und die Sicherheit gibt, die das Kind braucht.

Genau diesen Weg inkl. Tipps, wie man das Händchen halten angehen kann, erklärt die Expertin in ihrem Selbstlernkurs. "Eltern plagt nicht nur das Händchen halten, sondern auch das Haareziehen, Brustzwicken/-nesteln oder Knibbeln. Manche Eltern finden das In-den-Schlaf-Wiegen nach der Zeit sehr anstrengend und wünschen sich, dass das Kind im Bett einschlafen kann. Auch nächtliche Schlafgewohnheiten wie Dauernuckeln oder häufiges Füttern mit der Flasche, genauso wie volle Windeln, weil Unmengen an Milch oder Wasser über Nacht getrunken werden, in einem Alter, in dem es nur noch Gewohnheit ist. All das kann mit dem Selbstlernkurs liebevoll im Tempo der Eltern angegangen werden." (Details unter: wirschlafen.de)

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