"Tummy Time"

Bauchlage beim Baby: Besser als ihr Ruf!

Aus Angst vor dem plötzlichen Kindstod lassen viele Eltern ihr Baby kaum noch auf dem Bauch liegen. Das kann weitreichende Folgen haben, warnt Hebamme Franziska Luck.

Nahezu jede Mama und jeder Papa weiß, wie ein Baby im ersten Lebensjahr zu schlafen hat: auf dem Rücken. Denn Studien haben gezeigt, dass dies einer der wichtigsten Aspekte ist, wenn es um die Vermeidung des plötzlichen Kindstods (auch SIDS = "Sudden Infant Death Syndrome") geht. In der Bauchlage ist die Atmung deutlich flacher und setzt schneller aus. Daher ist das Risiko für den plötzlichen Kindstod in dieser Position etwa um das Neunfache erhöht. Bereits seit den 90erJahren weisen Kinderärzte auf die Risiken der Bauchlage im Schlaf hin. Mit großem Erfolg, denn die Zahlen der verstorbenen Kinder durch SIDS sind massiv gesunken: In Deutschland gibt es nicht einmal mehr 140 Fälle pro Jahr. Und dennoch ist die Angst geblieben, das Thema allgegenwärtig bei frischgebackenen Eltern.

"Tummy Time" ist wichtig

Doch leider hat die Sorge um die Bauchlage auch dazu geführt, dass Eltern nun Angst haben, ihr Baby überhaupt auf den Bauch zu legen. Dabei ist das sehr wichtig, wenn es um die Entwicklung der Kopfkontrolle geht. Denn diese kann ein Baby nur dann erlangen, wenn es auf dem Bauch liegt, um seine Nackenmuskulatur zu trainieren. Diesen ersten großen Meilenstein des Kopfhaltens erreichen die meisten Kinder im zweiten bis dritten Lebensmonat. Mit der sogenannten "Tummy Time" (also Zeit in der Bauchlage) können Babys schon mit wenigen Wochen oder sogar Tagen beginnen. Sobald das Baby wach, zufrieden und unter Beobachtung ist, sollten die Eltern es regelmäßig auf den Bauch legen. Da diese Position anders und spannend ist, wird das Baby versuchen, seinen Kopf zu heben und somit die Nackenmuskulatur aufbauen und stärken.

Vorsichtsmaßnahmen sind altersabhängig

Im Alter von etwa sechs Monaten können sich die meisten Babys selbstständig in die Bauchlage bringen. Eltern müssen dann aber nachts nicht aufstehen, um das Baby wieder auf den Rücken zu legen. Wenn ein Baby in der Lage ist, sich alleine zu drehen, wird es auch seinen Kopf in Bauchlage in einer sicheren Position ablegen. Abgesehen davon ist das Risiko für den plötzlichen Kindstod in diesem Alter nur noch gering. Absurderweise gibt es inzwischen eine Art Halterung zu kaufen, damit die Babys sich gar nicht erst auf den Bauch drehen können. Die Baby-Industrie setzt damit auf die Ängste der Eltern und verdient auch noch daran. Dabei sind solche Halterungen absolut unnötig: Ein Baby sollte frei von irgendwelchen Gegenständen alleine im eigenen Bett im Elternschlafzimmer schlafen. Dies sind die SIDS-Richtlinien für einen sicheren Babyschlaf.

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Ständige Rückenlage beeinträchtigt die Entwicklung

Die ausschließliche Positionierung auf dem Rücken kann auch dazu führen, dass das Baby einen sehr flachen Hinterkopf bekommt. Hierbei geht es nicht nur um optische Aspekte, sondern auch um eine erhebliche Beeinträchtigung in der Entwicklung der Kinder. Diese kann dazu führen, dass das Kind Physiotherapie braucht oder sogar das Tragen eines Helmes notwendig wird. Der sorgt dann dafür, dass der Kopf wieder die korrekte Form annimmt. Ein solcher Helm muss meist über Monate getragen werden. Die Physiotherapie ist zusätzlich notwendig, damit das Kind die fehlende Muskulatur aufbaut. Das Kopfhalten ist ein wesentlicher Entwicklungsschritt im Hinblick auf die folgenden Meilensteine im ersten Lebensjahr, wie Umdrehen, Krabbeln, Hinsetzten und auch Laufen.

Ist die Bauchlage gefährlich?

Ganz klar: Ja, die Bauchlage kann gefährlich sein. Und die Rückenlage ist zweifelsfrei die richtige und sicherste Position für den Schlaf eines Babys. Aber noch einmal zusammenfassend: Die Bauchlage ist eine ebenso wichtige Position, wenn es um die Entwicklung des Babys geht! Sie hat ihren schlechten Ruf aufgrund des plötzlichen Kindstods. Das ist absolut gerechtfertigt, da sie hier den größten Risikofaktor darstellt. Dennoch ist "Tummy Time" unverzichtbar. Es geht also lediglich um den Zeitpunkt, wann ein Baby auf dem Bauch liegt. Am besten bringt ihr euer Baby im wachen Zustand am Tag immer wieder in Bauchlage, aber beherzigt die Empfehlung, nachts immer die Rückenlage zu wählen. Dann seid ihr auf der sicheren Seite.

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Unsere Autorin

Franziska Luck

Unsere Autorin ist seit 2009 ausgebildete Hebamme. Sie arbeitet in der Metropolregion Hamburg und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern südlich der Elbe.

Aufgrund ihres Fachwissens und ihrer langjährigen Erfahrung als Hebamme schreibt sie für leben-und-erziehen.de vor allem Artikel rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Baby.

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