Fieber senken oder abwarten

Das Fieber geht nicht runter – jetzt Medikamente geben oder nicht?

"Mein Kind hat gerade 41,3 Grad Fieber – wir senken nicht, sondern warten ab." Sätze dieser Art liest man zurzeit ständig in den Sozialen Medien. Doch ist dieser Trend fatal oder genau richtig? Wir haben mit einem Kinderarzt gesprochen.

Bei kleinen Kindern schnellt die Temperatur deutlich öfter in die Höhe als bei Erwachsenen. Viele Eltern sind dann unsicher, was sie tun sollen, wenn das Fieber nicht runter geht. Ein ratsuchender Blick in die sozialen Netzwerke kann die Sache noch schlimmer machen, denn hier werden oft auch grenzwertige Meinungen mit viel Nachdruck vertreten. Aber was ist nun richtig?

Viele Eltern tauschen sich über Probleme und Fragen zu kranken Kindern bei Instagram & Co. aus. Das ist einerseits eine tolle Sache, weil sie dort von der Erfahrung und Unterstützung anderer profitieren können. Doch es kann auch verdammt verunsichernd sein – wenn zum Beispiel die Frage diskutiert wird, wie man mit Fieber bei Babys und Kleinkindern umgehen soll. Denn hier scheint es teilweise einen regelrechten Wettbewerb zu geben, wer es am längsten ohne fiebersenkende Medikamente aushält. Doch ist der "natürliche" Weg wirklich immer der beste?

"Ich habe Probleme damit, wenn Weltanschauungen wichtiger werden als die Befindlichkeit des eigenen Kindes", meint dazu der Hamburger Kinder- und Jugendarzt Dr. Matthias Beckmann. "Eltern dürfen ihren Kindern fiebersenkende Mittel verabreichen, wenn diese durch das Fieber oder durch Schmerzen beeinträchtigt sind. Kinder werden nicht gesünder groß, wenn wir gänzlich auf diese Medikamente verzichten. Wir sollten keine Angst haben, sie einzusetzen." Es gäbe auch keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Ibuprofen einen negativen Effekt auf das Immunsystem hat.

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Wann sollte man fiebersenkende Medikamente geben?

Das heißt nicht, dass bei einem entspannten Sprössling mit 38,1 Grad sofort der Fiebersaft gezückt werden sollte. Denn Fieber im Rahmen eines Infektes ist eine natürliche Schutzreaktion des Körpers, die die Abwehr mobilisiert und Krankheitserreger bekämpft. Auch die Vorstellung, dass Fieber automatisch gefährlicher werde, je höher es ist, trifft laut dem Facharzt bei ansonsten gesunden Kindern nicht zu. Sein Resümee: "Fiebersenkende Medikamente sollten dann gegeben werden, wenn sich die Kleinen aufgrund des Fiebers unwohl fühlen, nicht schlafen, nicht trinken, nicht essen mögen. Dabei sollte man darauf achten, die empfohlene Tagesmenge für das entsprechende Alter und Gewicht nicht zu überschreiten."

Fieber geht nicht runter trotz Paracetamol oder Ibuprofen?

Auch nach der Gabe eines Fiebersaftes oder Zäpfchens normalisiert sich die Temperatur bei Infekten nicht immer vollständig. Doch in der Regel zeigen Babys und Kleinkinder auf andere Weise, dass es ihnen besser geht: "Aus meiner Sicht ist es mindestens genauso wichtig und meist beruhigend, wenn sich das Kind nach der Gabe des fiebersenkenden Mittels besser fühlt, besser aussieht, wieder trinkt, eventuell isst, weniger Gliederschmerzen hat oder sich im Schlaf erholen kann", so Dr. Beckmann.

Bei einem schlechten Allgemeinzustand, länger andauerndem Fieber und immer bei Neugeborenen sollte man frühzeitig einen Kinderarzt aufsuchen. Während der ersten vier Lebenswochen könne übrigens auch bei schweren Infektionen das Fieber ganz wegbleiben. "Dann sind eher Untertemperatur, eine graue Hautfarbe oder ein deutlich schlechteres Trinkverhalten Zeichen, die Anlass zur Sorge geben."

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Unser Experte

Kinder- und Jugendarzt Dr. Matthias Beckmann aus Hamburg

Welche Mittel helfen gegen Fieber?

  • In den ersten fünf Lebensmonaten ist Paracetamol der einzig zugelassene Wirkstoff. In Absprache mit dem Kinderarzt kann man ihn in Form von Zäpfchen geben, wenn das Fieber nicht runtergeht und das Baby nicht schlafen, essen und trinken möchte.
  • Ab dem sechsten Lebensmonat ist dann auch Ibuprofen etwa als Fiebersaft gut geeignet. Ibuprofen hat die größere therapeutische Breite, weshalb es weniger schnell zu Überdosierungen kommt.
  • Es ist ebenso möglich, Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel zu geben. Dabei darf man allerdings die empfohlene Gesamttagesdosis für den einzelnen Wirkstoff nicht überschreiten. Die Höchstmenge richtet sich nach Alter und Gewicht des Babys.
  • Keinesfalls sollten fiebernde Kinder Acetylsalicylsäure (ASS) bekommen, da dies in Zusammenhang mit dem sogenannten Reye-Syndrom gebracht wird. Dieses betrifft vor allem das Gehirn und die Leber und kann tödlich enden.
  • Neben Medikamenten können Maßnahmen wie Wadenwickel (außer bei Schüttelfrost), feucht-lauwarme Lappen auf der Stirn und Bettruhe hilfreich sein.

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Fieber beim Baby oder Kleinkind: Wann zum Arzt?

  • Bei einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes sollte man zügig den Kinderarzt aufsuchen. Das Gleiche gilt, wenn auch nach Gabe eines fiebersenkenden Mittels folgende Symptome auftreten: beim älteren Kind etwa angestrengte, sehr schnelle Atmung und die Klage über Luftnot. Ein schlapper, schlecht aussehender und immer weniger trinkender, weinerlicher Säugling ist ebenfalls ein Warnzeichen.
  • In solchen Fällen ist eine nächtliche Vorstellung im Krankenhaus notwendig und gerechtfertigt. Neugeborene in den ersten vier Lebenswochen sollen bei Fieber immer zum Arzt.
  • Im Notfall sofort handeln: Droht das Kind zu ersticken, ist nicht erweckbar, bewusstlos oder hat Krampfanfälle, umgehend den Notarzt rufen!

Was anziehen bei Fieber?

  • Außerhalb des Bettes ist es am besten, die Kinder so anzuziehen wie gewohnt. Bei ausgeprägtem Schwitzen gegebenenfalls einen Pullover ausziehen. Fröstelt das Kleine, sind dicke Söckchen und eine kuschelige Jacke oder ein Pulli empfehlenswert.
  • Im Bett kommt es auf das momentane Befinden an. Ist das Baby am Körper heiß und an den Armen und Beinen kalt, rät der Experte zu einem Body und einer dünnen Decke oder dem Schlafsack. Schwitzt das Kind dann zu sehr, eine Lage weniger, fordert das Kind kurzfristig mehr Wärme, vorübergehend eine Lage mehr. Sind bei hohem Fieber Körper, Arme und Beine heiß, kann man auf den zusätzlichen Schlafsack oder die Decke verzichten und nach Absenken des Fiebers bei Bedarf wieder mehr anziehen.

Autorinnen: Anja Pohlmann und Gesine Schwarz

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