"Musikalische Früherziehung"

Festival mit Kind: voll cool oder zu krass?

Unsere Autorin war mit ihrem Kind auf der Fusion. Sie sagt: "Dieser Text ist keine Werbung dafür, mit einem Kind auf ein Festival zu fahren. Es ist lediglich ein Guide für Erziehungspersonen, die das gerne machen möchten."

Wer sein Kind mit auf ein Festival nehmen möchte, sollte vorab ein paar Dinge beachten.
© Foto: iStock/svetikd
Wer sein Kind mit auf ein Festival nehmen möchte, sollte vorab ein paar Dinge beachten.

Eines vorab: Wenn man selbst nicht gern auf Festivals unterwegs ist, gibt es keinen Mehrwert mit einem Kind dorthin zu gehen. Wenn man aber Sehnsucht danach hat und (s)einem Kind gerne die Welt zeigen möchte, die man selbst so liebt, dann ist das möglich. 

Ich würde bei weitem nicht auf jedes Festival mit einem Kind fahren. Oft sind Kinder nicht erwünscht, was meist bedeutet, dass das Festival auch kein sicherer Ort für Kinder wäre. Achtet auf von Veranstalter:innen eingerichtete und extra ausgewiesene Familiencamps bzw. Kinderspaces. Hier gibt es Ruhe, Rückzug und ein kinderfreundliches Programm.  

Was muss mit aufs Festival?

Ich packe meinen Koffer und nehme mit ...

... eigentlich fast dasselbe, wie in jeden anderen Urlaub auch. Kleidung, Reiseapotheke, Snacks und bekannte Gegenstände (wie Lieblingskuscheltier, Bücher, Spielzeug, Nachtlicht), die dem Kind die unbekannte Umgebung erleichtern, sogenannte Übergangsobjekte

Bitte achtet auf die Lautstärke!

Die größte Gefahr auf Festivals droht durch die Lautstärke. Ab 85 Dezibel kann das Gehör von Kindern geschädigt werden. Und das sogar schon in kurzer Zeit und auch im Mutterleib. Eure Kinder sollten also unbedingt auf dem Festivalgelände einen Gehörschutz tragen. Den Lautstärkepegel kann man ganz einfach mit der App "Schallwerk" messen, die direkt anzeigt, wie lange der Gehörschutz sicher ist. Ich habe immer ein Dezibelmessgerät dabei, kostet ab 10 Euro aufwärts.

Auf basslastigen Konzerten und Dancefloors macht lieber noch einmal drei Schritte zurück. Wer hat schon Bock auf Herzrhythmusstörungen? Euer Kind bestimmt nicht! Und die Bässe können so einen kleinen Körper schon ordentlich durchschütteln ...

So geht euer Kind auf einem Festival nicht verloren

"Maya, willst du ein Tattoo?"
Ich male meinem Kind auf größeren Veranstaltungen – egal ob Festival oder Schützenfest – immer ihren Namen, meinen Namen, meine Telefonnummer und auf Festivals noch Infos zu unserem Zeltplatz auf den Arm. Ein paar Schmetterlinge dazu, zack, Kind und Mama glücklich.

Respektiert die Bedürfnisse eures Kindes!

Das Leben mit Kind ist ein ständiges Ausloten von Bedürfnissen, die befriedigt werden wollen. Euren und die des Kindes. Das ist auf dem Festival genauso, nur an einem anderen Ort. Achtet auf die Anliegen eurer Kinder, die durchaus verändert sein können als in ihrem Alltag, z. B. ein erhöhtes Bedürfnis nach Ruhe oder Nähe. Das ist okay. Passt aufeinander auf.

Festival mit Kind: Und was ist mit den Drogen?

Auf Festivals wird konsumiert und Drogen sind gefährlich. Legale und illegale. Drogen verändern nicht nur unser Bewusstsein, unsere Risikoabwägung, sondern auch unser Verhalten. Was Kinder auf einem Festival also unbedingt brauchen, sind verlässliche Bezugspersonen. Menschen, auf die das Kind sich in jedem Moment verlassen kann und die sich so verhalten, wie es das Kind kennt. Klärt das ab, trefft Absprachen und bedenkt alle Eventualitäten (wer fährt ins Krankenhaus, wenn etwas passiert?). Ist alles abgesichert mit Netz und doppeltem Boden: Habt einfach Spaß, lasst euch treiben! Kennt eure Grenzen – aber kennt eben auch den Raum, der euch zusteht!

Kinder gehören nicht auf ein Festival?

Hört ihr sie auch? Die kleine miesepetrige Stimme in eurem Kopf? Sie ist alt und lügt. Für Erziehungspersonen, die selbst überhaupt nicht an Festivals interessiert sind, ist das natürlich easy peezy lemonsqueezy. Aber was macht ihr, wenn diese Sache mit den Festivals nun einmal zu eurer Identität gehört? Kinder gehören in verdammt nochmal jeden Lebensbereich unserer Gesellschaft – vorausgesetzt, dass sie dort sicher sind. Wenn Kinder auf einem Festival von den Veranstalter:innen mitbedacht wurden, dann geht hin. Ich erlebe dieses Narrativ oft von den kinderlosen Menschen, die keine Lust haben, Rücksicht zu nehmen und ihren Raum zu teilen.

An alle kinderlosen Menschen auf Festivals mit Kindern

Kinder gehören in den öffentlichen Raum. Nicht an zweiter Stelle, hinter oder unter euch. Neben euch. Auf Augenhöhe. Vielleicht bekommt ihr selbst mal Kinder, vielleicht eure Freund:innen. So oder so sind Menschen mit Kindern darauf angewiesen, dass kinderlose Menschen Rücksicht nehmen, sonst stehen ihnen gewisse soziale Räume nicht mehr zur Verfügung. Und ihr seid das Zünglein an der Waage!

Daher folgende Bitten:

  • Schmeißt Kippen, Scherben und Kronkorken in den Müll und nicht in die Gegend. Nicht nur Kinder, sondern auch die Umwelt wird es euch danken.
  • Konsumiert Drogen nicht vor Kindern! Das gilt für legale wie illegale Drogen.
  • Tragt Verantwortung für euer Verhalten, wenn ihr Kindern begegnet. Wenn ihr das nicht mehr könnt, geht ihnen aus dem Weg. Erst Recht, wenn ihr sie kennt.
  • Konsens gilt bei Kindern wie bei Erwachsenen gleichermaßen. Sie sind kein öffentliches Eigentum, egal wie niedlich sie sind. Fasst sie nicht einfach an.
  • Falls ihr Freund:innen mit Kindern dabei habt, fragt, ob sie Hilfe brauchen.

Viel mehr als das bisschen Awareness ist gar nicht notwendig, um nicht nur Kindern, sodern auch ihren Erziehungspersonen den öffentlichen Raum zugänglich zu machen, der uns allen zusteht!

Danke für euer Sein und eure Solidarität!  

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