Erholung? Von wegen!

Die letzte Ferienwoche ist mir ein Graus

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig.
Andrea schreibt heute darüber, warum die letzte Ferienwoche für sie vor allem eins bedeutet: Stress, To-do-Listen und schlecht gelaunte Kinder.

"Die unbeschwerte Ferienzeit mit den Kindern ist so schön, weil sie uns allen einfach guttut!" Wie oft haben andere Eltern mir diesen Satz schon mitgegeben, bevor wir uns gegenseitig in die Ferien verabschiedet haben. Ich konnte mit diesem Hinweis immer wenig anfangen, denn die wirklich notwendigen Auszeiten mit meinen Kindern liefen selten so wie geplant. Eigentlich hat immer jemand von den Dreien oder ich schlechte Laune. Weil das Wetter zu warm oder zu kalt ist, um das vorher geplante Ferienprogramm durchzuziehen, weil ich doch ungeplant noch irgendwas erledigen musste oder weil einfach auch mal schlechte Laune herrscht. Total normal, in keiner Familie ist immer eitel Sonnenschein. Meine Erfahrung mit drei Kindern zeigt über die Jahre aber auch: In der letzten Ferienwoche potenziert sich jedes Streitthema.

"Maaaama, langweilig!"

Denn irgendwie haben die Kinder immer erst in dieser Woche verstanden, dass nichts tun eigentlich doch richtig viel Spaß macht. Dass tägliche Runden zum Spielplatz um die Ecke vollkommen ausreichend sind, den ganzen Tag Apfelschnitze, Blaubeeren und Knäckebrot mümmeln auch irgendwie satt macht und die Bibliothek einfach ein supertoller Ort ist, in dem man ohne in den Urlaub zu fahren ganz schön viele Abenteuer erleben kann. Also all das, was ich seit Beginn der Ferien predige und bei dem nicht mal der Zweijährige, dessen Heldin ich sonst bin, mir glaubte. Wochenlang hörte ich mir Gemaule und Gemecker und "Mama langweilig" an. Nie waren sie mit einfach nichts tun zufrieden.

Dabei wissen wir alle: Aus Langeweile ergeben sich die besten Ideen. Unterbrochen wurden diese nervigen Kommentare nur von zwei Wochen "Ich will aber noch nicht schlafen gehen" im Urlaub. Diesmal hatten wir diesen, in der Rückschau zugegeben etwas ungünstig, so gelegt, dass die allerletzte Ferienwoche, bevor Schule und Kita wieder starten, unsere Urlaub-zu-Hause-Woche war. Und so kam eins zum anderen.

Leben & erziehen Abo + Geschenk

Dein Begleiter von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Alltag mit Kindern. Jetzt mit 25% Rabatt testen!

Die letzte Ferienwoche ist doof

Die Kinder vermissten den Urlaubsort und den Input dort, ich starrte auf unfassbar große Wäscheberge und gefühlte 1000 Dinge, die vom Koffer wieder an ihren Platz geräumt werden wollten. Die Schulbedarfsliste musste auch abgearbeitet werden und um die vor Wochen in den Brotdosen vergessenen Brote hülle ich den Mantel des Schweigens. Während die Kinder also von Tag zu Tag mehr in ihren (von mir von Anfang an gewünschten) Chillmodus kamen und nichts mehr tun wollten als ausruhen, wurde ich immer genervter, meine To-do-Liste immer länger. Denn Eltern haben ja selten echte Langeweile-Ferien, den allermeisten fällt ja doch immer ein, was sie alles noch nicht gemacht haben. Diese letzte Ferienwoche war ein einziges "Verdammt, ich muss doch noch ..." für mich.

Nie wieder heim

Das Wochenende vor dem Kita- und Schulstart war schlimm, weil meinen Kindern dämmerte: Die süße Freiheit ist vorbei. Plötzlich flossen Tränen, weil sie die Zeit ja gar nicht richtig genutzt hätten. Seit 2019 haben wir eine Tradition: Am letzten Ferientag drehen wir "Nie wieder heim" von Sven van Thom ganz laut auf, denken an die schönsten Momente der vergangenen Wochen und verabschieden die Ferienzeit. Dabei werden wir dann in aller Regel alle melancholisch und glücklich über die gemeinsame Zeit. Und dann geht’s auch mit der Mauligkeit übers Ferienende. Und insgeheim freue ich mich dann meist, dass ich auch die letzte Ferienwoche hinter mich gebracht habe und wir eine neue Alltagsroutine finden müssen. Also, auf ins neue chaotische Familienleben. 

Unsere Autorin

 

Andrea Zschocher lebt und arbeitet in Berlin. Unter runzelfuesschen.de schreibt sie über ihr Leben als Dreifachmama.

Teile diesen Artikel: