Kind lässt sich nicht beruhigen
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Das Kind lässt sich nicht beruhigen – was tun?

Wie kommt es nur, dass sich Kinder oft noch mehr aufregen, wenn wir versuchen, sie zu beruhigen? Während wir ihnen vermitteln wollen, dass etwas nicht so schlimm sei, sie darüber hinwegkommen werden und die Welt gleich schon wieder ganz anders aussieht, hören sie Folgendes: "Du bekommst nicht das, was du willst, und mir ist es auch egal, weil deine Gefühle ohnehin nicht wichtig genug sind, als dass ich mich darum kümmern würde." Puh. Krasse Botschaft. Die sicher keiner von uns seinem Kind vermitteln möchte. Und dennoch passiert es. Und unsere Kinder fühlen sich neben dem ursprünglichen Frust, dass es beispielsweise kein Eis gibt, nun auch noch einsam, weil es niemanden kümmert, dass sie traurig sind. 

Kleinigkeiten, die keine sind

Als Erwachsene denken wir, ein Eis kann doch nicht so wichtig sein. Doch seien wir mal ehrlich: Wie oft passiert es im Alltag, dass wir uns über Lappalien aufregen? Der nervige Nachbar, der Partner, der seine Wäsche nicht wegräumt. – Bleib mal locker! Du hast eine viel zu hohe Stromrechnung bekommen? – Reg dich nicht auf! Deine Freundin hat deine Gesundheitsprobleme mit ihrer Community geteilt? – Ist doch nicht so schlimm, kann passieren ... 

Was wir hier sagen wollen, ist lediglich, dass es einen umso wütender machen kann, wenn Dinge, die einem wichtig sind, heruntergespielt werden. So, wie wir es oft mit unseren Kindern tun. Es kann sogar passieren, dass wir auf die Person, die gerade helfen will, ebenfalls wütend werden. 

Das Kind kann sich doch nicht ÜBER ALLES aufregen!

Natürlich wollen wir unserem Nachwuchs eine Perspektive vermitteln. Ihm beibringen, dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit ausrasten muss. Doch was hier zählt, ist das Timing. Wenn du nach einem Autounfall einen Arm verloren hast, brauchst du sicher niemanden, der dir sagt, hey, wenigstens hast du noch einen anderen Arm und bist nicht gestorben. Langfristig mag das durchaus etwas sein, woran man sich festhalten kann, aber im akuten Moment wünscht man sich wohl eher Mitgefühl als das Herunterspielen des Problems. Und genauso geht es auch unseren Kindern. Da wir ständig das Bedürfnis haben, uns selbst und unseren Kids aus der Misere zu helfen, tendieren wir dazu, scheinbar beruhigende Sätze zu äußern. Ihnen zu sagen, dass es doch nicht so schlimm sei. Und was passiert dann? Genau, sie müssen ihr Geschrei verstärken, um uns davon zu überzeugen, dass es eben doch schlimm ist. Wir reagieren frustriert, weil unsere Tröst-Taktik nicht hilft und schon drehen wir uns immer weiter in der Frust-Spirale. Je mehr wir versuchen, den Brand zu löschen, desto mehr gießen wir tatsächlich Öl ins Feuer statt Wasser.

Hilfreiche Alternativen bei Kinderfrust

Was können wir also Hilfreicheres tun, als das Problem unseres Kindes herunterzuspielen? Versucht es doch mal mit einem der folgenden Vorschläge:

  1. Welches Gefühl steckt dahinter? Statt zu diskutieren und dem Kind zu sagen, es würde überreagieren, versucht doch mal, das wirkliche Gefühl in der akuten Situation herauszufinden. Ist euer Kind wütend, traurig, enttäuscht, besorgt, ängstlich? Und dann sprecht das aus, als würdet ihr aufrichtig mit einem guten Freund sprechen: "Das klingt wirklich unheimlich!" oder "Oh, wie enttäuschend!" oder "Du bist gerade wirklich wütend, oder?" Ihr werdet sehen, euer Schatz fühlt sich verstanden und hat gleich viel weniger Grund, weiterhin auszurasten. Er sieht euch als Verbündeten, nicht als Gegner. 
  2. Gefühle durch geschriebene Worte honorieren. Sogar Kinder, die noch nicht lesen können, lieben es, wenn man Gefühle aufschreibt und sie ihnen vorliest. Zum Beispiel in Form einer Liste. Das Kind kann dann auch sagen, welches Gefühl aktuell am stärksten ist.
  3. Gefühle malen. Starke Gefühle lassen sich wunderbar in Kunst ausdrücken. Keine Angst, ihr müsst dafür keine großartigen Zeichner sein, Strichmännchen reichen völlig aus. Und ihr werdet sehen, vielleicht hat auch euer Kind Lust, seinem Gefühl in Form einer kleinen Zeichnung Ausdruck zu verleihen.
  4. In der Fantasie mitspielen. Wir neigen viel zu schnell dazu, unserem Nachwuchs unrealistische Wünsche abzusprechen: "Wir können nicht in den Zoo gehen, er hat geschlossen. Da bringt es auch nichts, wenn du jetzt schreist." Wie wäre es stattdessen, wenn wir einfach mitspielten: "Stell dir mal vor, der Zoo wäre heute Nacht offen. Wäre es nicht cool, die Tiere mal im Dunkeln zu besuchen?" Sicher fallen euch hier zig Beispiele ein: "Ich wünschte, ich hätte einen Zauberstab und könnte einfach ein Karussell herzaubern!" ... Für unser Kind wesentlich angenehmer, daraus ein Spiel zu machen, als es mit der harten Realität zu konfrontieren.
  5. Gefühle im Stillen wertschätzen. Manchmal ist es am hilfreichsten, gar nichts zu sagen, sondern nur ein mitfühlendes Geräusch von sich zu geben und vielleicht ein Nicken. Belehrungen, Fragen stellen oder Ratschläge erteilen sind nicht immer hilfreich. 
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