Orientierungshilfe für Eltern

Wieviel Taschengeld sollte mein Kind bekommen?

Irgendwann möchte jedes Kind über eigenes Geld verfügen. Aber ab welchem Alter ist das sinnvoll? Wieviel Taschengeld ist angemessen? Und dürfen sich die Kleinen alles davon kaufen? Wir haben Tipps, wie der Umgang mit dem ersten eigenen Geld gelingt.

Kinder müssen erst lernen, richtig mit Geld umzugehen.
© Foto: Getty Images/Catherine Falls Commercial
Kinder müssen mithilfe von Taschengeld erst lernen, richtig mit Geld umzugehen.

Ein Comic, Gummibärchen oder doch lieber ein Päckchen Ninjago-Karten? Der fünfjährige Tom ist unschlüssig, wofür er sein erstes Taschengeld ausgeben soll. Und: Tom ist mächtig stolz, dass er sich endlich selbstständig kleine Wünsche erfüllen kann.

Kinder lieben es, ihr eigenes Geld unter die Leute zu bringen. Ob die ersten Investitionen immer sinnvoll sind, darüber lässt sich streiten. Wichtig ist nur: Kinder brauchen Taschengeld, um eigene Kaufentscheidungen zu treffen. Denn nur wer Geld zur freien Verfügung hat, lernt auch, verantwortungsvoll damit umzugehen. 

Wann können Kids mit Geld etwas anfangen?

Wann ist aber der richtige Zeitpunkt, um dem Nachwuchs die ersten Münzen anzuvertrauen? Zwischen dem vierten und fünften Geburtstag fällt bei vielen Kindern der Groschen. In diesem Alter können Kinder verstehen, dass man für Einkäufe bezahlen muss. Möglicherweise verstehen sie aber noch nicht, dass verschiedene Münzen und Scheine einen unterschiedlichen Wert haben. Plötzlich stellen sie fest, dass das Geld nicht einfach aus dem Automaten kommt, und wollen wissen, wie teuer das neue Familienauto ist oder warum Papa im Internet immer nach Sonderangeboten klickt. Diese Neugier ist ein Zeichen, dass Kinder jetzt etwas mit Geld anfangen können. Mit kleinen Beträgen zwischen 50 Cent und einem Euro pro Woche sammeln Vorschulkinder erste Aha-Erlebnisse. Zum Beispiel, dass man sich die Kugel Eis sofort leisten kann, weil sie nur einen Euro kostet, man für ein teureres Sticker-Set aber noch drei Wochen sparen muss.

Die Einschulung ist ein guter Termin für eine regelmäßige Zahlung – schließlich lernen die Schüler im Unterricht, mit Geldbeträgen zu rechnen. Und das eigene Geld ist auch ein tolles Training fürs Kopfrechnen. Wenn eine Lakritzschnecke 10 Cent kostet, wie viele bekomme ich dann für zwei Euro?

Studie zeigt, dass der spätere Umgang mit Geld schon mit 7 Jahren angelegt ist

Eine Studie der englischen Universität Cambridge zeigt, dass bereits im Alter von sieben Jahren prinzipielle Konzepte und ein Grundverständnis von Geld im Kind angelegt sind, die seinen späteren Umgang mit Finanzen prägen. Die Kinder lernen dabei wie so oft vor allem durch beobachten und nachahmen. Es ist also sehr entscheidend, wie wir Eltern unser Verhältnis zu Geld vorleben. 

Dass wir als Eltern einen so großen Einfluss auf unsere Kinder hinsichtlich ihres späteren Umgangs mit Geld haben, kann uns einerseits Druck machen, andererseits große Möglichkeiten bieten. Achten wir beispielsweise auf bestimmte Formulierungen, können wir Kindern leicht ein positives Verhältnis zu Finanzen vermitteln. So ist es nicht gerade ratsam zu sagen: "Das können wir uns nicht leisten". Dies drückt aus, dass man keine wirkliche Kontrolle über seine Finanzen hat. Stattdessen wäre es hilf- und lehrreicher zu sagen: "Wir geben unser Geld lieber für etwas anderes aus." oder "Das ist das Geld nicht wert." Hiermit vermitteln wir unseren Kindern, dass ausgewogene Entscheidungen zu den erwünschten Ergebnissen führen können. 

Wieviel Taschengeld ist in welchem Alter angemessen?

Wie viel Taschengeld sollte ein Kind im welchem Alter denn nun bekommen? Orientierung, welcher Betrag angemessen ist, gibt die Taschengeld-Tabelle, die auf Empfehlungen der Jugendämter beruht. Für Vier- bis Fünfjährige werden 50 Cent die Woche, für Sechsjährige ein Euro angegeben. Bei jüngeren Kindern bietet es sich an, das Taschengeld wöchentlich auszuzahlen, weil sie den zeitlichen Rahmen noch nicht überblicken können. Frühestens ab zehn Jahren können Kids ihr Geld auch monatlich erhalten, damit sie lernen, sich eine fixe Summe einzuteilen.

Wichtig ist, dass es einen festen Taschengeld-Tag gibt, damit das Kind sich auf die Zahlung verlassen kann. Außerdem vergrößert ein solches Ritual die Wertschätzung gegenüber dem Geld.

Taschengeldempfehlung: die Taschengeld-Tabelle des Jugendamts

Hier findet ihr die laut Jugendamt empfohlene Höhe des Taschengeldes nach Alter des Kindes im Überblick:

Alter des Kindes – Höhe des Taschengeldes

Unter 6 Jahren: 1 Euro pro Woche
7 bis 8 Jahre: 2 Euro pro Woche
8 bis 9 Jahre: 3 Euro pro Woche
10 Jahre: 15 bis 17,50 Euro pro Monat
11 Jahre: 17,50 bis 20 Euro pro Monat
12 Jahre: 20 bis 22,50 Euro pro Monat
13 Jahre: 22,50 bis 25 Euro pro Monat
14 Jahre: 25 bis 30 Euro pro Monat
15 Jahre: 30 bis 37,50 Euro pro Monat
16 Jahre: 38 bis 45 Euro pro Monat
17 Jahre: 45 bis 60 Euro pro Monat
18 Jahre: 60 bis 80 Euro pro Monat

Quelle: www.taschengeldtabelle.info

Größere Summen gehören aufs Girokonto bei Sparkasse oder Bank

Auch wenn Großeltern oder Paten den Kleinen gern etwas zustecken – zu viel sollte es nicht sein. 20 Euro zum Geburtstag, zu Ostern oder Weihnachten sollten die Obergrenze sein. Das klingt nicht dramatisch viel, ist in Taschengeld umgerechnet aber ganz schön üppig, wenn man bedenkt, dass das Kind dafür fast ein halbes Jahr lang sparen müsste. Geldgeschenke ab zehn Euro sollten sowieso nicht ins Portemonnaie, sondern ins Sparschwein. Eltern können dann mit dem Kind zusammen festlegen, wofür die angesparte Summe gedacht sein soll. So lernt das Kind den Unterschied zwischen Geld "zum Verjubeln" und "für größere Anschaffungen" – und auch mal einen Wunsch aufzuschieben. 

Kinder lernen Geld nur schätzen, wenn sie nicht Unmengen zur Verfügung haben. Und: Auch zu viel Taschengeld kann ein Kind zum Außenseiter machen. Hilfreich ist, wenn sich Mütter und Väter mit anderen Eltern aus dem Freundeskreis zum Thema "Finanzstärke ihrer Sprösslinge" austauschen.

Die Höhe des Taschengeldes ist eine individuelle Entscheidung

Ganz klar, es hängt auch von der finanziellen Situation der Eltern ab, wie hoch das Taschengeld ausfällt. Ist Ebbe in der Familienkasse, kann es natürlich vorkommen, dass die Eltern dann zwangsläufig von der Taschengeld-Tabelle des Jugendamts abweichen müssen. In diesem Fall ist es wichtig, dass das Taschengeld regelmäßig ausgezahlt wird, damit das Kind mit dem Geld planen kann. Und: Eltern sollten mit den Kindern immer offen und ehrlich über das Thema Geld und Finanzen reden. Natürlich braucht der Nachwuchs nicht genau zu wissen, was Mama oder Papa verdienen oder wie hoch die Miete für die Wohnung ist. Wenn sie hören, dass Eltern sich genau überlegen, ob sie lieber die alte Waschmaschine reparieren oder Geld für eine neue ausgeben, verstehen Kinder, dass auch Alltagsdinge einen Wert haben. Oder dass man sich nicht alles leisten kann.

Wofür darf das Kind sein Taschengeld ausgeben?

Taschengeld ist das Geld, über das ein Kind jederzeit verfügen darf, wie es möchte. Es dient allein der Erfüllung eigener Wünsche! Eltern können den Einkauf kommentieren – aber bitte wertfrei! Also beide Augen zudrücken, wenn der Nachwuchs das hundertste Päckchen Fußballkarten oder ein Billig-Plastikspielzeug, das nach dreimal Benutzen kaputt geht, erstehen will. Die eine oder andere Einschränkung ist jedoch erlaubt: Wer Süßigkeiten normalerweise nur in Maßen naschen darf, darf auch die selbst gekauften Gummibärchen nicht alle auf einmal verputzen. Anschaffungen wie Kleidung oder Schulutensilien bleiben übrigens Sache des elterlichen Geldbeutels. 

Taschengeldparagraph oder Taschengeldgesetz

Der Taschengeldparagraph findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) unter Paragraph 110. Er besagt sinngemäß, dass Kinder ab sieben Jahren und Jugendliche selbst und ohne Zustimmung der Eltern entscheiden dürfen, wofür sie ihr Taschengeld ausgeben. Das bezieht sich auf Dinge von geringem Wert. Bei Großanschaffungen können Verkäufer die Einverständnis des Erziehungsberechtigten erbitten. Größere Käufe ohne die Zustimmung der Eltern können von diesen unter Umständen rückgängig gemacht werden. 

Lernen, mit Geld umzugehen

Was aber tun, wenn das Taschengeld auf einen Schlag verbraten ist? Das sollte für Eltern weder Anlass sein, das Portemonnaie ihres Nachwuchses stillschweigend wieder aufzufüllen, noch, es für sein großzügiges Finanzgebaren zu kritisieren. Vielmehr sind in solchen Situationen Offenheit und Kommunikationsbereitschaft gefragt. Was bedeutet mir Geld? Wie lässt sich der ein oder andere Cent vielleicht sparen? Und wie geht man mit der Erkenntnis um, dass man sich nicht jeden Wunsch leisten kann? Darüber sollten Eltern und Kinder im ständigen Dialog bleiben.

Tom hat sein erstes Geld übrigens in ein Comic-Heft vom Flohmarkt investiert. Donald Duck war stärker als die Gummibärchen.

© Grafik: N26 GmbH 2021

Taschengeld verdienen

Besonders im Jugendlichenalter reicht das Geld für bestimmte Wünsche oft nicht mehr aus. Viele Kids wollen sich dann ihr Taschengeld aufbessern und etwas dazu verdienen. Laut Gesetz ist es für Kinder unter 13 Jahren verboten zu arbeiten. Eltern oder andere Familienmitglieder können den Kids aber natürlich kleine Extra-Aufgaben geben und ihnen dafür im Gegenzug ein wenig Geld zustecken. Das kann zum Beispiel Gartenarbeit oder eine besondere Aufgabe im Haushalt sein. Natürlich kann sich das Kind auch durch einen Flohmarktstand mit aussortierten Spielzeugen, Büchern oder Kleidungsstücken etwas dazuverdienen. 

Jugendliche ab 13 Jahren können zum Beispiel Zeitungen austragen, babysitten, Hunde ausführen, den Rasen der Nachbarn mähen oder Grundschülern Nachhilfe geben. Die Höchstgrenze für die Arbeitszeit neben der Schule liegt in diesem Alter bei bis zu zwei Stunden täglich. 

Ab einem Alter von 15 Jahren ist auch ein Ferienjob erlaubt. Gesetzlich in Ordnung sind maximal vier Wochen im Jahr und bis zu 40 Wochenstunden. 

Ab 16 Jahren wird dann alles noch einfacher, wenn sich Jugendliche nach eigenen Vorstellungen ihr Taschengeld aufbessern möchten. Gesetzlich vorgegeben ist, dass die Arbeitszeit zwischen 5 und 21 Uhr liegen muss (in der Gastronomie bis 22 Uhr) und nicht in der Schulzeit liegen darf. Bestimmte Arbeiten, bei denen die Gesundheit möglicherweise gefährdet wird, sind in diesem Alter nicht erlaubt. 

Taschengeld: Das geht gar nicht!

Ein paar Punkte sollten Eltern beim Taschengeld unbedingt beachten. Das Taschengeld gilt dem Zweck, den Umgang mit Geld zu lernen. Wird es für andere Zwecke "missbraucht", hilft das nicht dem ursprünglichen Ziel. Hier kommt eine kleine Liste der Taschengeld-No-Gos: 

  • Taschengeld darf nicht als erzieherisches "Hilfsmittel" eingesetzt werden.
  • Eine Taschengeldkürzung ist als Bestrafung unangemessen. 
  • Auch eine (kurzfristige) Taschengelderhöhung als Belohnung beispielsweise für gute Noten ist fehl am Platz.
  • Das Taschengeld darf nicht von Bedingungen wie "gutem" Verhalten oder aufgeräumtem Zimmer abhängen. 

Taschengeld in der Coronakrise

Übrigens: Eine Umfrage von N26 im September 2021 mit 2.500 Eltern hat ergeben, dass rund ein Drittel der Eltern die finanzielle Bildung ihrer Kinder heute für wichtiger hält als vor Corona. Das liegt sicher auch daran, dass viele Familien Auswirkungen der Krise auf ihre finanziellen Verhältnisse gespürt haben. Laut der Umfrage haben 21 Prozent der Eltern das Taschengeld ihres Kindes wegen der Coronakrise angepasst. Überraschenderweise erhalten 14 Prozent der Kinder jetzt mehr Taschengeld als vor der Coronakrise.

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