Dichte Nase

Nasenspülungen beim Baby: So fließt der Schnodder richtig gut raus

Das Atmen fällt schwer, Trinken ist mühsam und an Schlaf ist kaum zu denken. Wenn Babys eine Erkältung haben und die Nase dicht ist, fragen sich viele Eltern, was sie tun können. Wir haben mit einer Kinderärztin gesprochen, wie Nasenspülungen dem Baby helfen können und worauf man achten sollte.

Bei Instagram und Tiktok sind zurzeit zahlreiche Videos zu sehen, in denen Mamas ihren Babys und Kleinkindern mit einer Nasenspülung den Schnupfen aus der Nase holen. Die Kleinen werden dabei übers Waschbecken gehalten und bekommen in ein Nasenloch Kochsalzlösung gespritzt – viele verwenden dafür einfach einen Nasensauger aus softem Silikon oder eine Spritze mit weichem Aufsatz. Das Ergebnis ist beeindruckend: Der Schnodder fließt in Strömen. Die Nase ist wieder frei!

Doch als wir in der Redaktion die Videos gesehen haben, stellten sich uns sofort die Fragen: Funktioniert das wirklich so gut? Machen das alle Kinder einfach so mit? Und kann das nicht auch gefährlich sein? Wir haben bei einer Kinderärztin nachgefragt.

Dr. Schlager, würden Sie als Kinderärztin Nasenduschen empfehlen?

"Das Grundproblem ist, dass Säuglinge und Kleinkinder hauptsächlich Nasenatmer sind und sich selbst die Nase noch nicht putzen können. Nasenspülungen können eine Möglichkeit sein, die Nase von Schleim zu befreien und dem Kind beim Atmen zu helfen. Der eitrige Schleim in der Nase wird verflüssigt, so dass er besser abfließen kann, was die Beschwerden der betroffenen Kinder lindert. Außerdem sind die Atemwege und Schleimhäute vor allem in den Wintermonaten durch die Heizungsluft sehr trocken – eine Nasenspülung kann für Feuchtigkeit sorgen."

Machen die Babys denn Nasenspülungen mit Kochsalzlösung anstandslos mit?

"Die Nasenspülung ist zwar nicht schmerzhaft, fühlt sich für die Kinder jedoch ungewohnt an. Außerdem haben die meisten Kinder etwas Angst davor, wenn ihnen Flüssigkeit durch die Nase läuft. Um den Kindern diese Angst zu nehmen, ist es ratsam, die Anwendung zuerst bei sich selbst vorzuführen. So wissen die Kinder, was sie erwartet und können es nachahmen. Die Kinder werden dann schnell merken, dass sie nach der Nasendusche wieder problemlos durch die Nase atmen können. Das macht die Prozedur natürlich lohnenswert für sie. Allerdings sollte wirklich niemals Zwang angewendet werden."

Eignet sich dafür besser ein Nasensauger oder eine Spritze?

"Ich empfehle eine kleine Spritze (ohne Kanüle) zu nehmen und pro Nasenloch ein bis zwei Milliliter Kochsalzlösung einzuspritzen. Im Endeffekt wird bei beiden Methoden mit Druck Kochsalz in die Nase gespült. Das Prinzip dahinter ist das gleiche, nur bei der Spritze weiß man genauer, wie viel Milliliter man verwendet. Das weiß man bei einem Nasensauger oder anderen Geräten aus der Drogerie nicht – das macht es schwer dosierbar."

Worauf ist zu achten, wenn man einem Baby Kochsalzlösung verabreicht?

"Auf die Salzkonzentration: Davon hängt nämlich ab, ob eine Nasenspülung unangenehm ist oder nicht. Meist wird eine sogenannte isotone Salzlösung empfohlen – hier liegt die Salzkonzentration auf einem ähnlichen Niveau wie der Salzgehalt in den menschlichen Zellen. Doch häufig wird mehr Salz gelöst. Die Lösung ist dann hyperton und es brennt. Fertige Mischungen gibt es bereits als kleine Ampullen in der Apotheke zu kaufen. Wenn das Kind bei der Spülung den Mund geschlossen hält, kann es sein, dass die Lösung den Rachen herunterläuft. Das kann sehr unangenehm sein, ist jedoch in der Regel nicht schlimm. Wenn die Kinder die Lösung schlucken kann das manchmal aber auch einen Hustenreiz auslösen. Übrigens sollten Nasenduschen auch nicht untereinander benutzt werden – das kann zu einer Übertragung von Keimen führen."

Wie oft kann ein Kind eine Nasendusche bekommen?

"Nasenspülungen kann man bei einer akuten Erkältung ein bis dreimal täglich (besonders vor dem Füttern und Schlafengehen) anwenden – jedoch nicht länger als eine Woche. Von einer dauerhaften Anwendung einer Nasendusche muss ich aber dringend abraten, weil dies mehr schadet als nutzt. Bei wiederkehrenden Entzündungen der Nasennebenhöhlen sollte man am besten den Kinderarzt aufsuchen, der die Ursache feststellen und entsprechend behandeln kann. Möglicherweise liegt ein unbehandelter allergischer Schnupfen vor oder aber eine bakterielle Infektion, die mit Antibiotika behandelt werden muss."

Können Nasenspülungen mit Kochsalzlösung beim Baby gefährlich sein?

"Die Schleimhäute von Säuglingen und Kleinkindern sind sehr empfindlich. Diese können leicht verletzt werden durch das Einführen der Sprühspitze. Hierbei kann man mit der Spitze an die Nasenschleimhäute gelangen und kleinste Verletzungen verursachen, die bluten können. Deswegen sollte man bei Nasenspülungen sehr vorsichtig vorgehen und optimalerweise die Spritze nicht in die Nase einführen, sondern nur an den Naseneingang ranhalten. Bei Blutungen sollte die Spülung sofort unterbrochen werden. Außerdem sollte auch keine Spülung stattfinden, wenn die Nasennebenhöhlen stark entzündet oder gar vereitert sind."

Ab welchem Alter sind Nasenspülungen möglich?

"Da gibt es keine strikte Altersgrenze. Prinzipiell kann man schon bei Säuglingen eine Nasenspülung machen. Einige Kinder können bereits mit drei Jahren die Nasendusche selbständig durchführen – bei kleineren Kindern müssen Mama und Papa noch Hilfestellung leisten. Allerdings würde ich eine Nasenspülung niemals mit Druck verbinden. Gerade kleine Kinder verstehen nicht, was da passiert. Das kann sehr unangenehm sein und Ängste auslösen. Hier würde ich dann eher auf Alternativen zurückgreifen."

Was sind die Alternativen?

"Die einfachste Alternative, um das Sekret aus der Nase zu lösen sind Kochsalz-Nasentropfen. Diese sind als kleine Ampullen in der Apotheke erhältlich. Oder die Lösung einfach selbst herstellen: 500 Milliliter abgekochtes Wasser mit fünf Gramm Kochsalz vermischen und abkühlen lassen. Hiervon kann je nach Alter ein bis zwei Tropfen in jedes Nasenloch gegeben werden. Dadurch wird das Sekret verflüssigt und kann entweder herauslaufen oder hinten die Rachenwand hinunter laufen. Dies nicht nicht schlimm, die Kleinen schlucken das Sekret dann problemlos. Eine weitere Möglichkeit sind auch Inhalationen mit Kochsalz – auch diese können das Sekret verflüssigen. Außerdem feuchten sie die Atemwege an, sodass die Bildung von hartnäckigem, festem Sekret verhindert bzw. reduziert wird."

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