Wochenbett-Wissen

Wochenfluss: Was steckt wirklich dahinter?

Jede Mama wird nach der Geburt ihres kleinen Wunders mit dem Thema Wochenfluss (auch Lochialfluss genannt) konfrontiert. Ob Kaiserschnitt oder reguläre Spontangeburt: Die Blutung nach der Entbindung ist etwas ganz Normales – und sogar ein Zeichen für eine gute Wundheilung. Was jetzt wichtig ist? Eine besonders gute Hygiene. Und, ja, vielleicht ein bisschen Geduld.

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Unsere Expertin

Maja Diekjobst ist Hebamme in Detmold und Anbieterin von Online-Rückbildungskursen. Mehr Info unter hebammemaja.com

Psst, ich habe Wochenfluss! Obwohl es sich um einen ganz natürlichen Prozess handelt, sind die starken Blutungen nach der Geburt ein Thema, das bei vielen frischgebackenen Müttern lieber gemieden wird. Auch wird es im Geburtsvorbereitungskurs meist nur kurz angerissen. Dabei ist es wichtig, dass Frauen wissen, was sie nach der Geburt erwartet – und was da eigentlich genau im Körper passiert.

Was ist Wochenfluss genau?

Sobald euer Baby auf der Welt ist und sich die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, von der Gebärmutterwand löst, entsteht dort eine größere Wundfläche. Der Durchmesser beträgt knapp zwölf Zentimeter. "Diese Wunde ist etwa handtellergroß", sagt Maja Diekjobst, Hebamme und Anbieterin von Online-Rückbildungskursen. Genau diese Wunde ist der Grund für den Wochenfluss. "Die Heilung geschieht meistens innerhalb von zirka drei Wochen. So entsteht der Wochenfluss."

Der Wochenfluss wird auch als Lochialfluss oder Lochien bezeichnet (altgriechisch lóchos: Geburt). Er besteht nicht nur aus reichlich Blut, sondern auch zum Beispiel aus Gebärmutterschleimhaut, Lymphflüssigkeit, Käseschmiere, Wundsekret, Geweberesten und Bakterien.

Die Nachwehen sorgen dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und die Wundfläche immer kleiner wird. Und das ist auch nötig. Denn: Die Gebärmutter muss sich der Expertin zufolge nach der Geburt wieder maximal verkleinern. Und eben auch zusammenziehen. Eine Besonderheit, die vorkommen kann: "Sollte sich das Blut in der Gebärmutter befinden, hat diese keine Möglichkeit, die Wunde und sich selbst zu verkleinern – und die Frau erleidet einen hohen Blutverlust", erklärt Maja Diekjobst.

Wochenfluss: Wie lange hält er an?

Die Blutungen sind eher eine lästige Angelegenheit, weshalb die meisten Mütter ihr schnelles Ende herbeisehnen. Wichtiges zur Dauer: Wochenfluss ist etwas, das euch noch einige Wochen nach der Geburt beschäftigen wird. Die Blutungen halten meistens zwei bis sechs Wochen an. Stillende Mütter können sich häufig über eine etwas schnellere Abheilung freuen. Der Grund? Das Hormon Oxytocin, das das Zusammenziehen der Gebärmutter fördert und so auch die Ausscheidung beschleunigt.

Geruch und Farbe des Wochenflusses

Jede Schwangerschaft und jede Geburt ist einzigartig. Und genauso individuell verhält es sich auch mit dem Wochenfluss: Farbe, Geruch, Blutklumpenvorkommen – all das kann von Frau zu Frau variieren. Zwar verläuft der Lochialfluss im Normalfall nach einem bestimmten Schema, doch genau vorhersagen kann man auch hierbei nichts.

"In den ersten Stunden und Tagen äußert sich der Wochenfluss durch eine starke vaginale Blutung. Die Frauen müssen alle paar Stunden große Flockenwindeln wechseln", erklärt die Hebamme. Oft finden die Wöchnerinnen dann noch größere Wochenfluss-Blutklumpen (auch: Koagel) vor. Diese seien aber meist nicht besorgniserregend und bestehen aus geronnenem Blut. "Die Wochenflussfarbe ist in den ersten sieben Tagen meist dunkelrot und wird mit der Zeit heller, um dann bräunlich, gelblich und am Ende weiß zu werden."

Und was, wenn der Wochenfluss stinkt? Was sollte eine Wöchnerin über den Wochenfluss-Geruch wissen? "Der Geruch des Wochenflusses sollte relativ neutral bleiben. Sollte ein fauliger Geruch auftreten, muss eine Kontrolle der Gebärmutter erfolgen", sagt Maja Diekjobst.

Der Wochenfluss-Verlauf im Detail

"Der Wochenfluss beginnt unmittelbar nach der Geburt", so Maja Diekjobst. Bis zu drei Tage nach der Geburt fallen die Blutungen meist sehr stark aus. Keine Sorge, die Intensität des Wochenflusses verringert sich im Laufe der Zeit. Genauso wie die Farbe. Der Wochenfluss wird in vier Stadien eingeteilt, die bei jeder Frau etwas unterschiedlich ausfallen können.

  • Lochia rubra (rot): In den ersten Wochenbetttagen ist die Konsistenz eher flüssig und die Intensität stark. Die Bestandteile setzen sich zunächst aus Blut, Gebärmutterschleimhaut, Eihautresten und Käseschmiere zusammen.
  • Lochia fusca (bräunlich): Nach knapp einer Woche lässt die Stärke des Wochenflusses meist schon etwas nach. Der Ausfluss enthält nun Blutserum, weiße Blutkörperchen und Lymphe.
  • Lochia flava (gelblich): Nach etwa zwei vergangenen Wochen ändert sich die Konsistenz von flüssig zu leicht rahmig. Und auch die Stärke verringert sich weiter. Der Wochenfluss besteht nun noch aus abgestorbenem Gewebe, Bakterien und Schleim.
  • Lochia alba (weißlich): Ungefähr nach drei Wochen nimmt die Mutter nur noch einen sehr schwachen Ausfluss mit einer wässrigen Konsistenz wahr. Dieser besteht nun zum größten Teil aus Wundflüssigkeit.

Wenn der Wochenfluss wieder blutig ist

Erst ist der Wochenfluss fast weg, dann wieder blutig. Ist das normal? Wer zwei Wochen nach der Geburt noch blutigen Wochenfluss (Blutklumpen) wahrnimmt, sollte die Ursache vom Arzt abklären lassen. Es könnte sich um ein Anzeichen für eine gestörte Wundheilung handeln. Wenn die Blutung zurückkommt, obwohl sie bereits versiegt war, ist der häufigste Grund Überforderung. In einem solchen Fall verordnen Hebammen und Ärzte der frischgebackenen Mutter mehr Ruhe und Schlaf.

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Wochenfluss nach Kaiserschnitt

Ein Sonderfall, der besonderes Handeln erfordert? Normalerweise nicht. "Während eines Kaiserschnitts kann bereits eine gewisse Menge Blut aus der Gebärmutter geholt werden, ansonsten sind die Vorgänge gleich", sagt Hebamme Diekjobst. Nach einem Kaiserschnitt kann der Lochialfluss aber etwas geringer und kürzer ausfallen als bei Frauen, die natürlich entbunden haben. Warum? Weil die Plazenta und Gewebereste beim Kaiserschnitt gleich mit entfernt werden.

Wochenfluss anregen – wie geht das?

Außerdem kann es sein, dass der Wochenfluss nach der Geburt etwas ins Stocken gerät, aber Stillen und Kuscheln fördern ihn meist automatisch. Mitauslöser und Unterstützer des Wochenflusses ist nämlich das Hormon Oxytocin. Dieses wird beim Stillen ausgeschüttet und fördert Nachwehen, Heilung sowie Rückbildung. So lässt sich der Wochenfluss anregen – und zwar auf ganz natürliche Weise.

Die Hebamme weiß: "Als hilfreich haben sich leichte Formen von Bewegung (zum Beispiel Spaziergänge oder Yoga), Uterusmassagen, Brustwarzenstimulation zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin, Fußreflexzonenmassagen und Akupunktur erwiesen. Ansonsten haben sich auch Hausmittelchen wie Chai-Tee sowie Gewürze wie Koriander und Zimt bewährt."

Der Wochenfluss stockt bereits länger als acht Stunden? Bei Unsicherheiten und Fragen sollten Mütter nie lange zögern und die Hebamme zurate ziehen.

Schnelles Handeln beim Wochenflussstau

Kann der Wochenfluss auch ausbleiben oder zu kurz ausfallen? "Ein Ausbleiben des Wochenflusses ist als kritisch zu bewerten und sollte zügig kontrolliert werden", sagt Expertin Maja Diekjobst. "Bei einigen Frauen findet ein frühzeitiger Verschluss des Muttermundes statt, weshalb sich das Blut in der Gebärmutter staut. Die Frauen zeigen bei einem Wochenflussstau weitere Symptome wie starker Kopfschmerz oder allgemeines Unwohlsein."

Die Hebamme betont, dass die Frau im Wochenbett ganzheitlich beobachtet werden sollte. Es sei wichtig, ins Gespräch zu kommen, um eventuelle Störungen ausschließen zu können. "Ist das Wochenbett unauffällig und man erkennt einen Heilungsprozess, kann ein Wochenfluss auch mal kürzer oder länger ausfallen", erklärt sie weiter.

Wichtig: Wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas mit dem Wochenfluss nicht stimmt, solltet ihr diese Sorgen mit eurer Hebamme oder eurem Frauenarzt besprechen. Besonders sobald Kopfschmerzen, Fieber oder sonstige Schmerzen hinzukommen. Es könnte ein Wochenflussstau vorliegen. Hier findet ihr weitere Informationen zum Thema Wochenflussstau.

Im Wochenbett auf die richtige Hygiene achten

Damit alles gut verheilen kann, ist auch die richtige Hygiene essenziell. Der Genitalbereich wird in der Wochenbettzeit nur vorsichtig mit klarem, warmem Wasser gereinigt. Bidets oder spezielle Spülflaschen (Poduschen) können dabei helfen. Es gibt auch milde Zusätze, die ihr in Absprache mit eurer Hebamme verwenden könnt. Solche Lösungen enthalten häufig Kochsalz oder Kamille.

Um schädlichen Keimen keine Chance zu geben und Infektionen zu vermeiden, sollten Paare in der Wochenbettzeit zunächst auf Geschlechtsverkehr verzichten oder ein Kondom verwenden.

Umfang: Welche Menge ist normal?

Der Wochenfluss sollte regelmäßig auf Menge und Geruch kontrolliert werden: Der gesamte Wochenfluss umfasst etwa einen Blutverlust von 200 bis 500 Milliliter. Wichtiger Hebammen-Tipp: "Außerdem sollte in dem Zusammenhang auf eine physiologische Gebärmutterrückbildung geachtet werden. Die Gebärmutter kann man nach der Geburt als eine feste und runde Kugel zirka auf Nabelhöhe tasten."

Wochenfluss: Binden, Einlagen oder Wöchnerinnenvorlagen?

Hilfe im Wochenbett: Welche Binden brauche ich? Legt euch am besten noch in der Schwangerschaft einen Vorrat an speziellen Wöchnerinnenvorlagen an, welche es auch im Krankenhaus gibt. Sie sind länger und dicker als normale Binden oder Einlagen. Sobald die Intensität abnimmt, helfen auch normale Binden und später sogar Slipeinlagen beim Wochenfluss weiter. Auf Tampons solltet ihr lieber verzichten, solange der Wochenfluss anhält. Sie erhöhen das Infektionsrisiko.

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Unsere Autorin

Michelle Kröger liebt das Reisen, das Entdecken von neuen Orten und Dingen. Ihre Sehnsuchtsorte befanden sich meist in fernen Ländern. Bis unsere freie Redakteurin Mutter wurde. Ein neues Kapitel ihrer Lebensgeschichte. Ihr neuer Sehnsuchtsort? Ganz nah. Immer dort, wo ihr kleiner Sohn gerade ist.

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