Infektionsgefahr oder nicht?

Whirlpool in der Schwangerschaft – ist das in Ordnung?

Kleine Becken, Badegäste eng an eng, hohe Temperaturen. Viele Menschen machen um öffentliche Whirlpools einen großen Bogen, da sie sich vor vermeintlich dreckigem Wasser ekeln. Allen voran Schwangere. Auch das Netz ist voll von Gerüchten um schmutziges Whirlpoolwasser. Wir haben mit einem Experten gesprochen, der aufklärt.

Whirlpool Schwangerschaft
© Foto: iStock/Warchi
Ist es okay, in der Schwangerschaft in den Whirlpool zu gehen?

Patrick Gries leitet operativ mehr als zehn Standorte von Bäderland Hamburg, dem Betreibenden aller öffentlichen Schwimmbäder, Thermen und Saunen der Hansestadt. Er räumt auf mit den gängigen Mythen, beantwortet wichtige Fragen – und nimmt die Sorgen.

Whirlpools sind kleiner und fassen weniger Wasser als große Becken. Gleichzeitig ist die Wassertemperatur höher. Begünstigt das nicht die Vermehrung von Keimen?

Ja, das stimmt. Insbesondere die Wassertemperatur, die in der Regel bei 37 Grad liegt, trägt zur raschen Keimvermehrung bei. Aus diesem Grund sind die Anforderungen an Badewasser mit dieser oder höherer Temperatur auch entsprechend streng. So liegt zum Beispiel der Sollwertbereich für die erlaubte Chlormenge im Beckenwasser des Whirlpools (oder fachmännisch ausgedrückt des Warmsprudelbeckens) über dem eines normalen Schwimmbeckens. Außerdem ist die Wasseraufbereitungstechnik speziell so ausgelegt, dass sie die strengen Anforderungen erfüllt. Von diesem Aspekt aus betrachtet kann also jeder ohne Bedenken zum Baden kommen. Das hat auch der NDR festgestellt, als Redakteure des investigativen Markt-Magazins im Geheimen Wasserproben aus Whirlpools verschiedener öffentlicher Bäder genommen haben, um diese später im Labor auf Keime zu testen. Die gute Wasserqualität überraschte die Redaktion – und der Mythos des dreckigen Whirlpools wurde widerlegt.

Reizt die hohe Chlorkonzentration in Whirlpools nicht die Haut?

Die Chlorkonzentration im Wasser des Whirlpools liegt bei 0,1 mg/l bis 0,3 mg/l über der Konzentration im Schwimmerbecken und führt in der Regel nicht zu einer erhöhten Hautreizung. In manchen Ländern ist die Konzentration im normalen Trinkwasser deutlich höher. Bei einer bereits bekannten Überempfindlichkeit ist es gut, zur Sicherheit einen Arzt zu befragen. 

Wer kontrolliert die Wasserqualität in öffentlichen Whirlpools? Sind das unabhängige Stellen, oder liegt es beim Betreibenden?

Das Wasser in öffentlichen Bädern wird jeden Tag über 24 Stunden hinweg ständig computergenau so aufbereitet, dass es jederzeit die strengen Hygienevorgaben der Behörden einhalten kann. Neben der mehrmals täglichen Überprüfung der Wasserparameter durch die Badmitarbeiter werden Schwimm- und Badebecken regelmäßig und immer unangemeldet zusätzlich durch externe Labore beprobt und mikrobiologisch untersucht. Die sich draus ergebenden Testergebnisse werden den zuständigen Gesundheitsämtern mitgeteilt. Schwimmbad- und Whirlpoolwasser in öffentlichen Schwimmbädern unterliegt damit einer äußerst engmaschigen Kontrolle, damit alle Gäste wirklich sicher und gesundheitlich unbedenklich baden, schwimmen und relaxen können.

Sind private Whirlpools sicherer für Schwangere als öffentliche?

Es ist eher andersrum. Die Auflagen zum Betreiben eines öffentlichen Whirlpools sind klar geregelt und entsprechen allen Vorschriften sowie den vorgeschriebenen Normen zum Schutz der Gesundheit. Sie unterliegen außerdem einer ständigen und strengen Kontrolle, was bei der Nutzung im privaten Bereich sicherlich nicht immer gegeben ist. Schon die enorm aufwändige Wasseraufbereitungstechnik ist im privaten Haushalt so gut wie nie vorhanden. Wir sprechen ja über mehrstufige Filter, fein abgestimmte Chlorung, Aktivkohle, etc. Im privaten Bereich wird oft mit Chlortabletten gearbeitet, die nicht so exakt zu dosieren sind. Zusätzlich fehlt meist die Kontrolle, ob das Chlor noch ausreichend vorhanden ist und ob die anderen Wasserparameter den Anforderungen an Badewasserqualität entsprechen.

Sind die Massagedrüsen der Whirlpools in der Schwangerschaft gefährlich?

Die Sprudelblasen bestehen aus Luft und werden idealerweise vorgewärmt, sodass sich ein angenehmes Massagegefühl ergibt. Diese leichte Form der Massage hat sicher auch für Schwangere eine entspannende Wirkung. Aufgrund der individuellen Schwangerschaftsverläufe solltet ihr hier die medizinische Expertise einer Ärztin, eines Arztes oder einer Hebamme einholen.

Welche Wassertemperatur ist für Schwangere noch in Ordnung, ohne dem Ungeborenen zu schaden?

Die Pools werden üblicherweise mit 35 bis 37 Grad Wassertemperatur betrieben. Das entspricht unserer Körpertemperatur und wird daher als angenehm warm empfunden. Die werdende Mama kann und sollte natürlich für sich selbst einschätzen, wie lange sie diese Wärme angenehm empfindet. Beim Verlassen des Pools empfehle ich zudem, vorsichtig aufzustehen und sich gegebenenfalls erst auf dem Rand etwas abzukühlen. Beim zu eiligen Aufrichten könnte der Kreislauf etwas träge reagieren. Auch bei dieser Frage gilt, vorab mit dem Frauenarzt des Vertrauens zu sprechen.

Ist der Besuch eines Whirlpools auch im 1. und 3. Trimester okay?

Vom Wasser und den Blubber-Blasen geht bei regelkonformem Badebetrieb kein besonderes Risiko aus. Eine Nutzung ist also immer dann und so lange okay, wie sich die werdende Mama wohlfühlt oder der behandelnde Frauenarzt nichts Gegenteiliges indiziert hat. Unsere Badegäste fühlen sich beim warmen Baden und der leicht massierenden und entspannenden Wirkung der Blasen sehr wohl – was insbesondere auch in der Schwangerschaft guttut. Generell nehmen aber viele Schwangere ganz selbstverständlich auch im 3. Trimester oder sogar in der letzten Schwangerschaftswoche an entsprechenden Kursen für werdende Mütter im Wasser teil. Kurz vor der Geburt ist eine Rücksprache mit dem Gynäkologen vor dem Whirlpoolbesuch ratsam.

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