Seid sensibel!

Warum die Frage "Wie schnell bist du schwanger geworden?" triggert

Bei manchen Paaren klappt es sofort, bei anderen vergehen Jahre, bis ein Kind unterwegs ist. Unsere Neugier danach, wie lange es gedauert hat, schwanger zu werden, sollten wir uns dennoch verkneifen – und auch feinfühlig beim Beantworten der Frage sein. Warum, lest ihr hier.

Sensibles Thema: Außerhalb des engsten Freundes- und Familienkreises steht es uns nicht zu, werdende Mamas (oder Papas)  zu fragen, wie lange es gedauert hat schwanger zu werden.
© Foto: Getty Images/Klaus Vedfelt
Sensibles Thema: Außerhalb des engsten Freundes- und Familienkreises steht es uns nicht zu, werdende Mamas (oder Papas) zu fragen, wie lange es gedauert hat schwanger zu werden.

Im Bekanntenkreis, unter Kollegen, bei Instagram: Schon in den unangebrachtesten Situationen haben wir erlebt, dass sich bei Frauen, nach der Schwangerschaftsverkündung übergriffig erkundigt wird, wie lange es denn gedauert hat, bis "es geklappt hat". Sicherlich oftmals gar nicht böse gemeint, kann die Frage, aber auch die Antwort wehtun. 

Kein Smalltalk-Thema

Manche Menschen scheinen sich schlichtweg nicht bewusst darüber zu sein, dass sie ein sehr sensibles Thema anschneiden. Als Kollege oder Bekannter stehen wir der Schwangeren (oder ihrem Partner) vielleicht nicht so nahe und kennen die Hintergründe nicht. Grund genug, NICHT danach zu fragen, ob es gleich geklappt hat mit dem Kinderwunsch. Ein Beispiel: Bitte denkt daran, dass jede sechste Schwangere eine Fehlgeburt erleidet. Vielleicht hat auch die Schwangere dieses Schicksal schon erlitten und wird so unwillentlich mit der schmerzhaften Erfahrung konfrontiert. Ebenso könnte es sein, dass das Paar eine lange (schmerzhafte) Kinderwunsch-Reise hinter sich hat und sich nun auf die bevorstehende Zeit freuen und nicht an zurückliegende Enttäuschungen zurückdenken will. Es steht uns schlichtweg einfach nicht zu, zur eigenen Unterhaltung solch intime Informationen zu erfragen.
Erst Recht in größeren Gesprächsrunden sollten wir unsere Neugier zügeln, denn es ist ebenfalls gut möglich, dass weitere Anwesende getriggert werden!

Sensibel antworten

Auf der anderen Seite ist es manchmal vielleicht nicht nur reine Neugier, die hinter der Frage "Wie viel Zeit ist vergangen, bis du/deine Partnerin schwanger wurdest?" steckt. Für viele scheint es auch verlockend zu sein, sich so eine Orientierung zu verschaffen. Der Drang sich zu vergleichen, einen Maßstab zu suchen, mag in der Natur des Menschen liegen, doch eine Antwort zum Standard zu nehmen, ist absolut keine gute Idee. Frauen und Paare – die selber noch nicht schwanger werden konnten – können eine Erwartungshaltung entwickeln und sich selbst enorm unter Druck setzten. Daher seid – wenn möglich – auch sensibel, wenn ihr selbst gefragt werdet und wägt ab, ob und wie ihr antworten wollt. In größeren Runden wäre es beispielsweise eine Möglichkeit, Folgendes zu entgegnen: "Ich freue mich einfach, dass es geklappt hat."

Was heißt das für mich?

Auch an mir gehen die Gespräche rund um "Wann hat es geklappt?" nicht vorbei. Und das, obwohl ich mich nicht initiativ mit dem Thema befasse und keinen kurzfristig Kinderwunsch habe. Warum? Weil auch ich ungefragt auf Social Media und im Bekanntenkreis konfrontiert werde mit "Einen Monat nach dem Absetzten der Pille war ich schwanger!" und "Wir haben acht Jahre auf unser Wunschkind gewartet.". Die Aussagen verunsichern mich und ich habe mich schon das ein oder andere Mal gefragt, welche Rückschlüsse ich nun ziehen muss. Am besten keine! Solange mir bewusst ist, dass es das eine Extrem und das andere gibt UND irgendwas dazwischen ...

Übrigens heißt das alles auf keinen Fall, dass wir nicht über Themen wie einen unerfüllten Kinderwunsch und Fehlgeburten reden sollten. Viele Betroffene leisten wichtige Arbeit, indem sie diese im privaten Umfeld und öffentlich (wie z. B. Anna Wilken auf Instagram) etablieren und enttabuisieren! Besonders Frauen und Männer, die eins dieser Schicksale teilen, sind meist allerdings sehr taktvoll und einfühlsam mit ihren Aussagen und sprechen zum Beispiel vorab Triggerwarnungen aus.

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