Babyschlaf

Schlafregression bei Babys: Wenn die Entwicklung die Nachtruhe stört

Euer Baby hat bisher gut geschlafen und plötzlich ist es nachts oft wach und ruft? Keine Angst, das Kind verlernt das Schlummern nicht, es wächst – und das bringt Unruhe in Körper und Geist.

Der kindliche Schlaf beschäftigt Eltern in der ersten Lebenszeit ihres Babys sehr, denn gut gelaunte Minis sind wesentlich besser drauf als müde – und das gleiche gilt für Mamas und Papas. Wenn das Baby plötzlich schlechter schläft als gewohnt, kann die Ursache dafür eine Schlafregression sein.

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Unsere Expertin

Gentle Sleep Coach Karen van Zetten hat eine Tochter (4) und erwartet im Frühling 2022 ihr zweites Kind. Sie lebt und arbeitet in Langnau am Albis in der Schweiz.
Mehr Info auf ihrer Website und bei Instagram

Was bedeutet Schlafregression?

"Der Begriff Schlafregression bezeichnet eine Phase, in der das Baby nachts plötzlich schlechter schläft, häufiger aufwacht oder den Mittagsschlaf verweigert", erklärt Karen van Zetten. Sie ist ausgebildete Schlafcoachin für Babys und Kleinkinder und beschäftigt sich hauptberuflich mit dem Thema. Sie sagt: "Das Wort Regression bedeutet Rückschritt, das ist eigentlich unpassend. Denn eine Schlafregression hat eine positive Ursache: Im Gehirn des Kindes findet ein großer Entwicklungsschritt statt! Die Kleinen lernen in dieser Periode mehr, als sie im Augenblick verstehen können."

Das würde bei einigen Kindern zu Angstgefühlen führen. Und diese kämen oft zur Bettzeit an die Oberfläche. "Das kleine Kind will beim Einschlafen nicht allein sein – auch nicht, wenn es nachts aufwacht", so van Zetten.

Wie lange dauert eine Schlafregression

Die deutlichsten Schlafregressionen treten in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes auf. Die meisten Eltern beobachten sie im etwaigen Kindesalter von vier Monaten, acht Monaten, zwölf Monaten, 18 Monaten und 24 Monaten. Die erste Schlafregression dauert etwa zwei bis vier Wochen, die anderen eher vier bis sechs Wochen. Schläft das Baby nur einige Tage schlechter als sonst, spricht man noch nicht von einer Schlafregression.

"Wie bei allen Entwicklungsschritten ist aber auch hier jedes Kind unterschiedlich", betont Schlafcoach Karen van Zetten. Das gelte sowohl für das Verhalten als auch für den Zeitraum: "Die Monatsangaben sind eher als Anhaltspunkt, nicht als festes Datum zu verstehen."

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Was Eltern bei Schlafregression tun können

"Das wichtigste ist Nähe", sagt Karen van Zetten. Ihr konkreter Tipp: "Eltern sollten ihr Kind auf keinen Fall allein weinen lassen, wie es frühere Generationen gelehrt haben. Das Kind ist in diesem Moment überfordert, hat Trennungsängste. Es braucht jetzt die Gewissheit, dass seine Eltern bei ihm sind. Wir Erwachsenen müssen Geduld bewahren und es unterstützen. Streicheln, hochnehmen, kuscheln und beruhigende Worte helfen oft schon."

Stillen, sagt van Zetten, würde sie erst als letztes Beruhigungsmittel anbieten, denn dieses Einschlafritual sei nach der Regression am schwierigsten wieder abzugewöhnen. "Aber wenn Baby und Mama damit am besten zurechtkommen, ist das ihr persönlicher Weg und somit auch gut", stellt die Schlafcoachin klar.
Eltern sollten in den schwierigen Phasen zudem versuchen, ihre Abläufe und Rituale so gut es geht einzuhalten. Das gibt den Kindern ein Sicherheitsgefühl, was die Bettzeit positiv beeinflussen kann.

Schlafregression mit 4 Monaten

Einige Baby schlafen in diesem Alter nachts schon fünf, sechs Stunden am Stück – und dann plötzlich nur noch eineinhalb. Auch der Mittagsschlaf ist in dieser Phase häufig kürzer als gewohnt. Karen van Zetten erklärt: "Der Schlafzyklus bildet sich, und ein Zyklus dauert 60 bis 90 Minuten. Das Baby kann sich noch nicht selbst regulieren und weiß nicht, wie es ohne Hilfe einschlafen soll – also ruft es seine Eltern."

Da der Schlaf in dieser Phase weniger tief ist, es mehr Leichtschlafphasen gibt, wachen die Kinder zudem häufiger auf als gewöhnlich. Hinzu kommt die motorische Entwicklung: Viele Kinder fangen in dieser Zeit an, sich zu drehen. Und das probieren sie auch zur Schlafenszeit, was noch mehr Unruhe ins Bett bringt.

Diese Schlafregression dauert zwei bis vier Wochen. "Man kann nachts nicht viel machen", sagt die Schlafcoachin offen: "Seid einfach da. Gebt eurem Kind die Nähe, die es braucht und begleitet es so in den Schlaf", rät sie betroffenen Eltern.

Schlafregression mit 8 Monaten

Bei sieben bis neun Monate alten Babys findet eine große neurologische Entwicklung statt. Das Kind erkennt sich selbst im Spiegel, unterscheidet Menschen und Dinge, Reihenfolgen und Tagesabläufe. Hinzu kommen neue grobmotorische Fähigkeiten wie Krabbeln und Robbe, Hochziehen und Aufstehen. "Es gibt viel zu verarbeiten", fasst Karen van Zetten zusammen: "Und verarbeitet wird nachts." In dieser Zeit reduziert sich zudem oft der Ruhebedarf von drei auf zwei Schläfchen am Tag, was auch Auswirkungen auf die Nacht hat.

Tipp: Ruhe bewahren, Nähe geben, durchhalten. Nach vier bis sechs Wochen ist die Schlafregression in der Regel vorbei. Das gilt auch für die noch kommenden Phasen.

Schlafregression mit 12 Monaten

Mit elf bis zwölf Monaten haben die Kleinen häufig mit dem Zahnen zu tun, der Kopf wächst, das Laufenlernen startet. Das Kind kommt durch die Entwicklungsschritte schlechter zur Ruhe. Einige weigern sich gar, sich hinzulegen – weil sie jetzt doch schon so gut stehen können. "Manche Kinder stehen auch nachts auf, im Halbschlaf, und wissen dann nicht, wie sie wieder runter kommen", berichtet unsere Expertin. Da sind helfende Hände und zärtliche Worte gefragt.

Tipp: "Eltern sollten das Kind nicht wieder hinlegen, sondern ihm zeigen, wie das geht. Damit es das lernt und künftig alleine schafft."

Schlafregression mit 18 Monaten

Nach dem ersten Geburtstag schlafen viele Kinder schon regelmäßig gut. Das kann sich mit der Schlafregression um den 18. Lebensmonat noch mal ändern. "In diesem Alter entwickelt das Kind ein Ich-Gefühl. Das geht oft mit extremen Trennungsängsten einher", erklärt Karen van Zetten. Es sei schwierig, in dieser Zeit konsequent zu bleiben und die gewohnten Abläufe einzuhalten.

Ihr Tipp: "Abends mehr Zeit einplanen und die Zubettgeh-Routine mit noch mehr Kuscheleinheiten verschönern. Das schafft ein gutes, sicheres Gefühl und die Trennung fällt leichter." Eltern könnten sich – wenn nichts anderes hilft – für die Zeit auch eine Matratze mit ins Kinderzimmer legen.

Schlafregression mit 24 Monaten

Klettern, rennen, balancieren – und sprechen! Das Leben ist für zwei Jahre alte Kinder viel zu aufregend, um es zu verschlafen. Das gilt für den Mittagsschlaf und für nachts. "Mitspracherecht ist hier das Zauberwort", meint unsere Expertin. Sie rät: "Wenn das Kleinkind das Vorlesebuch oder den Schlafanzug aussuchen darf, hat es das Gefühl, mehr Kontrolle über die Bettzeit zu haben. Und das gibt Sicherheit." Die Schlafregression um den zweiten Geburtstag ist keine von der Medizin offiziell definierte. Aber viele Eltern und Experten beobachten die Phase bei ihren Kindern, in der bei machen auch der "Nachtschreck" auftauchen kann.
Karen van Zetten: "Meiner Erfahrung nach gibt es auch um den dritten und vierten Geburtstag unruhige Nächte. Wenn Eltern darauf achten, was ihr Kind neu kann, lernt, versteht, können sie es in Zeiten von Schlafregressionen besser unterstützen."

Autorin: Merle von Kuczkowski

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