Was darf mein Kind in welchem Alter?

Jugendschutzgesetz: So ist es Recht!

Kann ich meinem Kind erlauben, in die Disco zu gehen? Ab wann dürfen Jugendliche Alkohol trinken? Und dürfen Minderjährige Tabak konsumieren? Auf diese Fragen gibt das Jugendschutzgesetz Antworten. Eine Orientierungshilfe für Eltern.

Vor einiger Zeit wollte meine Tochter mit ihrer Freundin ins Kino. Auf meine Nachfrage, ob sie denn ihre Schülerausweise parat hätten und der Film zeitig genug enden würde, erntete ich genervtes Augen­verdrehen. "Sind ja nicht doof, und der Film ist ab zwölf", sagte meine Tochter, um mich keine zehn Minuten später telefonisch zu bitten, sie wieder abzuholen: Der 13-jährigen Freundin war der Kauf der Kinokarte verweigert worden, da der Film mit Überlänge erst nach 20 Uhr geendet hätte. Ihr entrüsteter Einwand, dass sie bereits in zwei Tagen 14 Jahre alt werden würde, hatte den Mitarbeiter an der Kinokasse nicht interessiert.

Die meisten Betreiber von Kinos, Gaststätten oder Discotheken halten sich an das Jugendschutzgesetz, da sie bei Verstößen mit empfindlichen Bußgeldern zu rechnen haben. Und laut Paragraf 11 des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) müssen Kinder unter 14 Jahren das Kino spätestens um 20 Uhr verlassen. 

Sobald die eigenen Kinder flügge werden, kommt man nicht umhin, sich mit dem Jugendschutzgesetz zu befassen. Gesetzliche Bestimmungen sind ein guter Richtwert und die beste Argumentationsgrund­lage, wenn es wieder einmal heißt: "Aber ALLE dürfen!" 

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Was liegt in meinem eigenen Ermessen und wo handele ich ggf. ungesetzlich?

Durfte ich meiner 15-Jährigen den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt spendieren? Wann muss sie das Jubiläumsfest des Schwimmvereins verlassen? Und was hat es mit dem Muttizettel auf sich? Wir haben die wichtigsten Punkte zum Thema JuSchG zusammengefasst.

Wichtig vorab: Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen zwei Arten von Betreuungspersonen. 

  1. Personensorgeberechtigte sind i. d. R. die Eltern oder ein gerichtlich bestellter Vormund.
  2. Erziehungsbeauftragte sind Personen, die von den Eltern den Auftrag zur Aufsicht erhalten. Gewerbetreibende und Veranstalter sind verpflichtet, diese Berechtigung im Zweifelsfall zu überprüfen. Hier kommt oft der sogenannte Muttizettel zum Einsatz (schriftliche Übertragung der Vollmacht). 

1. Kino, Filme, Video- und Computerspiele

Kinder unter sechs Jahren dürfen sich im Kino Filme ansehen, die ohne Altersbeschränkung (FSK 0) freigegeben sind, wenn sie von einer erziehungsbeauftragten Person begleitet werden.

  • Kinder und Jugendliche benötigen im Alter von sechs bis 13 Jahren nach 20 Uhr, mit 14 und 15 Jahren ab 22 Uhr und im Alter von 16 und 17 Jahren ab 24 Uhr die Begleitung einer erziehungsbeauftragten Person. 
  • Die Kinofilme sowie der Verkauf und Verleih von Filmen, Video- und Computerspielen müssen grundsätzlich für die jeweilige Altersstufe (FSK) freigegeben sein. Die Beschränkungen gelten selbst dann, wenn Eltern ihre Kinder ins Kino begleiten. 
  • Sonderfall FSK 12: Ab sechs Jahren dürfen Kinder auch in Filme, die erst ab zwölf Jahren freigegeben sind. Aber ausschließlich in Begleitung der eigenen Eltern. Durch diese Regelung möchte der Gesetzgeber den Kinobesuch für die gesamte Familie ermöglichen. 

2. Gaststätten

Kinder und Jugendliche bis einschließlich 15 Jahre dürfen sich in Gaststätten ohne Begleitung nur zwischen 17 und 23 Uhr für eine Mahlzeit und ein Getränk aufhalten (Richtwert maximal eine Stunde) und wenn sie sich auf Reisen befinden (nachweislich durch z. B. eine Fahrkarte). 

  • In Begleitung einer erziehungsbeauftragten Person dürfen sich Kinder und Jugendliche zeitlich unbeschränkt in Gaststätten aufhalten. Das gilt auch, wenn sie an einer Veranstaltung eines anerkannten Trägers der Jugendhilfe teilnehmen. 
  • Ab 16 Jahren darf sich ein Jugendlicher ohne ­Begleitung bis 24 Uhr und in Begleitung einer erziehungsbeauftragten Person zeitlich unbeschränkt in einer Gaststätte aufhalten. 

3. Tanzveranstaltungen und Diskotheken 

Unter 16 Jahren dürfen öffentliche Tanzveranstaltungen nur in Begleitung einer erziehungsbeauftragten Person besucht werden, es sei denn, der Veranstalter ist ein anerkannter Träger der Jugendhilfe (z. B. Disco im Jugendzen­trum). In diesem Fall dürfen sich auch Kinder unter 14 Jahren bis 22 Uhr und im Alter von 14 und 15 Jahren ohne Begleitung bis 24 Uhr dort aufhalten.

  • Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren dürfen sich ohne Begleitung bis 24 Uhr in Diskotheken und Co. aufhalten. Ab 24 Uhr benötigen sie die Begleitung einer erziehungsbeauftragten Person.   
  • Für private, nicht öffentliche Tanzveranstaltungen wie Privat- oder Vereinspartys, aber auch für (Pop-)Konzerte gelten diese Einschränkungen –zumindest vonseiten des Jugendschutzgesetzes – nicht. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Veranstalter in der Regel ihre eigenen Altersbeschränkungen festlegen! 

4. Alkohol und Rauchen

Unter 14 Jahren dürfen Kinder Alkohol weder konsumieren noch käuflich erwerben. 

  • Mit 14 und 15 Jahren dürfen Jugendliche in der Öffentlichkeit alkoholische Getränke wie Bier, Sekt und Wein in Begleitung eines Elternteils ­konsumieren. 
  • Ab 16 Jahren dürfen Jugendliche Wein, Sekt und Bier kaufen und in der Öffentlichkeit konsumieren. Der Kauf und Verzehr von hochprozentigerem Alkohol (Spirituosen, Alkopops) ist erst ab 18 Jahren gestattet. 
  • Bei Tabakwaren ist der Gesetzgeber sehr streng und verbietet den Kauf und öffentlichen Konsum von Zigaretten, E-Zigaretten und E-Shishas für alle unter 18 Jahren (selbst wenn die E-Zigarette oder die Shisha kein Nikotin enthält). 

5. Nachtclubs und andere jugendgefährdende Orte

Spielhallen, Nachtclubs, öffentliche Drogenszenen und deren Umschlagplätze (z. B. im Park), Straßenstrich, Rotlichtbezirke und Orte, an denen viel Alkohol getrunken wird, sind für Minderjährige tabu. Übrigens: Auch eine verlassene Straße kann mitten in der Nacht für orientierungslose Kinder ein jugendgefährdender Ort sein. 

Unter www.jugendschutz-aktiv.de informiert das Bundesministerium für Familie und Jugend ausführlich über die Gesetzgebung. Besonders praktisch: der nach Altersstufen und Rubriken gestaffelte Jugendschutz-Rechner.

Wie sieht es mit dem Jugend­­schutz im Internet aus?

In Deutschland regelt der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV), vor welchen Inhalten Kinder und Jugendliche im Fernsehen, Radio und Internet geschützt werden sollen. Doch nirgendwo können Kinder und Jugendliche die Altersbeschränkungen besser umgehen als im Internet. Zwar existieren vonseiten der App-Anbieter Altersbeschränkungen (so ist die Registrierung in vielen sozialen Netzwerken wie Instagram, YouTube oder Snapchat offiziell erst ab 13 oder gar 16 Jahren erlaubt), doch durchstöbert man die Netzwerke, wird schnell klar, dass schon Grundschüler genau wissen, wie man mit einem einfachen Klick die Altersfreigabe umgehen kann.

Dabei müssen vor allem Kinder und Jugendliche im Internet besonders geschützt werden. Gewaltverherrlichende Spiele, extremistische oder pornografische Seiten, Cybermobbing und Selbstgefährdung – die Gefahren im Internet sind groß und nicht zu unterschätzen! Schauen Sie genau hin, welche Apps sich auf dem Handy oder dem Computer Ihres Kindes befinden! 

Jugendschutz.net ist das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Hier finden Eltern viele Antworten und weiterführende Links zu Kooperationspartnern wie www.schauhin.de oder www.app-geprüft.net für jugendgeschützte Anwendungen im Internet

Autorin: Angelika Hesse

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