Kolumne: Meine Jungs-Mama-Jahre

Wackelzahnpubertät – alles nur eine Phase, oder?

In unseren Kolumnen lassen wir euch ein bisschen am Leben unserer Redakteure teilhaben. In diesem Text erzählt Irlana Nörtemann von ihren Erfahrungen mit der Zahnlückenpubertät ihres Sohnes.

Kinder legen es manchmal ganz schön drauf an – auch in der Wackelzahnpubertät (Symbolbild).
© Foto: Getty Images/Masopasi
Kinder legen es manchmal ganz schön drauf an – auch in der Wackelzahnpubertät (Symbolbild).

Zwischen Trotzphase und Pubertät liegt für Eltern die entspannteste Zeit. Dachte ich. Aber von wegen. Denn dazwischen liegt die Wackelzahnpubertät. Und die ist nicht zu unterschätzen, wie ich jetzt weiß.

Mein Sohn Finn (gerade 8 geworden) hat schon recht früh die ersten Zähne verloren, er war damals vier Jahre jung. Den ersten Zahn hat er sich bei uns auf der Treppe ausgeschlagen. Das heißt, nicht ganz. Der Zahn musste letztendlich in einer (für meinen Sohn UND mich) traumatischen Prozedur gezogen werden, da er zu locker war, um wieder anzuwachsen. Kurz danach hörte ich zum ersten Mal von der Wackelzahnpubertät. Eine Mutter mit Schulkind erzählte mir von der Zahnlückenpubertät, wie sie sie nannte. Ich fand den Begriff total lustig. Und ein bisschen albern. Aber vor allem lustig. Bei Finn war davon noch nichts zu spüren.

Fluch und Segen zugleich: der eigene Wille (nicht nur) in der Wackelzahnpubertät

Was weniger lustig ist, sind die "Ausraster", die etwas später folgten. Wobei Ausraster eigentlich übertrieben ist. im Großen und Ganzen ist mein Sohn recht verständnisvoll, man kann gut mit ihm reden und sich über vieles einig werden. Aber eben nicht über alles. Und das muss man auch nicht. Wir wollen ja, dass er seine eigene Meinung hat und die auch vertreten kann. Nur genau da ecken wir im Alltag leider manchmal an. Natürlich hat er kein Interesse daran, sich morgens schnell fertig zu machen, damit ich pünktlich ins Büro komme und er in die Schule (oder vorher Vorschule und Kita). Ich aber schon. Er will lieber spielen und sich nicht stören lassen. Und so liegt es dann doch wieder an mir, ihn anzutreiben.

Manchmal denke ich, das war als Kleinkind noch einfacher, weil man dem Kind argumentativ überlegen war (auch wenn es pädagogisch wahrscheinlich nicht besonders wertvoll ist, das auszunutzen). Doch jetzt heißt es immer mal wieder einfach: "Nein!" oder "Warum?", wenn er etwas machen soll, was er nicht will. Zwischendurch fehlt mir echt die Fantasie, damit umzugehen und ihm aus Kindersicht einleuchtend zu begründen, warum er etwas tun soll.

Stimmungsschwankungen dank Wackelzahnpubertät

Was mich in der letzten Zeit ebenfalls irritiert, sind die plötzlichen Gefühlsausbrüche meines Sohnes: Erst poltert und schreit er mich an, weil ich vergessen habe, ihm sein Buch hinzulegen, im nächsten Moment ist er die Ruhe selbst und will einfach nur kuscheln. Erst knallt er die Tür zu, im nächsten Moment lächelt er mich an. Da komme ich selbst emotional kaum hinterher.

Ich habe gelesen, dass Wutausbrüche, Stimmungsschwankungen und impulsives Verhalten im Alter zwischen fünf und acht Jahren ganz einfach die innere Unsicherheit bei Kindern widerspiegeln. Es tut sich so viel, sie lernen jeden Tag Neues. Der Wechsel von der Kita in die (Vor-)Schule will gewuppt werden, in der Schule kommen neue Ansprüche auf sie zu. Sie merken, dass sie größer werden und nicht mehr so klein sind. Auch der Körper wächst. Das ist schon einiges, was sie da bewältigen müssen. Und wahrscheinlich ein kleiner Vorgeschmack auf die Vorpubertät und Pubertät.

Zahnlückenpubertät: am besten verständnisvoll und geduldig bleiben

Es gibt diesen Spruch: "Wackeln die Zähne, wackelt die Seele". Aber ist nicht jeder Entwicklungsschritt, jede Entwicklungsphase bei Kindern einfach eine Entwicklung? Sicher ist es am besten, wenn wir als Eltern damit liebe- und verständnisvoll umgehen. Doch in der Realität klappt das leider nicht immer. Es gibt Dinge, die müssen einfach sein oder gemacht werden, ob das Kind nun will oder nicht. Und so erwische ich mich inzwischen dabei, auch mal Drohungen auszusprechen (wohl auch nicht gerade gut für mein "Pädagogisch-wertvoll-Konto"): "Wenn du dir jetzt nicht die Zähne putzt, darfst du morgen nicht Petronella Apfelmus gucken!"

Wahrscheinlich sollte ich lernen, nicht nur mit meinem Sohn, sondern auch mit mir selbst mehr Geduld zu haben (er wird es überleben, wenn ich mal etwas unwirsch bin). Denn während man sich in Bezug auf die Kinder immer wieder an das altbekannte Elternmantra "Es ist alles nur eine Phase" erinnern kann, bedeutet es als Erwachsene oft mehr und schwerere Arbeit, wenn man sich selbst verändern will.

Unser Buchtipp

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