Vater mit Teenager-Tochter© iStock/Kerkez
Für die Erziehung in der Pubertät braucht es einige Grundregeln.

Viele Eltern fürchten sich geradezu vor der Pubertät ihrer Kinder. Wird das jetzt die Trotzphase hoch zwei? So schlimm muss es nicht kommen. Tatsächlich kann die Zeit sogar allen Beteiligten Spaß machen! Das zumindest meint der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Ralph Schliewenz aus Soest, der uns handfeste Tipps mit auf den Weg gibt – für einen guten Umgang mit unseren Teenagern. 

Können Eltern ihre Kinder/Jugendlichen in der Pubertät überhaupt noch erziehen?

Ralph Schliewenz: Selbstverständlich! In dieser Zeit kommt es jedoch insbesondere darauf an, den Kontakt zwischen Eltern und ihren Teenager-Kindern aufrechtzuerhalten. Dazu wird Geduld, Kompromissbereitschaft und vor allem eine Kommunikation auf Augenhöhe notwendig sein. Die Vermittlung von gegenseitigem Vertrauen stellt aus meiner Sicht nun das Haupterziehungsziel dar. Entwicklungspsychologisch geht es für die Jugendlichen um Identität und Autonomie.

Was passiert während der Pubertät im Gehirn? Das lest ihr im hier verlinkten Artikel.

Kann man mit der richtigen Erziehung Konflikten in der Pubertät vorbeugen?

Ob es "richtig" war, erfährt man meist erst im Nachhinein. Ich würde eher wünschen, das es "gut läuft". Das lässt sich direkt an den Gefühlen ablesen, die entstehen. Und wenn alle bereit sind, ihre Gefühle angemessen zu kommunizieren, lassen sie sich meist auch gut regulieren, falls sie sich einmal schlecht anfühlen sollten. Das wäre dann der Weg zur Konfliktlösung oder ggf. sogar -vermeidung.

Was können Eltern dafür tun, auch in schwierigen Phasen ein gutes Verhältnis zum Nachwuchs zu behalten?

Sich interessieren, das heißt, nachfragen, dranbleiben und – um Brücken zu bauen – auch einmal von sich erzählen. Auch wir Eltern waren einmal Teenager! Was uns durch schwierige Phasen geholfen hat, dürfte für den eigenen Nachwuchs ebenfalls nicht schädlich sein.

Wie gehen Eltern am besten damit um, wenn die Jugendlichen sich mehr und mehr verschließen? Gibt es eine Möglichkeit, dennoch an die Jugendlichen heranzukommen?

Niemals aufgeben! Eventuell andere vertraute erwachsene Personen einbeziehen, die dann zu "Brückenbauern" werden. Also netzwerken und darüber den Kids stellvertretend und nebenbei soziale Fertigkeiten vermitteln.

Was tun, wenn die Kids "falsche" Freunde haben, also welche, die ständig Computerspiele spielen, oft Alkohol trinken, rauchen oder sogar andere Drogen nehmen?

Was immer hier die Anziehungskraft ausübt, vielleicht gibt es für das Kind eine Alternative? Danach lässt sich aber nur mit dem Kind gemeinsam suchen. Wenn es noch möglich ist, könnte es auch hilfreich sein, diese sogenannten Freunde zu kontaktieren, also auch selbst besser kennenzulernen. Falls es sich um Vorurteile handelt, lassen sich diese manchmal sogar ausräumen.

Muss bestimmtes Verhalten bestimmte Konsequenzen für Teenager haben?

Verhalten hat immer Konsequenzen – gewünschte und unerwünschte. Im erzieherischen Sinne sollten die Sanktionen prompt und mit einem inhaltlichen Bezug folgen. Also, wenn etwas kaputt geht, es wieder zu reparieren; morgens zu spät aufzustehen, könnte mit einer früheren Zubettgehzeit begegnet werden. Es geht darum, es wieder gut zu machen – aus dem schlechten Gefühl wird ein gutes. Es ist angemessen reguliert, wenn es für alle Beteiligten wieder gut ist. Auch hier geht es um Kompromissbildung. Bei einem echten Kompromiss bewegen sich beide Seiten aufeinander zu. Andernfalls könnte es auch ein "fauler" Kompromiss sein. Der rächt sich dann irgendwann.

Ist die Pubertät wirklich so anstrengend?

Erziehung darf und soll auch Spaß machen. Es ist anstrengend, ja, aber das ist nun einmal untrennbar mit der Elternschaft verbunden. Uns sollte bewusst sein, dass die Kinder sich das nicht ausgesucht haben! Es geht ja dabei auch darum, die Spielräume zu erweitern, das heißt, Angebote zu machen, welche "Belohnung" zu erwarten wäre, oder spontan etwas Schönes zusammen zu erleben. Eltern können sich immer wieder bewusst machen, dass der Tag kommen wird, an dem das Kind das Haus verlässt!

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