Die Kinderlos-Kolumne

"Wahnsinn, wie diese Mama einfach einen Wutanfall ignoriert!"

Unsere Autorin, die selbst keine Kinder hat, wurde Zeuge eines heftigen Trotzanfalls im Supermarkt. Erstaunt hat sie dabei aber nicht das Kind, sondern vielmehr die Mutter, die den Ausbruch einfach passieren ließ ...

Wutanfall im Supermarkt? Keine Seltenheit! Super gelassene Eltern allerdings schon!
© Foto: iStock/Antonio_Diaz
Wutanfall im Supermarkt? Keine Seltenheit! Super gelassene Eltern allerdings schon!

Gestern im Supermarkt: der Weg zum Süßigkeitenregal wurde mir versperrt durch ein etwa sechsjähriges Mädchen, das sich laut brüllend auf den Fliesen vor dem Display mit einem Regiment in glänzend rote Mäntel gehüllte Schoko-Nikoläuse wälzte. Mit tränenerstickter Stimme kreischte und jammerte es nach so einem Exemplar, als ginge es um sein Leben. 

Einerseits genervt, andererseits von so viel Inbrunst berührt, beobachte ich das Schauspiel. Die meisten Leute, die mit mir hier einkaufen und es natürlich sehr eilig haben, machen einen Bogen um das völlig aufgelöste Kind, einige Ältere schüttelten den Kopf, andere schenken der genervten Mutter ein mitleidiges Lächeln. 

Mama macht den Terz nicht mit

Erstaunlicherweise war die nämlich mit totaler Ignoranz beschäftigt und sparte sich das ewige Nein rufen. Sie nutzte lieber die Zeit, zackig die restlichen Dinge von ihrem Zettel in den Einkaufswagen einzuladen. Erstaunlich, wie konnte die Frau nur so konsequent bleiben? Hätte ich eine Tochter und würde sie sich in der Öffentlichkeit so benehmen, wäre mir wahrscheinlich längst der Kragen geplatzt und ich hätte ihr eine ordentliche Standpauke verpasst – Publikum hin oder her. Keine Ahnung, was passiert wäre. 

Diese Mutter allerdings wirkte abgeklärt mit ihrer Ignoranz. Dabei fällt es doch immer auf die Mutter zurück in solchen Situationen, weil sie vermeintlich ihre Erziehung nicht im Griff hat. Leiderprobt hatte sie ihre Prinzipien entwickelt. Energiesparen lautet die Devise. Einfach zu tun, als wäre nichts, war scheinbar das einzig wirksame Mittel – auch wenn das Nervenkostüm der Mitmenschen dabei in Mitleidenschaft gezogen werden musste.

Vereint an der Supermarktkasse

"Ich will aber....!" klagte die Kleine lauthals weiter, nicht ohne sich immer wieder zu vergewissern, ob ihre Mutter das rührende Theater auch mitbekam. "Du, deine Mami ist, glaube ich, schon gegangen!" konnte ich mir irgendwann nicht mehr verkneifen zu ihr zu sagen. Ich wollte einfach wissen, was passiert. Schlagartig war das Gezeter vorbei, das Kind sprang auf, ließ den Nikolaus aus ihren Gedanken fallen und rannte weinend und Mama rufend Richtung Kasse. 

Die Sorge, ihre Mutter könnte sie hier alleine zurückgelassen haben, war groß. Aber natürlich unberechtigt: Die stand seelenruhig in der Schlange an Kasse 2 und streichelte ihrer Tochter nur kurz über den Blondschopf, als wäre nichts gewesen. Kompletter Szenenwechsel! Wie ein Gummiband, das bedrohlich unter Spannung steht, bis es sich plötzlich wieder entspannt und die unkaputtbare Nähe wie von selbst wieder da ist: So ist das wohl zwischen Mutter und Kind! "Leg die Sachen schon mal aufs Band", bat Mami ihre Kleine, die der Aufforderung emsig nachkam. Den Schoko-Nikolaus und die Frau, die so komische Sachen sagt, hatte sie dabei längst vergessen. 

Autorin: Antonia Müller

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