Laila Maria Witt ist nicht nur Mama von vier Kindern, sondern hat neben ihren anderen Jobs auch noch ein Mode-Label gegründet.
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Laila Maria Witt ist nicht nur Mama von vier Kindern, sondern hat neben ihren anderen Jobs auch noch ein Mode-Label gegründet.

Schauspielerin, Familien-YouTuberin, Ratgeber-Autorin, Mutter von vier Kindern und jetzt auch noch ein eigenes Mode- und Körperpflege-Label – wie schaffst du es, alles unter einen Hut zu bringen?

Laila Maria Witt: Wenn ich diese Aufzählung so höre, klingt das in der Tat nach sehr viel (lacht). Entscheidend ist, dass ich natürlich nicht alles zeitgleich bin und erledige. Ich widme mich immer einer Sache voller Konzentration und Freude – und gehe dann die nächste an. Es heißt zwar immer, wir leben in einer Multitasking-Gesellschaft, aber tatsächlich ist der Kopf ja nur in der Lage, einen Gedanken zur gleichen Zeit zu denken. Und wenn wir die Dinge, die uns wichtig sind, wirklich gut erledigen wollen, brauchen sie unsere volle Aufmerksamkeit.

Hier kommt auch gleich ein Tipp von mir: Egal, welchen Alltag wir uns ansehen – denn die sind ja sehr verschieden – wir können ihn strukturieren. Und Struktur ist meiner Meinung nach das A und O. Ob es nun um Haushalt, Kinder, Partnerschaft, Freundinnen und Freunde oder um den Job geht: Jedes Thema hat seinen Platz und seine Zeit. Ich habe viele Jahre an meiner ganz eigenen Struktur gearbeitet und lebe heute einen Alltag, der mich sehr, sehr glücklich macht. Wie schaffe ich es also, alles unter einen Hut zu bringen? Ich mache eine Sache nach der anderen.

Muss man für einen so vollen Alltag ein Organisationstalent sein oder könnten das im Prinzip auch "Normalos" schaffen?

Laila Maria Witt: An erster Stelle muss dafür der Wunsch stehen, das überhaupt zu wollen. Es gibt Menschen, die möchten das gar nicht und das ist auch absolut in Ordnung. Sobald aber der Wunsch da ist, vieles unter einen Hut zu bekommen, sind wir auch gewillt, einen Hebel für unser Leben umzulegen, um unseren Alltag zu verändern. Das ist natürlich etwas Arbeit und braucht Zeit, weil sich neue Strukturen und Gewohnheiten nicht von heute auf morgen verändern lassen. Aber es funktioniert. Ich bin davon überzeugt, dass jede und jeder von uns ganz viele Kapazitäten und Möglichkeiten hat. Wir müssen sie nur erkennen und bestmöglich nutzen.

Was war für dich die größte Überraschung am Elternsein?

Laila Maria Witt: Die größte Überraschung am Muttersein war für mich, wie viel Liebe in mir steckt. Natürlich wusste ich, dass eine Mutter ihr Kind liebt, aber ich wusste nicht, welche Ausmaße diese Liebe annehmen kann. Ganz besonders einschneidend war für mich die Erfahrung, als ich mein zweites Kind bekam. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass noch mehr Liebe in meinem Herzen entstehen würde. Ich liebte ja bereits so doll. Aber genau das ist passiert: Die Liebe hat sich einfach verdoppelt. Und mit jedem weiteren Kind noch einmal mehr.

Was hättest du gern gewusst, bevor du Mutter wurdest?

Laila Maria Witt: Ach, die vielen kleinen Dinge. Deswegen habe ich auch meinen Schwangerschaftsratgeber geschrieben und das Buch über Babys erstes Jahr, in denen ich ganz bewusst nichts außen vorlasse. Beispiel gefällig? Mir war nicht bewusst, dass sich bei der Geburt auch der Darm entleert. Und bei der Entbindung meines ersten Kindes war meine komplette Familie anwesend. Das war mir, trotz der Aufregung und all der Hormone, tatsächlich ein wenig unangenehm. Dinge wie diese hätte ich schon gern vorher gewusst. Und so geht es weiter: über den ersten Zahn, das Zufüttern, das Einschlafen im eigenen Bett bis zur Eingewöhnung in den Kindergarten ... Man weiß irgendwie, dass das alles auf einen zukommt, aber man hat keine Vorstellung davon, was jeder einzelne Schritt konkret bedeutet. Denn diese Dinge geschehen ja nicht einfach so von heute auf morgen. Das ist immer ein Prozess, mitunter – wie beim Zahnen – ein sehr langwieriger und anstrengender für alle Beteiligten. Dabei gibt es meist für alles tolle Tipps und Tricks.

Was magst du am Mama-Alltag am liebsten?

Laila Maria Witt: Meine Morgenroutine … nein, warte, am liebsten mag ich die Abholroutine. Obwohl … noch mehr genieße ich die Schul- und Kitawege mit meinen Kindern. Was ich auch sehr schätze, ist, die persönliche Entwicklung meiner Kinder zu beobachten und begleiten zu dürfen. Wie sie sich von kleinen Kindern zu ganz eigenständigen, individuellen Menschen entwickeln mit ihren Eigenheiten und eigenen Charakterzügen. Das finde ich wahnsinnig spannend und berührend.

Wie kam es dazu, dass du dein eigenes Label gegründet hast?

Laila Maria Witt: Als HSE auf mich zukam und mich gefragt hat, ob ich im Bereich Mutter-Kind eine Marke mit Mode, Pflege und Accessoires aufbauen möchte, bin ich einem spontanen Impuls gefolgt und habe voller Enthusiasmus einfach 'ja' gesagt. Ich beschäftige mich tatsächlich aber schon seit vielen Jahren mit meiner Mode, schneidere sie um, improvisiere eine Menge mit der Kleidung meiner Kinder und mische mir meine Kosmetik selbst. Es ist also kein neues Feld für mich, ich habe darin bereits Erfahrung und mache das sehr gern.

Was war deine gefühlt größte Niederlage?

Laila Maria Witt: Die hat tatsächlich nichts mit meinem Mama-Sein zu tun. Sie betrifft meinen Beruf als Schauspielerin. Denn irgendwie habe ich es leider nicht geschafft, hier richtig Fuß zu fassen und bin auch im Nachhinein immer noch ein bisschen ratlos, woran das gelegen hat. So konnte ich mich zwar etliche Jahre mit vielen kleinen Rollen über Wasser halten, aber für die große Schauspielkarriere hat es einfach nicht gereicht. Diese zahlreichen Versuche und damit verbundenen Absagen haben sehr wehgetan. Aber wer kann schon sagen, wofür das gut gewesen ist, schließlich liebe ich mein Leben genauso, wie es jetzt ist. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja in ferner Zukunft doch noch mal etwas und ich werde mit 80 eine berühmte Leinwandheldin …

Was ist dein (Geheim-)Rezept fürs Glücklichsein?

Laila Maria Witt: All meine Facetten leben zu dürfen. Wir alle haben ganz verschiedene Vorlieben und unterschiedliche Seiten. Es tut mir manchmal weh zu erleben, wie Menschen sowohl von der Gesellschaft als auch von sich selbst in Schubladen gesteckt werden, in die sie gar nicht gehören. Was meine ich damit? Manchmal bin ich die, die mit den Kindern auf dem Spielplatz sitzt, manchmal bin ich die, die feiern geht und auf den Tischen tanzt. Manchmal bin ich die, die im Fitnessstudio an ihr Limit geht, manchmal bin ich die, die konzentriert Stunden um Stunden an einem Buch schreibt. Manchmal bin ich die, die den Kuchen selbst backt und manchmal bin ich die, die beim Lieferservice Pizza bestellt. Manchmal macht es mir Spaß, mit Gebrauchsanweisung einen Tisch von Ikea aufzubauen, manchmal bitte ich meinen Mann, eine Glühbirne reinzudrehen. Ich mag es, als Berufspendlerin mit Laptop und Hosenanzug unterwegs zu sein und ich mag es, im Jogginganzug meine Kinder in die Schule und den Kindergarten zu bringen. Manchmal müssen es Glitzerfingernägel sein und manchmal ein Bier im Fußballstadion. Das bin alles immer ich. Und es tut mir gut, das alles genau so sein zu dürfen. Ich wünsche allen Mamas und Frauen einen Alltag fernab von Schubladen.

Du hast zwei Kinder aus erster und zwei aus zweiter Ehe. Bringt dein Mann sich in die Kindererziehung mit ein?

Laila Maria Witt: Alle vier Kinder leben bei uns und werden alle gleich behandelt. Mein Mann ist ein ganz liebevoller Papa und bringt sich bei allen Kindern, sofern es sein Beruf erlaubt, in die Erziehung ein.

Wie haltet ihr trotz der Kinder eure Paarbeziehung lebendig?

Laila Maria Witt: Wir lieben es, uns regelmäßig zu einer Date-Night zu verabreden. Und wenn wir dafür keine Zeit haben, dann wird es auch mal ein Date-Vormittag. Gerade wenn man Kinder und besonders viel anderes drumherum zu tun hat, ist übrigens gar nicht die Länge der Verabredung entscheidend, sondern ihre Qualität und Intensität. Zum Beispiel gehen wir total gern zum Italiener essen. Aber wir lieben es auch, unsere Kinder ins Bett zu bringen. Mir ist übrigens besonders wichtig, dass sie rechtzeitig ins Bett gehen. Zum einen, weil Kinder ausreichend Schlaf brauchen, zum anderen, weil wir am Abend dann auch noch Zeit für uns haben. Wenn wir unsere Kinder also zu um 20 Uhr ins Bett gebracht haben, haben wir immer noch zweieinhalb Stunden Zeit, in ein Restaurant schick essen zu gehen, bevor wir dann gegen 22:30 Uhr nach Hause kommen und uns auch bald schlafen legen. Ich empfinde das als eine absolute Win-win-Situation: Wir gehen auf die Bedürfnisse der Kinder ein, haben eine wundervolle Auszeit für uns als Paar und ganz nebenbei gibt es auch noch ausreichend erholsamen Schlaf für alle. Ich finde, das ist ein sehr schöner und machbarer Kompromiss, oder?

Magst du uns kurz etwas über deine Zeit als Alleinerziehende erzählen?

Laila Maria Witt: Als Alleinerziehende bin ich an meine Grenzen gekommen und genau das hat mich dazu gebracht, mein Leben komplett neu zu organisieren. Daraus ist die Ur-Idee für mein Buch "Happiness hausgemacht" (Anm. der Redaktion: siehe oben im Kasten) entstanden.

Was möchtest du anderen Eltern mit auf den Weg geben?

Laila Maria Witt: Es ist möglich, auch als Mama, einen Alltag mit Leichtigkeit zu erleben. Es ist nicht nur möglich, sondern auch wichtig.

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