Von Geburt an ohne Windel

Baby abhalten: So funktioniert die Windelfrei-Methode

Erkennen, wann das Baby mal muss – darum geht es bei der Windelfrei-Methode. Wir erklären den Trend und zeigen, was es beim Abhalten alles zu beachten gibt.

Die meisten Kinder werden zwischen zwei und drei Jahren trocken. Einige ein bisschen früher, einige ein wenig später. Dennoch hört man derzeit immer wieder von Babys, die von Geburt an ohne Windel großgezogen werden. Windelfrei nennt sich diese Methode und eigentlich ist der Begriff ein wenig irreführend, denn natürlich geht es nicht ganz ohne Windeln. Und es geht auch nicht darum, dass das Kind möglichst schnell trocken wird oder aufs Töpfchen geht. Im Englischen spricht man von "Elimination Communication", was übersetzt so viel wie "Ausscheidungs-Kommunikation" heißt. Das Kind soll anzeigen, wenn es "mal muss" und die Eltern reagieren darauf. Und zwar nicht, in dem sie dem Baby eine Windel anlegen, sondern ihm eine Alternative anbieten und es über das Waschbecken, die Toilette oder ein Töpfchen halten. Daher auch der Begriff: das Baby abhalten.

Warum ist Abhalten gerade so angesagt?

Die Idee hinter der Windelfrei-Methode ist, dass kein Baby gerne in seinen eigenen Ausscheidungen liegt. Evolutionsbedingt betrachtet lockt der Geruch sogar Fressfeinde an. Für uns ist es völlig normal, ein Baby direkt nach der Geburt zu wickeln. In vielen anderen Ländern und Kulturen sieht das jedoch anders aus: Dort wird das Abhalten seit Generationen praktiziert. Das Mitteilen von Babys, wenn sie ausscheiden müssen, sei es durch Geräusche oder bestimmte Gesichtsausdrücke, hat eine ganz andere Bedeutung als bei uns. Eltern müssen hierzulande nicht bewusst auf die Signale ihres Kindes achten, wenn es "mal muss" – die Windel fängt schließlich alles auf.  

Die Windelfrei-Methode ist letztlich eine Besinnung auf alte Werte und soll dem Baby auf eine natürlichere Weise helfen, seine Ausscheidungen zu bemerken und irgendwann zu kontrollieren. Zudem soll es die Bindung zwischen Eltern und Kind stärken, da vermehrt auf die Bedürfnisse des Nachwuchses geachtet wird. Auch die Müllvermeidung durch weniger Windeln, Geldersparnis und geringere Anfälligkeit für Windeldermatitis spielen sicherlich eine Rolle, warum das Abhalten gerade so beliebt unter Eltern ist.

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Wie und wann fängt man mit der Windelfrei-Methode an?

Jedes Kind ist anders – das gilt auch beim Abhalten. Einige Mütter fangen direkt nach der Geburt an, andere erst, wenn das Kind schon ein wenig älter ist und sich besser mitteilen kann. Bemerken die Eltern also, dass das Baby ein gewisses Bedürfnis hat, ziehen sie es aus und halten es über eine Schüssel oder die Toilette, so dass es sich dort erleichtern kann. Ist das Kind schon ein wenig älter, kann man es auch aufs Töpfchen oder das Klo setzen. Vielleicht kommt was, vielleicht auch nicht. Abhalten ist kein Training – das Kind soll ganz ohne Stress und Druck ein natürliches Verhältnis zu seinen Ausscheidungen und dem späteren Toilettengang aufbauen. Wird mit dem Abhalten sehr früh angefangen, lernt das Baby direkt, dass es nicht in die Windel machen soll, sondern dass die Toilette dafür der richtige Ort ist.

Worauf sollte man bei der Kleidung achten?

Damit es im Fall der Fälle schnell genug geht, sollten Eltern auf praktische Kleidung achten. Strampler müssen beispielsweise erst umständlich ausgezogen werden, eine Hose kann man einfach runterziehen. In Babygeschäften gibt es auch sogenannte "Split Pants", also Höschen mit einem Schlitz im Schritt, der nur auseinander gezogen werden muss.

Welches sind typische Signale, wenn das Kind "mal muss"?

Die meisten Mütter und Väter bekommen sehr schnell ein Gefühl dafür, wenn das Baby ein "großes Bedürfnis" hat. Beim Stillen wird das Kleine oft unruhig, vielleicht windet es sich auch und hat Bauchweh. Viele Kinder machen auch das sogenannte "poo face". Soll heißen: Das Kind zeigt einen bestimmten Gesichtsausdruck, während es merkt, dass sich der Stuhlgang ankündigt. Ist es fertig, entspannen sich die Gesichtszüge wieder und die Erleichterung ist deutlich zu sehen. Vielen Kindern hilft es, wenn man das Abhalten von Anfang an mit einem Laut begleitet. Sie können diesen dann irgendwann benutzen, um sich mitzuteilen. Manchmal funktionieren auch Gesten gut, wie zum Beispiel das Zeigen auf die Windel. Sind die Kinder ein wenig älter, fangen sie an "Pipi" oder "Kacka" zu sagen, wenn sie aufs Töpfchen oder die Toilette möchten.

Welcher Griff eignet sich, um das Baby abzuhalten?

Eine vorgeschriebene Anleitung, wie man sein Baby abhalten soll, gibt es nicht. Aber durchaus ein paar Griffe, die sehr praktisch sind. Der gängigste sieht so aus: Man greift die Oberschenkel knapp über den Kniekehlen, so dass der Oberkörper an Mama oder Papa lehnt. In dieser hockenden Position kann man das Baby jetzt ganz einfach sein Geschäft verrichten lassen. Achtung: Jungs sollte man immer ein wenig weiter nach vorne lehnen, damit der Urinstrahl nicht zu weit nach oben geht. Viele Mütter berichten im Netz übrigens auch, dass das Abhalten ihrem Baby bei Blähungen, Koliken und  Verstopfung geholfen hat. Durch die angezogenen Beinchen lösen sich Krämpfe und sorgen so für ein wenig Erleichterung. Wenn das große Geschäft ein wenig länger dauert, kann man sich übrigens auch gut zusammen mit dem Kind aufs Klo setzen. Einfach ganz nach hinten rutschen und das Kind vor sich in der Hocke über das Loch halten. Je nach Alter, Gewicht und Größe können bestimmte Haltungen praktischer sein als andere. Und letztlich geht es beim Abhalten ja darum, das Kind in einer bequemen Position ohne Windel ausscheiden zu lassen. Auf dieer Seite findest du viele unterschiedliche Abhaltepositionen.  

Was bedeutet Teilzeit-Windelfrei?

"Shit happens" – das Motto passt beim Abhalten wohl sehr gut. Denn natürlich geht auch mal was daneben, wenn der Nachwuchs keine Windel trägt. Gerade unterwegs oder beim Spielen sind Kinder gerne mal so abgelenkt, dass sie nicht auf "Pipi" oder "Kacka" achten. Viele Mütter schwören daher auf "Teilzeit-Windelfrei", sprich das Kind trägt in bestimmten Situationen und meistens auch nachts noch eine Windel. Einige ziehen ihren Kindern sogar ständig eine Windel an und berichten, dass die Kommunikation trotzdem klappt. Die Windel wird dann quasi wie eine Unterhose verwendet. Letztlich gibt es viele Möglichkeiten, das Abhalten in den Alltag zu integrieren, wenn man es denn möchte. Und wenn nicht, gehen die Kinder irgendwann trotzdem auf die Toilette. Jeder sollte es so machen, wie er es mag und wie es für die Familie und das Kind am besten passt.

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