Wenn ständig jemand an einem klebt, können die Nerven schon mal blank liegen.
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Wenn ständig jemand an einem klebt, können die Nerven schon mal blank liegen.

Puh! Einfach mal wieder durchatmen. Einfach mal wieder ein paar Minuten für sich haben. Dieses Gefühl hatte ich, soweit ich mich erinnern kann, das erste Mal, als ich mit 19 als Au-pair in England war. Drei Kinder zwischen eins und neun, putzen, kochen – das volle Programm. Dann Ausflug zum Indoor-Spielplatz mit entsprechendem Lärmpegel (ich glaube, mit 19 begann bereits meine Indoor-Spielplatz-Phobie ;-)) und anschließend gleich wieder Essen machen. Kann ich mich bitte mal eben für fünf Minuten ALLEINE in mein Zimmer zurückziehen?

Ich liebe das Mamasein – aber muss mir das Kind immer am "Rockzipfel" hängen?

Etwa 13 Jahre später wurde ich dann selbst Mama. Wir bekamen ein absolutes Wunschkind. Da würde mir das nicht passieren, dass ich mich zu belagert fühle. Dachte ich. Doch wenn es irgendwann so weit ist, dass man nicht mal mehr alleine aufs Klo gehen kann und niemand anderes den lieben Kleinen ins Bett bringen darf als man selbst, ist eine Grenze erreicht. Zumindest meine individuelle.

Tatsächlich war es schon so weit gekommen, dass ich mich einfach ins Bad verzog, wenn ich mal ein paar Sekunden ganz für mich sein wollte. Doch noch nicht mal das funktionierte – mein Sohn kam hinterher und wollte immer genau da sein, wo ich war. Ja, ich weiß, das ist irgendwie total niedlich. Aber es gibt eben Momente, da wird es einem bei aller Liebe doch zu viel. Ich bin schließlich immer noch (oder wieder) ein eigenständiger Mensch und kein Doppelpack.

Bei Kinderumarmungen geht einem das Herz auf – aber ...

Es gibt nichts Schöneres, als kleine Kinderärmchen, die sich liebevoll um deinen Hals schlingen. Und dieser Eigengeruch des Kindes, der für mich genauso schön ist, wie es der Babyduft war, – da will ich einfach nur ganz tief einatmen.

Und doch: Nach unzähligen vollen Bürotagen mit anschließender Kinderbespaßung (nebenbei natürlich auch noch Haushalt) und nach dem x-ten Abend, den ich wieder am Kinderbett verbrachte, weil der Nachwuchs eben gerade eine "Mama-Phase" hatte und sich von niemand anderem ins Bett bringen ließ, spürte ich es wieder. Dieses Gefühl, das ich von damals aus meiner Au-pair-Zeit kannte: Ich will endlich mal wieder für mich sein, und wenn es nur ein paar Minuten sind.

Und heute?

Es wird leichter, ganz klar. Nach und nach kommen die geliebten Freiheiten zurück. Das Kind geht seinem eigenen Drang nach Autonomie nach und plötzlich ist es nachmittags verabredet. OHNE Mama (okay, bis es so weit ist, dauert es einige Jahre).

Und inzwischen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass mir der Körperkontakt mal zu viel wurde. Jetzt frage ICH meinen Sohn nach der Schule, ob ich ein Begrüßungsküsschen bekomme ...

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