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Ein Handy für Kinder: Und ewig blinkt das Smartphone ...

Ein Leben ohne eigenes Handy können sich die meisten Jugendlichen nicht mal mehr vorstellen. Während sich die Kinder freuen, fragen wir uns als Eltern: Was wischen die da dauernd? Und: Wie behalten wir die Kontrolle über den ganz normalen digitalen Wahnsinn?

Die Dinger sind überall. Smartphones, Ta­blets und Computer sind im Familienalltag ständig präsent. Im Bett, auf dem Ess­tisch, in der Badewanne. Bei Omas Geburtstag und im Urlaub am Strand. Ein Leben ohne Internet können sich viele Kinder und Jugendliche nicht vorstellen. Digitale Medien gehören so selbstverständlich dazu wie der Kühlschrank oder die Zahnbürste. Die Frage ist nicht mehr, ob wir sie nutzen, sondern wie. 

Ab wann dürfen Kinder ein Handy haben?

Zunächst ist das Internet ja auch eine feine Sache. Es bietet unfassbar viel Faszinierendes und Hilfreiches an. Kommunikation, Bildung, Unterhaltung – alles findet man online. Für viele Eltern allerdings ist der erste Gedanke, wenn es ums Thema Medien geht: Wie kriege ich das Kind vom Handy weg?  Surfen, spielen, chatten. Wann? Wo? Wie lange? Der Nachwuchs liebt Videos, lädt ständig neue Apps herunter. Täglich werden in Familien neue Regeln aufgestellt, gebrochen und geändert, werden mehr oder weniger hitzige Diskussionen geführt. Die Kinder sind genervt, die Eltern fühlen sich überfordert bis machtlos. Was tun? 

"In erster Linie sollten Eltern dranbleiben und schauen, was die Kinder machen“, erklärt Claudia Lampert vom Leibniz-Institut für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut. Erst schafften die Eltern die Geräte an, "und dann wundern sie sich, dass die Kinder mit großem Interesse und großer Neugier die verschiedenen Funktionen ausprobieren und davon fasziniert sind“, sagt die Expertin für Mediensozialisation. Im Idealfall reden Väter und Mütter mit ihren Kindern schon vor dem Kauf eines Smartphones darüber, wofür es genutzt werden soll und welche Regeln gelten. 

Und da geht's schon los mit den Konflikten: Ab wann soll ein Kind ein eigenes Smartphone haben? Die allgemeine pädagogische Empfehlung laute, so schreibt es die Initiative "Schau hin!" auf ihrer Website: kein Handy vor dem neunten Geburtstag, ein Smartphone erst ab zwölf Jahren. Im Oktober 2019 forderte der Chef des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte Thomas Fischbach, Kinder vor elf Jahren nicht ans Handy zu lassen. Sein Rat: je später, desto besser. Dass Eltern ihren Nachwuchs vor Smartphones und Tablets "parken“, sei ein "furchtbarer Trend“. 

Letztlich müssen aber die Väter und Mütter entscheiden, ob sie ihrem Kind den Umgang mit dem Handy schon zutrauen oder ob es aus ihrer Sicht noch zu jung dafür ist. Außerdem gilt es, die Motive für einen möglichen Smartphone-Kauf zu hinterfragen. Wenn es beispielsweise nur darum geht, dass Tochter oder Sohn erreichbar sind und im Notfall zu Hause anrufen können, kann zunächst ein einfaches Mobiltelefon genügen.

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Handy für Kinder einrichten: Im Gespräch bleiben, aber nicht kontrollieren

Wenn ein Smartphone erst mal da ist, besteht die Aufgabe darin, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, sie zu fragen, welche Apps sie verwenden, wofür sie die unterschiedlichen Angebote nutzen und was sie daran fasziniert. Von einer Kontrolle inklusive Überprüfung von Chatverläufen und aufgerufenen Seiten rät Expertin Claudia Lampert dringend ab. Dies gehe immer zulasten der Eltern-Kind-Beziehung. Kinder und Jugendliche müssten sich auch im Netz ausprobieren und eigene Erfahrungen machen können. "Sie bearbeiten ­dabei auch Themen wie Identität, Freundschaft, Beziehung oder Ablösung vom Elternhaus, das ist etwas sehr Persönliches“, so Lampert. Auch den Kindern die Geräte zu entziehen, wenn sie lange online sind, hält sie für keine gute Idee. Was Eltern aber durchaus tun können und sollten: Interesse zeigen, offen sein und ihren Söhnen und Töchtern bei Bedarf helfen, mit Problemen konstruktiv umzugehen. 

Die Gefahren im Internet

Dass das Surfen auch mit Risiken verbunden ist, weiß jeder. Problemati­sche Inhalte wie Gewaltvideos oder Pornografie, Spie­le, die User mit immer neuen, kostenpflichtigen Extras zum Geldausgeben verleiten, und Datenmissbrauch sind nur einige ­davon. Kinder und Jugendliche müssen wissen, dass es diese Gefahren gibt, und sie brauchen Unterstützung beim Umgang damit. Gerade bei der Sicherheit sieht der Datenschutzexperte und Vater von zwei Kindern Christoph Schultejans noch großen Nachholbedarf in Familien. "Die Nutzer, auch Eltern, verwenden Dienste unreflektiert und wissen oft gar nicht, an wen sie die Daten weitergeben und was damit passiert“, erklärt der Fachmann, der Firmen und Organisationen zum Datenschutz berät. So gelangen schnell persönliche Daten an die Öffentlichkeit – und tauchen möglicherweise irgendwann in ganz anderen Zusammenhängen wieder auf. "Man kriegt das aus der digitalen Welt nicht mehr raus“, warnt Schultejans. ­Seine Empfehlung lautet: genau überlegen, welche Dienste genutzt werden. Die Privatsphäre-Einstellungen prüfen und entscheiden, welche Daten öffentlich sein sollen und welche nicht. Und sich immer wieder bewusst machen: Wer Daten veröffentlicht, gibt damit die Kontrolle über sie aus der Hand. 

Streitpunkt Nutzungszeit

Einer der häufigsten Streitpunkte in Familien im Zusammenhang mit Smartphone, Tablet und Co. betrifft die Nutzungszeit. Und ja, es stimmt, zu langer Bildschirmkonsum kann auf Dauer schädlich sein. Was allerdings "zu lang" bedeutet, darüber liegen die Meinungen von Eltern und Kindern meilenweit auseinander. Dass es eine allgemeine Antwort auf die Frage, wie viel Bildschirmzeit für Kinder angemessen ist, nicht gibt, macht die Sache nicht einfacher. Ausschlaggebend sind vor allem der individuelle Entwicklungsstand von Sohn oder Tochter, die familiären Rahmenbedingungen und vor allem, was die Kinder an den Geräten machen. Eine Orientierungshilfe bietet der Online-Ratgeber "Internet-ABC“. Demnach sollen Kinder von vier bis sechs Jahren maximal 30 Minuten vor dem Bildschirm verbringen. Im Alter von sieben bis neun Jahren sind bis zu 60 Minuten okay. Kinder von zehn bis zwölf Jahren können auch mal 75 Minuten surfen. Für ältere Kinder empfehlen die Experten ein Wochenbudget. 

Um zu vermeiden, dass es wegen der Nutzungszeiten im Familienalltag ständig zu Konflikten kommt, ­plädieren Experten für gemeinsam festgelegte Regeln. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern! Denn auch vielen Müttern und Vätern fällt es schwer, ihr Smartphone aus der Hand zu legen. Helfen kann ein Medien­nutzungsvertrag, wie er zum Beispiel unter internet-abc.de angeboten wird. 

Die richtigen Apps für Kinder

Was altersgemäße Inhalte angeht, gibt es leider keine eindeutigen Empfehlungen. Zwar gelten für einige Apps offiziell Altersbeschränkungen. Letztendlich entscheiden aber auch hier die Eltern, welche Angebote die Kinder installieren, wenn sie denn überhaupt involviert sind. Bewertungshilfen und Tipps zu den gängigsten Apps finden sich unter kompass-social-media.de und klicksafe.de. Claudia Lampert rät Eltern, sich mit den Funktionen, Mechanismen und möglichen Risiken der einzelnen Online-Angebote zu beschäftigen, ihrer Einschätzung zu vertrauen und sorgfältig abzuwägen, was heruntergeladen wird und was nicht. Auch wenn das unter Umständen mit anstrengenden Diskussionen verbunden ist. 

Fazit

Auch wenn sich Konflikte in der Familie vielleicht nicht ganz vermeiden lassen – die gemeinsame Ausei­nandersetzung mit WhatsApp, You­Tube, Tiktok, "Minecraft“ oder "Coin Master“ bietet eine große Chance. Wenn Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen, wo und wie diese im Netz unterwegs sind, erfahren sie viel darüber, was ihre Kinder interessiert und wie es ihnen damit geht. Sie ermög­lichen den Jungen und Mädchen, eigene Haltungen und Positionen zu entwickeln und sicherer zu werden im Umgang mit den Möglichkeiten und Risiken der digitalen Welt. Dabei geht es für Eltern nicht darum, alles toll zu finden, was den Kindern gefällt. Aber zumindest anzuerkennen, dass es sie fasziniert. Und im besten Fall mit und von ihnen zu lernen. 

Auf einen Blick: 4 Tipps für den Umgang mit dem Handy

1. Gemeinsam probieren

  • Um der Handy-Nutzung inhaltliche oder zeitliche Grenzen setzen können, ist es wichtig, dass Eltern das Smartphone kennen. Probiert erst mal aus, was das Gerät alles bietet und wo man welche Einstellungen und Funktionen verändern kann.

2. Absprachen treffen

  • Klare Regeln erleichtern es Kindern, das Handy eigenverantwortlich zu nutzen. Legt gemeinsam mit eurem Kind fest, wie lange und zu welchen Zeiten das Gerät genutzt werden darf.
  • Auch ob eine permanente Internet-Verbindung nötig ist, könnt ihr klären (siehe auch "Datenschutz").
  • In den meisten Schulen ist die Nutzung von Handys klar geregelt. Gut, wenn Eltern sich über die Vorschriften informieren und sie mit ihrem Kind besprechen.

3. Kostenkontrolle

  • Gemeinsam mit ihrem Kind können Eltern die Kosten für eine Minute Telefonieren oder Surfen ermitteln und ihm so ein Gefühl dafür geben, was die tägliche Handynutzung kosten kann.
  • Ist nach einigen Wochen klar, für was das Handy meistens genutzt wird, kann etwa ein Daten-Paket für die Internetverbindung gebucht werden.
  • Mit einem Prepaid-Tarif hat das Kind für die Handynutzung ein bestimmtes Guthaben zur Verfügung. Ist dieses aufgebraucht, ist das Kind aber immer noch telefonisch erreichbar und kann den Notruf wählen.

4. Datenschutz

  • Weil Kinder und Jugendliche über Handy unbemerkt im Netz surfen können, sollten Eltern sie immer wieder auf mögliche Gefahren aufmerksam machen und sie dazu anhalten, keine persönlichen Daten wie Adresse, Telefonnummer oder Geburtstag leichtfertig mit anderen zu teilen.
  • Über die Einstellungen des Mobiltelefons können Eltern außerdem nicht gewünschte Funktionen ausschalten oder einschränken.

Autorin: Christina Tangerding

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